Lederjacken, Krawalle und die Wut der Jugend Jugendkultur: Halbstarke in der BRD
Gesellschaft
Wir rebellierten gegen Zucht, Ordnung und die Spiessigkeit der Nachkriegszeit. Wir waren wenige, aber sehr präsent.

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Eingang des Star-Clubs in der Großen Freiheit, Hamburg. Müsste 1968 gewesen sein, Scan vom Negativstreifen. Foto: ThomasFHH (CC BY-SA 4.0 cropped)
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Ihre Krawalle prägten ein neues, subkulturelles Jugendbild. Eine neue, als "verdorben" oder "Rowdy" wahrgenommene Generation. Ja, Rock 'n' Roll hatte uns gepackt, und zwar der echte von Little Richard, Chuck Berry, Wanda Jackson oder Jerry Lee Lewis. Von vielen Alten und einigen Medien hingegen wurde Rock'n'Roll rassistisch diskriminierend als Dschungel-Hottentotten-Urwald- oder Negermusik beschimpft.
Während die post-nationalsozialistische deutsche Filmindustrie Produktionen wie "Hunde, wollt ihr ewig leben", "Division Brandenburg" oder "So war der deutsche Landser" auf den Markt bringt, stürmen die Jugendlichen in Filme mit amerikanischen Rebellen wie Marlon Brando ("Der Wilde", 1953, "Die Faust im Nacken", 1954) und James Dean ("... denn sie wissen nicht, was sie tun", 1955, "Jenseits von Eden", 1955, "Giganten", 1956).
Um diese aufrockende Jugend wieder in „ihren“ griff zu kriegen, wurden etliche Zähmungsversuche gestartet, so wurde dann für die etwas aufmüpfige westdeutsche jugend weichgespültes Rock'n'Rolliges initiiert. da wurde nem typ der nen bisschen singen konnte der name ted herold verpasst u. versucht ihn als deutschen elvis zu verkaufen. Besonders peinlich fand ich den Peter Kraus, der u.a. mit Conny Froboess im Spielfilm Peter Kraus/Conny Froboess – 1960 auch als Rock'n'Roller vermarktet wurden. Genau wie Herold, mit z.t. eingedeutscht geglättet & glattgebügelten USA-Rock Texten. Harald Walter Bernhard Schubring, der Vertriebsleiter von Polydor erfand, passend zu den Rock-'n'-Roll-Titeln, das Pseudonym Ted Herold, und man baute ihn als „deutschen Elvis“ auf. Für uns war das alles nur schnullipulli.
Im August 1962 brachen mit den "Schwabinger Krawallen" die bis dato grössten Strassenunruhen der Nachkriegszeit aus: An fünf Nächten im Juni lieferten sich Tausende Münchner und Münchnerinnen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Schwabinger Krawalle ausgelöst dadurch, dass am Abend des 21. Juni 1962 fünf Teenager ihre Gitarren zupften. Mit dabei: zwei Gymnasiasten, ein Schreiner, zwei Lehrlinge.
Die "Schwabinger Krawalle" sollten zum ersten Aufschrei einer Protest-Generation werden.
Nicht für alle waren die fünfziger u. sechziger Jahre in der Bundesrepublik eine Zeit des Aufbruchs. Im Abseits der Gesellschaft verbrachten einige hunderttausend Heimzöglinge unter heute unvorstellbaren Bedingungen ihre Kindheit und Jugend in kirchlichen oder staatlichen Einrichtungen. Eingewiesen manchmal nur deshalb, weil sie den rigiden Moralvorstellungen der Zeit widersprachen, wurden Heimkinder jahrelang gedemütigt, geschlagen, zur Strafe eingesperrt, ausgebeutet.
Halbstarker, umgangssprachlich abwertend, vor allem in den Medien für aggressiv auftretende Jugendliche – meist männlich und aus der Arbeiterklasse stammend. Rock'n'Roll hat mich aufgerüttelt, gleich als ich diese Mucke das erste Mal im Radio hörte, allein die Musik ging mir in die Knochen, in den ganzen Körper, dass vibrierte richtig in mir, bis in die Eingeweide, da musste ich mich einfach nach bewegen, auch wenn ich die Texte nicht verstand, allein die Art und Weise wie es gesungen, geschrien, rhythmisch und instrumental rüberkam, und klar, weil es was aufriss aus und gegen diese trockene verkrustete vorgespielte vermeintliche saubere heile Welt, mit schnulzigen, gefühlsdusseligen und kitschigen Heimatschlagern.
Klar das ich/wir diese rührseligen schmachtfetzen zum Kotzen fanden und voll auf Rock'n'Roll abgefahren sind, was von den meisten alten, den herrschenden mit ihren Institutionen als dreckig bezeichnet und verfolgt wurde, was mich und viele andere Jugendliche natürlich noch mehr reizte. da war noch richtig was im Gange, was noch mit Musik und Bewegung zu tun hatte und nem verändertem Lebensgefühl, das ist nicht zu vergleichen mit dem, was heute so alles als Rock'n'Roll verwurstet und vermarktet wird.
Tja, gerade 16 jahre jung, die behördliche Aufsicht durch nen "Fürsorger" vom Jugendamt permanent am Arsch, versuchte ich trotzdem meinen eigenen Weg weiterzugehen! Schon vorher, mit 14, kam ich mit älteren zs. in den „Rock'n'Roll Club“ in der Mühlenstrasse - leider gab's den Club nicht lange, weil er behördlich dichtgemacht wurde. Klar auch bei uns in der Provinz Paderborn gab es Halbstarke und Rock'n'Roll, wenn auch mit etwas Verzögerung zu den Grossstädten.
Ausserdem kam das, was kommen musste: Am 13. April 1962 öffnet der legendäre Star-Club auf Hamburg-St. Pauli. Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei. Statt Schlagermusik sind hier Rock 'n' Roll und Beat angesagt.
Und klar auch ich war einige mal im Star-Club. Nachdem ich aus der Erziehungsanstalt raus war, natürlich gleich nix wie dahin. Dazu gönnte ich mir einige Tattoo Sessions beim Tätowierer: Herbert Hoffmann auf St. Pauli.
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