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Ewiges Leben - in einer endlos scheinenden Welt

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In einer endlos scheinenden Welt Ewiges Leben

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Gesellschaft

Das Jahr ist vorbei, denken wohl einige, vielleicht nur weil es für diejenigen hinüber ist. Schauen wir auf die Ereignisse genauer hin, stellen wir schnell fest, dass nichts wirklich vorbei ist.

Datum 10. Januar 2026
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Die Sonne ist nur am genau gleichen Ort wie letztes Jahr. So genau, dass ein Wissenschaftlicher Geist schnell zu Zweifeln beginnt und ein mulmiges Gefühl von der ewigen Spiegelung bekommt. Darum macht er sich schnell auf die Suche nach Beweisen einer Veränderung. Die Ewigkeit ist im Grunde konstanter als Endlichkeit. Auf jeden Fall ist die Endlichkeit konstruierter als die Ewigkeit. Die Ewigkeit oder Unendlichkeit ermöglicht all diese Möglichkeiten. Die Endlichkeit ist ein Versuch, uns zu befreien. Nach dem Tod dies und das. Dabei gibt es keinen Beweis für den Tod. Es gibt keine Abwesenheit vom Leben.

Nichts gibt es nicht. Nur als Konstrukt, das viele bühnentaugliche Vorzüge hat. Menschen sterben und sind nicht mehr da in dieser Form wie sie da waren. Haben sie Kinder gezeugt, dann leben sie in diesen noch weiter. Und dies gilt bei jeglicher Form ihrer Kreativität. Der tote Körper zersetzt sich durch Bakterien, seine Atome nehmen andere Verbindungen an. Es ist nicht sehr unwahrscheinlich, dass du ein Atom von Napoleon in dir hast, von einer Supernova, wohl sowieso, eines Triceratops oder von Hippokrates auch. Das Bewusstsein soll im Kopf sein.

Der letzte Satz ist auch so ein Versuch, die Endlichkeit zu preisen, damit wir endlich Ruhe von der Ewigkeit haben. Was ist Bewusstsein? Und was ist der Kopf? Ohne Raum keine Erinnerung. Wo ist diese Erinnerung gespeichert? Im Raum oder im Kopf? Oder ist da wieder die ewige Spiegelung im Spiel? Jedes Jahr genau gleich, als ginge es immer aufwärts mit der Sonne und dann wieder abwärts, dazwischen eine grosse Bühne der Ablenkung und wieder Aufwärts und wieder Abwärts. Ja, das wäre eine sehr lange Zeit, um uns mit den Dingen zu beschäftigen, die wirklich relevant sind. Etwa 80 Mal können wir dies versuchen. Bei so vielen Versuchen käme sicherlich etwas brauchbares heraus.
Wieso stellen wir uns einen Tod vor? Wie soll das Bewusstsein im Kopf sein, falls es überhaupt existiert? Bin ich der Herr meines Selbst? Gewiss nicht, wenn ich mich von der grossen Bühne ablenken lasse. Ist dieser letzte Versuch aber nicht auch dasselbe wie alles andere? Ein Versuch, die ewige Spiegelung als solches zu brechen? Wie wir als Kinder schon gelernt haben, ist eine Spiegelung sehr schwer zu besiegen. Meistens nur durch Ablenkung und vergessen. Ich glaube aber, dass wir gar nicht kämpfen müssen gegen die erschreckende Ewigkeit.

Diese gibt mir das Gefühl einer möglichen Freiheit. Es birgt auch die Sorge vor dem Wahnsinn und genau darum bleiben so ziemlich alle auf der grossen Bühne der Ablenkung und nur ein paar wenige trauen sich darüber hinaus. Dafür kommen sie dem Ideal des ewigen Lebens, also einem bewussten körperlichen Leben am nächsten. Die Möglichkeit, alles in Betracht zu ziehen, wie im Sinne der Idee von Assassinen; «Nichts ist wahr, alles ist Möglich», gibt einem eine unglaubliche Freiheit. Und vergiss die ins Unendliche Dehnbarkeit der Zeit nicht!

«Zieh es in Betracht!»

«Was? Sowas ist unmöglich?»

«Wieso? Nur weil es noch niemand durfte?»

«Weil es sich niemand getraute?»
«Glaub mir, nichts ist wahr, alles ist möglich!»

«Aber das ist doch Wahnsinnig!»

«Ja! Es ist wahnnsinnig befreiend!»

In der Quantenphysik gibt es folgendes bewiesenes Phänomen: Ein Teilchen auf der Erde kann sich in bestimmten überprüfbaren und rekonstruierbaren Fällen ganz genau verhalten wie ein anderes Teil irgendwo im Weltraum und somit auch auf der Erde. Da fangen die Physiker aus Angst vor der ewigen Spiegelung der Ewigkeit an, an Gott zu glauben. Denn mit der Gottesvorstellung scheint die Welt fassbarer, linearer, berechenbarer, klarer. – Haben wir dies verstanden, sind wir ein wenig leichter. Klarer.

Vielleicht ist das der Weg?

Welcher Weg?
Der Weg in die Unendlichkeit, in das ewige Leben, leichter und leichter zu werden.

Ist es nicht einfach die Angst vor dem Tod, die uns am Leben erhält?

Eben, erhält! Heller und heller! Ein heller Kopf nahe am hohlen Kopf.

Jetzt rutsche ich auch auf die Bühne der ewigen Ablenkung, um mich von der ewigen Spiegelung der Ewigkeit abzulenken. Die Bühne der Ewigen Ablenkung ist quasi ein Reset-Knopf am Computer, der ihn wieder normal zum Laufen bringt, so wie er sollte. Obwohl es unendliche Möglichkeiten gibt, anders zu laufen. Der Beweis dafür ist der Reset-Knopf am Computer und die ständig neuen Computer mit ständig neuen, noch nie dagewesenen Möglichkeiten oder mit den schon immer dagewesenen Möglichkeiten, die wir nicht sehen, weil wir uns gerne von der Bühne der ewigen Ablenkung blenden lassen.

Sobald wir etwas ausserhalb des Tellerrandes sehen, drücken wir den Reset-Knopf um wieder in der Mitte des Tellers zu sein, wo der Rand gar nicht ersichtlich ist, geschweige was ausserhalb dessen ist. Ja, aus Angst, purer Angst, alles zu verlieren. Wir sind so tief in dieser Angst, dass wir die einfache Umkehrung des letzten Satzes als unglaublich betrachten. Dabei liegt es in der Hand: Wenn wir alles verlieren können, können wir auch alles gewinnen. – Ein bisschen länger gedacht: Können wir denn überhaupt etwas verlieren?

Ist nicht alles da und es liegt einzig an uns, wie wir es sehen? Was wir damit machen? Frieden in der Ukraine? Ja klar! Um welchen Preis? Na, um jeden Preis, Menschenleben so schnell wie möglich retten! Darum geht es doch! Nicht? Um was sonst? Geopolitik? Ja, aber das kann auch ohne sterben geschehen! Wie? Stell dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin! Ach, das ist doch Schwachsinn. Ja, da hast du wohl recht. Das kann sich kaum jemand vorstellen. Es ist jenseits von Gut und Böse, das versteht heute kaum ein Mensch. Obwohl es heute einfacher verständlich sein sollte. Ist es aber nicht.

Es gibt keine Linearität oder Kontinuität. Leben, Tod, Sterben, Sein, Nicht sein. – Ach, im Grunde ist es doch egal. – Keineswegs! Das wäre faul, was geschieht mit einer faulen Frucht? Das Ansteckende daran finde ich besorgniserregender. Die sterben aus. Wenn sie meine Warnung nicht hören, muss ich sie gehen lassen, denn ich will nicht angesteckt werden. Wach will ich sein, Hell! Leicht! Gibt es etwas leichteres als Gedanken? Wohl das Licht! Gibt es was schnelleres als Licht? Die Gedanken sind wohl irgendwo zwischen dem Schall und der Lichtgeschwindigkeit. Obwohl! Mein Grossvater würde mir da widersprechen.

Als ich ein kleiner Junge war, fragte er mich, was das schnellste auf der Welt sei. Das Licht wohl! War meine klare Antwort. Nein, das sei es nicht. Die Gedanken meinte er! Jetzt in dieser Vorstellung kann ich auf dem Mond sein, während das Licht unterwegs ist. Er wäre wohl ein guter Quantenphysiker geworden. Auf jeden Fall verstand er die Metaphysik besser als seine befreundeten Pfarrer, die kaum jenseits von Gut und Böse denken konnten.

In diesem Sinne will ich dir etwas ganz Kleines für die ewige Spiegelung der Ewigkeit mitgeben. Nur logische mathematische Konstruktionen und Konzepte können richtig oder falsch sein und dies auch nur innerhalb dieser konstruierten Gesetzte und Räume. Die können zwar dienlich sein für weitere materielle Konstruktionen, aber auch diese haben Grenzen, so wie scheinbar unser Leben. Sind es schliesslich, so wie alle diese Buchstaben, nicht alles Versuche, dir und mir die Angst zu nehmen? Die Angst vor den unendlichen Möglichkeiten?

Ich glaube eben, dass wir keine Angst davor haben sollten. Denn alles endliche ist im Grunde ein Versuch, die Welt zu verstehen.

Durch Metaphern, Formeln und ähnlich komprimierende Konstrukte, wie auch die Logik, können wir vieles fassen. Das Fass ist aber endlos und vielleicht ein anderes. Haben wir keinen Gegenbeweis, müssen wir von der Unendlichkeit ausgehen und zwar überall! Und diese Unendlichkeit eröffnet uns unendliche Möglichkeiten! Ja, jetzt wiederhole ich mich. Ein Zeichen einer temporären Erschöpfung. Reset-Knopf? Nein! Keineswegs!

Weiter und zwar immer für das Leben! Wieso? Weil wir's können!

Bujar Berisha