UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Blockade von VW-Fabrik durch Klimagerechtigkeitsbewegung | Untergrund-Blättle

5606

Forderung nach Ausbau des klimafreundlichen und kostenlosen öffentlichen Personen Nahverkehrs Blockade von VW-Fabrik durch Klimagerechtigkeitsbewegung

Gesellschaft

Heute am 13.08.2019 blockieren koordinierte Kleingruppen der Klimagerechtigkeitsbewegung einen mit fabrikneuen Fahrzeugen beladenen Autozug um auf die verfehlte Klimapolitik der Bundesregierung im Bezug auf Mobilität aufmerksam zu machen und eine sofortige Verkehrswende zu fordern.

VW-Blockade am Mittellandkanal.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

VW-Blockade am Mittellandkanal. Foto: zVg

13. August 2019
5
1
4 min.
Drucken
Korrektur
Zu diesem Zweck wird der Zug mittels einer beeindruckenden Kletteraktion sowie mehreren angeketten Menschen über viele Stunden festgesetzt.

Den Aktivist*innen ist klar, dass auch Autos in dem Mobilitätsmix der Zukunft noch eine, wenn auch untergeordnete Rolle spielen werden. Aber nur wirklich notwendige Autos sollen verwendet sowie öffentliche und klimafreundliche Alternativen viel stärker ausgebaut und attraktiv gemacht werden. Die Forderungen der Aktivist*innen richten sich somit nicht an Menschen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, oder für Autokonzerne arbeiten, sondern an die Politik und Konzerne, sowie an alle Bürger*innen Deutschlands, sich aktiv für eine klimagerechte Verkehrspolitik einzusetzen.

„Die Probleme sind struktureller Art und individuelle Lösungen reichen nicht aus – eine solidarische Wirtschaft jenseits von Wachstumszwang ist möglich und angesichts der Klimakrise auch dringend nötig!“ - so David Neisser, einer der angeketteten Aktivist*innen.

Die Aktivist*innen fordern den sofortigen, flächendeckenden Ausbau des klimafreundlichen und kostenlosen öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV). Die bereits bestehende Expertise hierfür muss endlich genutzt werden. Der Autoverkehr in Städten soll radikal minimiert und die Nutzung von Fahrrädern, Trams und Fusswegen attraktiv gemacht werden.

Deutschland hat sich im Pariser Abkommen verpflichtet, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Der Sonderbericht des IPCC zu 1,5 Grad (SR 1.5) beschreibt nötige Massnahmen mit „niedagewesene Veränderungen in allen Lebensbereichen“[1] - Im Bereich der Möbilität fordern wir solche nun ein!

„Wachstum ist keine Option, denn eine absolute Entkoppelung von Wachstum und Ressourcenverbrauch hat sich historisch als unmöglich erwiesen“, so die Ökonomin Friederike Habermann.[2] Die Blockierenden fordern einen Umbau wirtschaftlicher Strukturen nach dem Vorbild solidarischer Landwirtschaften orientiert an Bedürfnissen und Fähigkeiten anstatt Profitorientierung. Die Ressourcen unserer Erde gehören allen Menschen und sollten auch als Gemeingüter behandelt werden.

Presse-Communique

Seit heute um 12:00 Uhr haben wir – eine unabhängige Kleingruppe – uns von einer Eisenbahnbrücke vor dem VW-Werk in Wolfsburg abgeseilt und blockieren so die Auslieferung von mehr als hundert Neuwagen. Wir stellen uns hiermit konkret gegen die umweltzerstörerische „immer-weiter-immer mehr“- Linie der Autoindustrie und fordern eine radikale Verkehrswende.

Jetzt ist Schluss! - Seit dem Vormittag ist die Gleisstrecke vom VW-Werk Wolfsburg aufgrund unserer Kletterblockade und Schienenblockaden von anderen Kleingruppen gesperrt. Ein Zug wird mit zwei Seilen blockiert, die von einer Brückenseite zur anderen reichen und durch den Zug gelegt wurden. Menschen hängen daran von der Brücke über dem Mittellandkanal. Weitere Autozüge können so ebenfalls nicht durchfahren. Diese Eisenbahnbrücke ist die einzige Zugverbindung zum VW-Werk über die Materialien ins Werk und fertige Neuwagen für den Verkauf aus dem Werk transportiert werden.

Die Umwelt und Lebensräume zerstörende Profitgier der Autoindustrie muss gestoppt werden! Dafür ist es notwendig, den Klimaschutz in die eigenen Hände zu nehmen und sich weder auf Staatspolitik noch auf Kapitalinteressen zu verlassen. Im Gegenteil. Wenn der Klimawandel wirklich eingedämmt werden soll, muss auch der Individualverkehr zurückgedrängt werden. Dafür bedarf es zum Beispiel des Ausbaus von Fahrrad-Infrastruktur, einer Erweiterung des öffentlich nutzbaren Verkehrsnetzes zum Nulltarif, einer dezentralen Produktion und dem Einsparen von Verkehr generell.

Damit muss heute begonnen werden und nicht erst morgen. Wir positionieren uns gegen angeblich klimaneutrale E-Autos, da sie die Situation nicht ändern, sondern nur das nächste Feld sind, an dessen Produktion sich einige wenige bereichern, während andere vertrieben und ausgebeutet werden, die Umwelt zerstört und die Klimakatastrophe weiterhin angeheizt wird. Den steigenden Bedarf an Lithium nutzen beispielsweise Staaten und Firmen als gewinnbringendes Geschäft, für welches aber die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung brutal und rücksichtslos vernichtet wird. Wir widmen unsere Aktion daher den Menschen, die sich in Bolivien, Argentinien und Chile gegen den zerstörerischen Leichtmetall-Abbau wehren.

Wir hoffen, dass sich auch weitere Menschen durch unsere Aktion ermutigt fühlen, sich der Profitgier der Autoindustrie direkt entgegenzustellen und die Verkehrswende selbst in die Hand zu nehmen (auch im Hinblick auf die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt). Wenn wir diese Welt lebenswert erhalten wollen, gilt es zu handeln! Sei es gegen Braunkohle, Atomindustrie, Kreuzfahrtschiffe, (Massen-)Tierhaltung, Automobilindustrie oder das gesamte kapitalistische Dreckssystem!

pm

Fussnoten:

[1]: Vgl. https://www.de-ipcc.de/media/content/SR1.5-SPM_de_barrierefrei.pdf

[2]: Vgl. https://www.postwachstum.de/die-gute-nachricht-kapitalismus-ohne-wachstum-gibt-es-nicht-20140606

Mehr zum Thema...
Protestcamp in Wolfsburg.
Kampagne für eine VerkehrswendeKeine neue Autofabrik, nicht in Wolfsburg und auch nirgendwo anders

02.11.2022

- Volkswagen ist der grösste Autohersteller der Welt, das VW-Stammwerk in Wolfsburg ist das weltgrösste Fabrikgelände der Welt.

mehr...
Globus-Besetzung in der VW-Zentrale von Wolfsburg.
Strafprozess wegen spektakulärer Blockade des Wolfsburger Werkes läuft an„Die Aktion bei VW war nötig“

19.05.2020

- 13. August 2019: Ein Zug voller neuer Autos verlässt das Werksgelände des Autokonzerns VW in [...]

mehr...
Verkehrswende Demo #aussteigen zur IAA in Frankfurt, September 2019.
Stadtverwaltung, Polizei und Versammlungsanmelder einigen sichVerkehrswendedemo am 23.3. thematisiert lokale Verhältnisse, Unternehmensziele von VW und den Bau der A39

19.03.2021

- Verkehrswende-Aktivist*innen und lokale Gruppen aus Wolfsburg und Umgebung haben sich mit der Versammlungsbehörde und Polizei Wolfsburg geeinigt: Sie dürfen am 23.

mehr...
Umweltaktivist*innen blockieren IAA: "Die Autoindustrie ist anfällig dafür, wenn ihr Image angegriffen wird"

16.09.2019 - In Frankfurt am Main findet gerade die IAA statt. Das ist eine der grössten Messen der Automobilindustrie weltweit.

40. Teil Klima in Bewegung - Heisser Oktober in Spanien und Frankreich, Stop Trinity in Wolfsburg, Film: "Der laute [...]

20.10.2022 - Im Teil 40 sind wir schon mitten drin im Oktober, der sich mancherorts als neuer Sommermonat empfielt. In Spanien und Frankreich wurden in der vergangenen Woche neue Rekordwerte für den Monat aufgestellt.

Dossier: Verkehrswende
Heinrich Stürzl  Wikimedia Commons
Propaganda
Autobahnende

Aktueller Termin in Berlin

Vegan Soli Brunch

Vegan Brunch with lots of spreads, salad, pizza or Quiché and cake. Lots of gluten-free options

Sonntag, 5. Februar 2023 - 12:00 Uhr

Erreichbar, Reichenberger Str. 63a, 10999 Berlin

Event in Berlin

Forte Kultur – Die Nacht und das Meer

Sonntag, 5. Februar 2023
- 18:00 -

Zitadelle Spandau

Am Juliusturm 64

13599 Berlin

Mehr auf UB online...

Demontage von Armlehnen an Bänken der Deutschen Bahn, Januar 2023.
Vorheriger Artikel

Aktivist*innen schrauben Lehnen von Sitzbänken ab

München: Gegen Verdrängung von obdachlosen Menschen

Nächster Artikel

Derealisations- und Depersonalisationsphänomene

Der Augenblick meines Todes

Untergrund-Blättle