Für Aufsehen sorgt Philipp Amthor in der ZDF-Doku «Inside CDU» mit einem ungewöhnlichen Einrichtungsstück: Er liess einen Strandkorb ins Kanzleramt liefern.
Ein Strandkorb als Einrichtungsgegenstand auf dem Balkon eines Ministerbüros, selbst wenn der Herr Minister von der Küste stammt und sich den Korb von seinem Ministergehalt abgespart hat, kommt nicht gut an bei seinen Untertanen. Gleiches gilt für einen sportlichen Bürgermeister, der sich abmeldet zum Tennismatch, während grosse Teile der Bürger, deren Meister er ist, gerade einen Stromausfall erleiden. Und dann war da noch einer, der mitten in der Besichtigung einer Jahrhundertflut ziemlich unverhohlen rumgluckste...
Na so was!
Deutschen Politikern kann man eigentlich nicht nachsagen, dass sie hinterm Berg halten mit ihren Plänen und Vorhaben. Es stehe viel auf dem Spiel, die Welt sei hochgefährlich und Deutschland am abkacken. Hans und Franz lümmelten sich derweil in der Hängematte, der ewige Feind im Osten habe längst seinen Krieg begonnen und „wir“ müssten uns vorbereiten. Was das im einzelnen bedeutet, dürfen wir jeden Tag in der Zeitung lesen: „Errungenschaften“ werden wegdefiniert und „Einschnitte“ getätigt. „Sozialausgaben“ werden gestrichen und neue Steuerquellen entdeckt. Es wird nach Kräften aufgerüstet, das Budget dafür eben bereitgestellt und das Kanonenfutter angelockt oder einfach rekrutiert.
Aber bitte mit Würde!
Sowas verkündet man nicht aus dem Strandkorb, bitte sehr! Da sind wir pingelig. Ihr könnt uns „Massnahmen“ auferlegen, eine härter als die nächste, aber bitte mit Würde! Wir dulden keine uneinigen, schwächelnden, inkonsequenten, eitlen oder gar naseweisen Herrschaften! Schliesslich haben wir Euch gewählt und damit nicht gerade schlecht ermächtigt!
Was bedeutet das?
Politiker stolpern heutzutage eher über falsche Raumgestaltung oder über Tennisschläger als über Rentenkürzungspläne oder Krankenkassenreformen. * Untertanen ertragen es gar nicht, wenn sie von tatsächlichen oder vermeintlichen Witzfiguren oder gar Dilettanten beherrscht werden.
Natürlich betet ihnen die völlig freie Presse vor, wie sie die Dinge sehen sollen, Max Musterfrau ist leider sehr schnell davon zu überzeugen.
Fällt denn niemandem auf, dass derartige Stilkritik an Ministern deren Amt und deren Pläne immer äusserst gut aussehen lässt?
Wäre es nicht sinnvoller, einmal die Massnahmen selbst ernsthaft zu würdigen, als die mangelnde Würde deren Erfinder zu bemängeln?
Wäre es nicht notwendig, die „Reformen“ auf- und anzugreifen, als deren mangelnde Durchsetzung durch inkompetente Herrschaften anzuprangern?
Nur, weil Hans und Franziska die eigene Herrschaftsmannschaft mit Kreuzchen auf Zetteln selbst küren dürfen, müssen sie deren Vereinnahmung ins grosse „Wir“ doch nicht folgen!