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Nachrichten aus der Debattiermaschine Reichtum

Gesellschaft

Es ist eine gute Nachricht, dass die Reichen und Superreichen reicher und mehr sind als gedacht. Gedacht? Heisst vermutlich: mehr als ermittelt, mehr als medial vermittelt, mehr als einem blöden Publikum zugemutet.

Luxusyacht «Ocean Pearl» vor Sardinien, Italien.
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Bild: Luxusyacht «Ocean Pearl» vor Sardinien, Italien. / martinvarsavsky (CC BY 2.0 cropped)

16. Juli 2014
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Dass sie reich, reicher, am reichsten sind – geht mir am Arsch vorbei. Mehr als ich esse und trinke, können sie auch nicht trinken und essen. Möglicherweise esse und trinke ich sogar besser als sie, weil ich in einer lukullisch-bewussten Gegend lebe, in der es in der TOTAL-Tankstelle auch einen MacDonalds, im Umkreis von etwa 200 Kilometern und ganz in der Nähe aber nicht nur bunt verpackten Schiet- und Schmierkram gibt. Zu schweigen vom Weine und von Lokalen, in deren Küchen sich nicht Lamm-Kotelett auf Leck-oder-mach-mich-fett reimt, und Pasta nicht mit B geschrieben wird und nicht nach Buchstaben-Suppe schmeckt.

Dass die Reichen mehr sind, als gedacht oder ermittelt oder anderswie behauptet, finde ich auch gut. Gibt es mehr Reiche, gibt es weniger Arme. Das ist die einfache Rechnung eines Menschen, der weder in der Polytechnischen noch in der Erweiterten Oberschule das Fach Mathematik abgewählt hat. (Weil er es nicht durfte. Noch so ein Malus der Deutschen Demokratischen Repression.) Zumal: Es wird wahrlich hungers gestorben auf der Welt, aber nicht mehr so arg wie früher. Wie sonst. Oder damals. Oder …

Da müsste ich die nächste Statistik rauskramen. Wird weniger an Hunger, Krankheit, Armut in summa gestorben? Oder werden wir auf der Welt so viel mehr und nicht reicher, dass proportional gerechnet werden kann: Wir werden insgesamt fetter, zufriedener und haben demnächst statt zwei vier Fernsehgeräte im Haushalt. Und können uns, auf die Zimmer verteilt, all die Lügen anschauen, die aufgetischt werden. Wie die Mahlzeiten, die wir regelmässig und üppig zu uns nehmen. Und die trotzdem sterben, zahlenmässig-irreal, statistisch weniger werdend (oder doch in summa mehr und mehr?), irgendwie sind die vielleicht doch selber dran Schuld?

Ich muss innehalten. So wohlstandsteutonischer Furor bringt nichts. So allgemeines Unbehagen spürt ja jeder. Jeder, der noch Tassen im Schrank und es warm um sich rum hat, satt ist und im Urlaub nicht allzu sehr knausern muss, weiss doch, dass er es warm hat, dass er satt ist und dass er nicht knausern muss, weil Millionen andere für ihn es nicht so warm (oder kalt) haben, nicht so satt sind und sowieso nie Urlaub haben. Komplizierter Satz eben. Sehr, sehr lang. Dabei ist es natürlich, wie meistens im Leben, ganz einfach und gesetzlich:

Das 1. Energieerhaltungsgesetz unserer Existenz lautet: Was ich im Überfluss habe, hat ein anderer nicht im Mindesten. Das 2. Energiegesetz: Was ich habe, habe ich dem Anderen genommen, und er kriegt es allenfalls karitativ zurück, gegen einen Stempel im Spenderausweis. Und nun auch noch das 3. Energiegesetz: Was ich habe, braucht der Andere nicht, sonst würde er sich ja melden und anklopfen und fragen, ob ich nicht was abgeben möchte.

Dies ist ein Gesetz, dem niemand folgt. Was wäre es sonst für ein Getöse und Geschepper und Gebimmel an den Türen der – Reichen und Superreichen? Oder an den Türen der Justiz, der Geheimdienste (wäre eine Idee: dass die ihre logistischen, wie soll ich es nennen? Possibilitäten und Possierlichkeiten? einsetzen, um den kriminellen, staats- und menschengefährdenden Strukturen auf die Spur zu kommen, in die sie die selber gesetzt haben ? Oder so? O Gott! Das wird jetzt immer komplizierter!) Nein: Es klopfte erstmal an den Türen derjenigen, die ein bisschen mehr haben. An den Pforten der Reichen und Superreichen stehen die Namen nicht. Deren Adressen sind so unbekannt wie es die Adressen – von Toten sind.

Also … die Reichen und Superreichen, von denen ich eben las, dass sie mehr sind als gedacht … Sagte ich schon? Ja, sagte ich auch schon. Es gibt nichts Neues hinterm Mond (den Rest des Gedichtes verkneife ich mir, sonst blitzt Peter Hacks vom Höllenhimmel runter) …

Ich merke schon: Es treibt es mich ins Pädagogische, ins Ideologische, ins Zitathafte: kurz vor der Kurve, in der ich nur noch abbiegen kann ins Utopisch-Anarchistisch-Occupy-RAF-Hafte -, halte ich an und fahre an den Strassenrand. Luft holen. Durchatmen. Und ruhig sagen:

Lasst uns reich und reicher werden. Schneiden wir den Planeten Erde in Batzen und Fetzen und verpacken ihn feinfrostgerecht. Kleben wir ein Preis-Schild auf die letzte Flosse und die letzte Stirn des Menschen, der versucht, in den Wald zu entkommen. Schönen Sommerurlaub wünsche ich uns allen!

Eckhard Mieder

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