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Fluorid im gesellschaftlichen Diskurs

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Fluorid im gesellschaftlichen Diskurs Bundeszahnärztekammer verbreitet irreführende Fluorid-Propaganda

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Gesellschaft

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) lässt über Zahnärzte eine Broschüre an Patient*innen verbreiten, die grobe Unwahrheiten enthält und statt sachlicher Aufklärung gezielte Propaganda betreibt. Wie seriös sind die Argumente, die hier vorgebracht werden?

Kollage aus der Fluorid Broschüre.
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Kollage aus der Fluorid Broschüre.

Datum 3. März 2026
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Im gesellschaftlichen Diskurs und in den Regalen der Drogeriemärkte, ist eine Verschiebung der öffentlichen Wahrnehmung des Themas Fluorid-Zahnpasta, zumindest an der gesellschaftlichen Basis zu vernehmen. Zwischen Evangelist*innen wie der Bundeszahnärztekammer und Esoteriker*innen fällt die Orientierung manchmal schwer.

Aber selbst unter Expert*innengesellschaften ist eigentlich unumstritten, dass Fluorid giftig ist. Die Deutsche Gesellschaft für Toxikologie nennt Fluorid „Gift des Monats“ (im August 2025) und weist darauf hin, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bzw. die Beratungskommission empfiehlt, dass Schwangere Frauen die Fluoridaufnahme durch Tees oder fluoridisiertes Salz reduzieren sollten. Auch solle man Zahnpasta mit Fluorid nicht herunterschlucken.

Ein häufig enthaltenes Fluorid in Zahnpasta ist Natriumfluorid und diese Substanz hat ganz offiziell eine GHS-Gefahrstoffkennzeichung „Gefahr“, das ist das Totenkopf-Symbol in einer Raute. Dass man also nicht leichtsinnig mit einer solchen Substanz im Alltag umgehen sollte, kann man sich also denken.
Die EFSA hat ihre Aufnahmeempfehlungen überarbeitet und etwas strenger neu herausgegeben, sieht aber insgesamt Fluorid als wenig gefährlich an.
Und das Bundesinstitut für Risikobewertung befindet, dass „Fluorid nicht in Nahrungsergänzungsmittel[n]“ verwendet werden sollte.
https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechstmengenvorschlaege-fuer-fluorid-in-lebensmitteln-inklusive-nahrungsergaenzungsmitteln.pdf
Erstaunlicherweise trommeln aber teilweise auch „Öko-Institutionen“ wie die Zeitschrift Ökotest für Fluorid. Dort werden fluoridfreie Zahnpastas auf „mangelhaft“ (!) abgewertet.

Anmerkung: Der Autor gesteht ein, seit 25 Jahren Karies- und Lochfrei „mangelhafte“ Naturkosmetik beim Zähneputzen zu verwenden.

Die Giftigkeits-Debatte: Fluorid vs. Kochsalz

Aber nun zur Broschüre der Bundeszahnärztekammer, die versucht, mit seltsamen und vollkommen falschen Vergleichen, die Patient*innen einzuschüchtern, auf dass diese sich beim nächsten Drogeriemarktbesuch nicht mehr trauen sollen, fluoridfreie Zahnpasta zu kaufen, auch wenn ihre Zähne gesund sind.
Ein zentrales Argument der BZÄK lautet:

„Fluorid ist nicht zu verwechseln mit Fluor – einem giftigen Gas. Fluorid ist in der Menge, die durch das tägliche Zähneputzen aufgenommen wird, für den menschlichen Körper absolut unbedenklich und sogar besser verträglich als Kochsalz.“

Doch ein Blick auf die toxikologischen Daten, die sogar bei Wikipedia und überall sonst frei zugänglich sind, zeigt: Diese Aussage ist falsch. Die tödliche Dosis für Kochsalz (Natriumchlorid) liegt bei etwa 3.000–3.500 mg/kg Körpergewicht (oral, Ratte). Also über 200 Gramm für einen Erwachsenen. Die tödliche Dosis für Natriumfluorid beträgt hingegen 50–250 mg/kg Körpergewicht (oral, Ratte) – ca. 5-20 Gramm für einen Erwachsenen, also ist Fluorid etwa 10-45x toxischer als Kochsalz!

Die BZÄK behauptet das Gegenteil der wissenschaftlichen Fakten: Fluorid ist nicht „fast zehnmal weniger giftig“ als Kochsalz, sondern deutlich giftiger. Dass die aufgenommenen Mengen beim Zähneputzen meist zu gering für akute Vergiftungen sind, ändert nichts an der grundsätzlichen Toxizität – und an der Fahrlässigkeit, mit der hier Fakten verdreht werden.

Greenwashing: „Fluorid ist natürlich!“

Ein weiteres „Argument“ in der Broschüre lautet: „Fluorid ist ein Bestandteil vieler in der Natur vorkommender Mineralien. Fluoride sind nicht nur in der Erde, im Wasser, in Pflanzen und der Luft, sondern auch im menschlichen Körper verbreitet.“

Hier wird der natürliche Ursprung eines Stoffes mit seiner Harmlosigkeit gleichgesetzt – ein klassisches Greenwashing-Muster. Dass etwas „natürlich“ vorkommt, sagt nichts über seine Sicherheit für den Menschen aus: Arsen, Blei oder Quecksilber sind ebenfalls natürlich...
Die BZÄK verschweigt geflissentlich, dass künstlich zugesetztes Fluorid in Zahnpasta in einer Konzentration vorliegt, die in der Natur so nicht vorkommt. Der Verweis auf „natürliche Verbreitung“ dient einzig dazu, Bedenken zu zerstreuen – nicht aber, um sachlich aufzuklären.

Die Strategie der Verunsicherung: Fluorid ≠ Fluor

Ein besonders subversives Argumentationsmuster in der Broschüre ist, dass man Fluor in Abgrenzung zu Fluorid ins Spiel bringt: „Fluorid (z.B. Aminfluorid oder Natriumfluorid) ist ein Salz und nicht zu verwechseln mit Fluor, einem in der Tat giftigen Gas.“

Natürlich ist Fluorid nicht dasselbe wie elementares Fluor – doch diese Aussage suggeriert, Fluorid sei im Gegensatz dazu harmlos. Dabei ist Natriumfluorid ein hochgiftiger Stoff, der in Insektiziden und Rattengift eingesetzt wird. Die BZÄK vergleicht hier ungefragt Äpfel mit Birnen: Dass Fluorid ein Salz ist, macht es nicht automatisch sicherer.

Noch mehr Verwirrung stiftet die Bundeszahnärztekammer, wenn sie Kochsalz nun gegenüber Fluorid ausspielen will. Auch dies ist wissenschaftlich unseriös. Chlorid (im Kochsalz) ist für den Körper essenziell – Fluorid ist es nicht. Der Körper hat keine wichtige Verwendung für Fluorid – es wirkt toxisch und wird sofort wieder ausgeschieden.

Daneben spricht die BZÄK von einem „Wiedereinbau“, ganz so, also wäre etwas verloren gegangen. Da heisst es: „Durch den Wiedereinbau verlorener Mineralien stärken Fluoride die Zähne und machen sie widerstandsfähiger.“

Dabei handelt es sich aber nicht um einen natürlichen Prozess, sondern um eine chemische Reaktion, die den Zahnschmelz verändert. Die BZÄK verschweigt, dass Fluorid keine Karies heilt, sondern lediglich das Bakterienwachstum hemmt – ein Effekt, der auch durch zahnfreundliche Ernährung erreicht werden kann, ohne potentiell toxische Nebenwirkungen durch zu viel Aufnahme von Fluorid (Fluorose).

Fazit: Aufklärung statt Beschwichtigung

Die Bundeszahnärztekammer betreibt eine strategische, man könnte sagen, propagandistische Verharmlosung. Die Giftigkeit von Fluorid wird weggewischt oder relativiert („weniger giftig als Kochsalz“ – obwohl das Gegenteil der Fall ist). Ausserdem wird die Natürlichkeit als Sicherheitsgarantie dargestellt; aber nicht alle natürlich vorkommenden Substanzen sind ungiftig. Auch werden komplexe chemische Prozesse vereinfacht dargestellt („stärkt die Zähne“), ohne auf Risiken einzugehen.

Statt Aufklärung zu betreiben, präsentiert die Bundeszahnärztekammer ihre „Fakten“ unter dem Deckmantel institutioneller Autorität – ein klassischer Appeal to Authority der „Götter in Weiss“. Am Ende werden die Menschen für sich zwischen Nutzen und Risiko abwägen. Denn es bleibt eine Unsicherheit in Bezug auf die Frage, ob eine giftige Substanz, über Jahrzehnte in kleinen Mengen aufgenommen, möglicherweise doch Schaden anrichten könnte. Dies lässt sich nicht definitiv ausschliessen. Die Entscheidung fällt also zwischen Vorsorgeprinzip und Risikoakzeptanz: Sollte man potenzielle Gefahren vermeiden – oder ist uns ein minimal härterer Zahnschmelz wichtiger? Die hier vorgestellte Broschüre zeigt aber, wie ideologisch aufgeladen dieses Thema unter Schulmediziner*innen offenbar ist.

Christopher Stark