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Corona Imperialismus Folge 4 | Untergrund-Blättle

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Gesellschaft

Folie: Die Tagesschau 20.00 Uhr vom 09.09.2020 Corona Imperialismus Folge 4

Gesellschaft

Ausgangsthese: Das, was in Moria Schreckliches vor unseren Augen passiert, ist praktizierter Flüchtlingsschutz und kein Versagen der Regierungen, kein Eingeständnis, dass die Flüchtlingspolitik nun zeigt, was viele schon lange wussten: Die Verantwortlichen haben grundsätzlich versagt.

Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Griechenland, Januar 2018.
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Bild: Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Griechenland, Januar 2018. / Fotomovimiento (CC BY-NC-ND 4.0 cropped)

10. September 2020

10. 09. 2020

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Dabei weiss doch schon jedes Kind, auch Krokodile können weinen. Brecht hätte seinen „lesenden Arbeiter“ vielleicht fragen lassen:
  • wo kommen die Flüchtlinge eigentlich her
  • warum sind sie auf der Flucht, bleiben nicht bei Frau und Kindern und ihren Skatbrüdern
  • Lord Byron, von dem ich mal was gehört habe, hat auch oft Frau und Kinder verlassen und war woanders. War der auch Flüchtling?
  • Ist Reisen und Flüchten das Gleiche?
  • „Reisen bildet“, lese ich, weiss ich nicht? Wie soll ich reisen, wo alles so teuer ist?
  • Flüchten scheint Reisen ohne Geld zu sein? Und dann noch die anderen Währungen und das Umrechnen. Das bleibt Flüchtlingen erspart. Haben es Flüchtlinge, so gesehen, sogar besser als Reisende, wie Lord Byron?
Tja, unser Arbeiter, der hat für seine Überlegungen noch nicht einmal eine empirische Studie vorgelegt. Der würde Afghanistan für jenes so riesige befellte Tier halten?

Mit den von euch kreativ beantworteten Fragen kommt ihr, lieber Adressat, dem, was hier angedacht werden soll, schon recht nahe: Stichworte könnten sein: Ruinierung der afrikanischen Wirtschaft durch aggressive Exportpolitik, Sicherung strategischer Basen durch absichernde Colts für den wirtschaftlichen Erfolg, da kracht es schon mal - rauchende Colts. Immer dabei, auf beiden Seiten der Kontrahenten - Heckler und Koch, und jetzt Abschreckung, Abschreckung und nochmals Abschreckung.

Das Mittelmeer und Stacheldraht hilft, aber noch besser und billiger, wenn der Onkel mit zittriger Stimme und nicht allzu lange wegen der Kosten für die Handy Gebühren seine Flucherfahrungen an die zurückgebliebene Familie mitteilt, Auszug: „... nach all den Schrecknissen quer durch Afrika, den libyschen Folterlagern, der entsetzlichen Fahrt übers Mittelmmeer, ich konnte mich noch an irgendetwas klammern und habe überlebt, direkt neben mir, sind einige abgesoffen, dann hatte ich es geschafft, ich ging in Europa, genauer gesagt in Griechenland ans Ufer und kam in ein Lager, es war wie ein Wunder. Aber in Wirklichkeit war es wieder furchtbar, wenn auch anders furchtbar. Die Ersparnisse, auch von euch, sind aufgebraucht. Was soll ich tun.”

Neffe: “Oh jeh, du Armer, ich würde gerne helfen, aber ich weiss nicht wie. Mir geht gerade nur eins durch den Kopf, ich bleibe hier, sterben kann ich auch hier und wir machen aus unseren kärglichen Ersparnissen ein kleines Fest. Ausserdem möchte ich nicht, dass meine drei kleinen Schwestern vergewaltigt werden. Ich hatte Dir versprochen, auf sie aufzupassen. Bitte komm zurück, wenn es irgend geht.”

Wenn Krokodile weinen - Die Tagesschau

Schonungslos und gleich als erste Nachricht, natürlich mit Korrespondentenbericht und einem Kommentar, geht es zur Sache, gewissermassen Bildungsunterricht für unseren lesenden Arbeiter, z.B.: In Moria hocken 12.600, 10.000 mehr als die einst fixierte Kapazität, die hygienischen Verhältnisse, eine einzige Katastrophe, und so weiter, und so weiter...., klar das geholfen werden muss....

Diese und jene Stadt hat sich bereit erklärt schon mal ein paar Dutzend aufzunehmen, so wie die Bundesregierung, die insgesamt, ist aus Verwaltungssicht nicht ganz einfach, wirklich und real 290 Minderjährige aufgenommen hat.

Apropos Verwaltung: Thüringen und Niedersachsen haben direkt erklärt, sogar einige Hundert aufzunehmen. Da reicht aber Mitleid nicht, das geht nur mit verwaltetem Mitleid. Seehofer ist irgendwie nicht greifbar, sein Büro sagt nichts und dann die ganzen Formulare, die, die Flüchlinge, wissen ja oft nicht oder lügen wie alt sie sind, persönliche Angaben sind oft nicht möglich.

Beispiel aus einem Verfahren: „ Where are you born“ - „under a tree“.

Kurz und zu gut: Wir alle sind des Mitleids voll. Aber wir müssen auch unsere Grenzen kennen und erkennen. Menschenleben ist nicht gleich Menschenleben. Jeder ist ein Individuum. Wir können doch nicht gegeneinander aufrechnen und alle gleich machen. Das würde keinem gerecht und wäre herzlos.

Auch wenn von Abermillionen Flüchtlingen gerne gesprochen wird, wir - wir sind das Land der „Dichter und Denker“ (Fichte) und eben nicht das Land der „Richter und Henker“ (Tucholsky), würden wir auf den Einzelfall schauen und das tun wir auch, gewissermassen leben wir unsere ethischen Massstäbe, bis zur letzten Patrone.

Kümmern wir uns nicht rührend um einem russischen Herren namens Nawalny, der ist offenbar vergiftet worden. Sollen wir den vielleicht aus den Augen verlieren, nur weil Millionen über Millionen auf der Flucht sind und es immer werden. Wenn man keinen Blick mehr für den Einzelfall hat, nicht mehr würdigen kann, führt das genau zu dem gesamten Elend, über welches wir so betroffen sind.

Wir müssen im Kleinen anfangen, je kleiner um so besser, es ist nur noch die Nächstenliebe, die uns rausreissen kann. Von hochtrabenden Theorien wird keiner satt und Nawalny nicht gesund. Und wir sind sogar so empathisch, dass wir den Fall Nawalny erst einmal lösen wollen und nicht die ganze Welt retten wollen - mit Russland haben wir genug zu tun. Das ist ein Grossreich, meinst du vielleicht die geben einfach so die Schlüssel ab, Gorbatschow ist kinderlos.

Unser ethisches Streben schliesst auch die Möglichkeit des Einsatzes aller Patronen ein. Es gibt schönere zugegebenermassen schönere Momente im Leben.

Das muss man erst einmal schlucken. Aber das üben wir ja, mit und für euch. Wir machen alles nur aus Überzeugung. Nur wenn unser ethischer Kompass uns den Weg und die Richtung eingibt. In derTagesschau präsentieren wir dann unsere vorläufigen Ergebnisse - für den lesenden Arbeiter. Lesen aber reicht nicht. Es braucht ein ethisches Korsett.

Die Tagesschau ist in Wahrheit keine Nachrichtensendung, sondern eine Ethikveranstaltung. Da müssen sogar die Krokodile Tränen vergiessen: Aber dieses Mal vor lachen, weil eine solche ekelhafte Show auch noch konstruktiv aufgenommen wird und nicht nur Krokodile weinen. Bis jetzt hat also alles geklappt.

Die Tagesschau hilft dabei ein wenig. Ich suche nach einem neuen Namen für diese Sendung. Wer hat eine Idee?

Klaus Hecker

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