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Dropping Out: Eine revolutionäre Verteidigung von Verweigerung, Aussenseitertum und Subkultur

Eine revolutionäre Verteidigung von Verweigerung, Aussenseitertum und Subkultur Dropping Out

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Gesellschaft

Dieser Text erschien das erste Mal im Magazin »Rolling Thunder« (Nr. 2). Die Übersetzung basiert auf der Ausgabe dieses Textes von Active Distribution (UK). Ihr seid aufgerufen, den Text zu kopieren, verteilen, ändern, übersetzen, mit oder ohne Quellenangaben, unter allen Umständen.

Hambacher Forst - Hambi.
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Hambacher Forst - Hambi. Foto: Wald statt Asphalt

Datum 6. August 2026
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KorrekturKorrektur
In diesem Moment legt eine Angestellte in einem Lebensmittelladen genmanipulierte Produkte aus, statt ihren eigenen Garten zu pflegen;

Ein Tellerwäscher schwitzt über einem dampfenden Waschbecken, während sich in seiner Küche zu Hause die ungewaschenen Teller stapeln;

Ein Koch nimmt Aufträge von Fremden an, statt für die Nachbar_innenschaft zu grillen;
Ein Werbefachmann entwirft Werbesprüche für ein Waschmittel, anstatt sich Gute-Nacht-Geschichten für seine Nichten auszudenken;

Eine arme Frau kümmert sich um reiche Kinder in einem Kindergarten, statt Zeit mit ihren eigenen Kindern zu verbringen;

Ein Kind wird dort ausgesetzt, damit sich Fremde um es kümmern, statt die, die es kennen und lieben;

Eine Soziologiestudentin macht eine ethnografische Studie über Hausbesetzer_innen, statt sich an den Aktivitäten, die sie interessieren, teilzunehmen;

Ein Aktivist, der vor der Arbeit erschöpft ist, macht einen Hollywood Film zur Unterhaltung an;

Ein Mann, der seine Sexualität mit einem_r Partner_in erkunden könnte, holt sich zu Internetpornos einen runter;
Ein Demonstrant, der einzigartige Perspektiven und Gründe zu protestieren hat, trägt ein vorgefertigtes Schild mit dem Label einer bürokratischen Organisation;

Und ein Möchtegern-Revolutionär, der alles Bekannte hinter sich gelassen hat um ein engagiertes, bedeutungsvolles und schönes Leben zu verfolgen, redet mit anderen Aussteiger_innen aus purer Langeweile und Bedrückung übers Fernsehen.

Das System läuft mit dem Blut und Schweiss unserer entführten Leben. Je mehr wir uns anstrengen auf Basis seiner Bedingungen zu überleben, umso schwerer wird es, es anders zu tun. Unsere Zeit und Energie aus seinem Rachen zurückzuholen, ist die Essenz und Vorbedingung für jede echte Existenz.

Die lähmende, gängige Vorstellung, dass jeder, selbst die Radikalsten, eine Rolle im Status quo spielt, versteckt die subversive Möglichkeit aller – auch der Radikalen – diese Rollen zurückzuweisen.

Aussteigen meint, abzulehnen unseren Teil zu spielen, uns selbst aus der Schaltung zu entfernen und unsere Leben zurückzufordern.

Bist du ein Student, dann heisst das, institutionelle Bildung in zum Vorteil selbstbestimmter Bildung zurückzuweisen.
Bist du eine Angestellte, dann heisst das, keine Befehle mehr anzunehmen, aufhören deine Zeit, Arbeitskraft und dein Gewissen für einen Lohn zu verkaufen und stattdessen eigene Projekte zu entwickeln.

Bist du ein Mieter dann heisst das, nicht die Taschen der Vermieter fetter werden zu lassen, sondern in neue Wege zu investieren um Raum zu sichern und zu nutzen.

Bist du Konsumentin, dann heisst das, aufzuhören einzukaufen, deine Bedürfnisse zu reduzieren und andere Quellen für das, was du brauchst, zu finden. Bist du ein Produzent, dann heisst das, die Produktionsmittel zu beschlagnahmen und sie ausserhalb kapitalistischer Logik anzuwenden.

Bist du eine Reisende, dann heisst das, die ausgetretenen Pfade zu verlassen.

Bist du ein Künstler, dann heisst das, kreativ zu leben, statt Waren anstelle von Leben zu erschaffen.

Bist du ein Mädchen oder ein Junge, dann heisst das, für das bipolare Gendersystem undurchschaubar, ein lebendiges Gegenbeispiel zu werden.

Bist du verliebt, dann heisst das, die Erwartungen und Verpflichtungen der konventionellen Romanze zurückzuweisen.

Bist du weiss, dann heisst das, die rassistischen Strukturen anzugreifen, die daraus einen Vorteil machen.

In hierarchischen Strukturen heisst das, weder zu kommandieren, noch zu gehorchen.

In rechtlicher Hinsicht heisst das, aufzuhören die Autorität von Richtern, Gerichten, Bullen anzuerkennen.

Es heisst Konflikte ohne bewaffnete Fremde oder unpersönliche Institutionen zu lösen, dich selbst und deine Gemeinschaft gegen ihre Einfälle zu verteidigen.

In moralischer Hinsicht heisst das, abzulehnen, dass irgendeine Autorität ausser deinem eigenen Gewissen dir Gesetze auferlegt.

In ästhetischer Hinsicht heisst das, herkömmliche Normen zu meiden um neue Standards und Werte zu entwickeln.

In politischer Hinsicht heisst das, abzulehnen repräsentiert zu werden oder andere zu repräsentieren und Wege zu finden, politische Macht auch ausserhalb der etablierten Wege auszuüben.

In Hinsicht auf die Sozialisation heisst das, deine Konditionierung zu verlernen, sodass du weder deine vorgeschriebene Rolle akzeptierst noch anderen solche Rollen überstülpst.

In Hinsicht auf den Ehrgeiz heisst das, Erfolg neu zu definieren. Und falls du schon ein_e Aussteiger_in bist, dann heisst das, Wege zu finden, dich mit anderen wieder zu euren eigenen Bedingungen zu verbinden.
Der komplette Text findet sich bei Black Mosquito, Flensburg 2014.

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