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Würdigung eines überzeugenden Werbeslogans: „Heute den Frieden von morgen verteidigen!“

Würdigung eines überzeugenden Werbeslogans „Heute den Frieden von morgen verteidigen!“

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Gesellschaft

Sowas macht eine Bundeswehr. Und mit dem Slogan will sie alle, die zu unserem„Wir“zählen, davon überzeugen, dass sich der Einsatz des eigenen und vor allem fremden Lebens lohnt, zumindest für diejenigen, die das „Morgen“ erleben.

Soldaten der Bundeswehr in der US-Luftwaffenbasis Ramstein, 19. Februar 2026.
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Soldaten der Bundeswehr in der US-Luftwaffenbasis Ramstein, 19. Februar 2026. Foto: Trevor Calvert (PD)

Datum 26. März 2026
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Die Toten sind dann Helden und kriegen posthum Orden. Was ist denn das für ein famoses „morgen“? Heute möglichst viele Igors und Ludmillas massakrieren (oder sich umgekehrt sich von denen massakrieren lassen), damit morgen dann die Übriggebliebenen drüben nicht mehr aufmucken können? Klar, wenn„wir“
erfolgreich verteidigen, dürfen die Restlichen vom anderen„Wir“…sich irgendwie ein- und unterordnen. Bravo! Schöner Frieden!

Frieden ist doch besser als Krieg…

…denken Hans und Franziska womöglich. Auch das leuchtet unmittelbar ein! Etwa so: Schokoladenpudding schmeckt doch besser als Hundescheisse! Wirklich? Dass der „Frieden“ irgendwie doch besser schmeckt als der Krieg, setzt allerdings voraus, dass man ihn am Massstab„Krieg“misst! Dann stimmt so ein merkwürdiger Vergleich.

Was wäre davon zu halten, den „Frieden“ selbst einmal näher zu betrachten? Offenbar ist das ein so urgemütlicher Zustand, dass es dann ziemlich regelmässig auf den anderen hinausläuft. Frieden ist die Periode zwischen Kriegen…wie kommt das eigentlich?

…und immer wieder dessen Grundlage!

Die Gründe für Kriege entstehen eben im Frieden. Wann denn wohl sonst? S.o.: Die Verlierer des letzten Krieges müssen die Bedingungen der Sieger für den gerade beginnenden Frieden akzeptieren. Die Sieger haben ihre „Sicherheit“ wiederhergestellt (bravo!), was heisst: Sie können über Land, Leute und Ressourcen, Märkte, Roh- und andere Stoffe der Verlierer so verfügen, wie es ihre Freiheit oder ihr Wirtschaftsstandort erfordern. Das wars doch. Und das ist die schlichte und brutale Wahrheit!

Bis die Verlierer sich aufgerappelt und aufgerüstet haben, neue Allianzen geschmiedet und neue Drohnen erfunden haben. Und ihre Sicherheit, ihre Freiheit oder ihre Werte gefährdet sehen. Dann beginnt die nächste Runde Friedensverteidigung.

Was bedeutet das?

  • „Sivis pacem para bellum!“…soll von einem Herrn Cicero stammen.
  • Bravo! Selbst die Alten finden sowas plausibel? Plausibel vielleicht (leider!), aber muss so eine intellektuelle und praktische Idiotie überzeugen, womöglich wegen eines Filosofen?
  • Dass die Herrschaften mit Macht und Gewalt sowas propagieren, muss nicht verwundern. Macht und Gewalt machen es möglich, sofern (!) Hans und Franziska…es sich eben einleuchten und sie sich in (Kriegs-)Dienst nehmen lassen.
  • Die Herrschaften mit Macht und Gewalt sehen„unser“Wirtschaftswachstum, „unsere“ Freiheit, „unsere“ Sicherheit gefährdet durch…eben die anderen. Exakt dasselbe sagen eben die anderen auch.
  • Und das Schlimmste ist: Das stimmt tatsächlich! Das sollte zu denken geben!
  • Etwas besseres als Frieden gibt es allemal...

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