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Gesellschaftsdebatte Emanzipation? Nein danke.

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Weib wird nicht mehr gesagt, sondern Frau. Der Sexist indes lässt sich von seiner Einschätzung der Frau durch ihren Namenswandel überhaupt nicht abbringen, weil sein Urteil ja nicht aus dem Wort geboren wird, sondern aus der schlichten Tatsache, dass Frauen hier schlechter wegkommen.

Ampelmädchen an Fussgängerüberweg in Dresden.
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Bild: Ampelmädchen an Fussgängerüberweg in Dresden. / Iago4096(CC BY-SA 3.0 unported)

7. August 2014

07. 08. 2014

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Frauen sind fürs Kapital weniger interessant, denn sie können Kinder bekommen. Die daraus resultierende Tatsache, dass Frauen materiell schlechter wegkommen, übersetzt sich der Sexist in eine Eigenschaft der Frau: Jeder bekommt eben das, was er verdient – “Männer verdienen mehr als Frauen, warum denn? Männer verdienen mehr als Frauen”… (1)

Andere Wörter haben eine ähnliche Karriere wie das Weib hinter sich. Nein, nicht nur das N-Wort (2), sondern auch moralisch-religiöse Urteile wie die “Sünde” oder eben auch ihr Gegenteil die Tugend oder “das Gute”. Heute würde wohl kaum eine politische Partei oder linke Kleingruppe sich den metaphysischen Titel “gut” oder “heilig” geben. Genauso wie man allerdings beim Weibe nicht die materiellen Widerlichkeiten gegen die Frauen wegschaffen will, sondern ihre sprachliche Anerkennung als vollwertige Bürger betreibt, werden auch die moralischen Mucken nicht von linker Seite kritisiert, sondern die kirchlich-sakralen Wurzeln per Sprachhygiene entsorgt: Die “Emanzipation” ist geboren.

Was das Wort einmal an Inhalt hatte, ist passé. Wer bei Emanzipation noch an die Befreiung der Lohnarbeiter von ihrem Dasein als Arbeiterklasse denkt (MEW21/353) – oder an sonst irgendeinen konkreten Inhalt -, hat längst die Inhaltsverschiebung des Wortes verpasst. Eine Selbstbeschreibung als “emanzipatorische Gruppe” (3) meint nichts anderes als “Wir sind die Guten”, wo es “Emanzipatorische Inhalte zum Hören” (4) gibt, da weiss man: Es gibt Vorträge von welchen, die nichts Böses wollen.

Prüfstein ob ein Wort einen Inhalt hat oder zur moralischen Aufwertung gebraucht bzw. missbraucht wird, ist der Umkehr-Test. Kommunismus zum Beispiel hat einen Inhalt und ist nicht zu verwechseln mit der Inanspruchname “des Guten” für sich, was man an der grossen Anzahl an Antikommunisten sehen kann, die sich auch selbst so bezeichnen. Inhalt hat ein Begriff, der polarisiert. Aber Antiemanzen? Weit gefehlt. Niemand will mehr gegen die Emanzipation sein – und von was also will man sich noch emanzipieren, wenn plötzlich jeder dafür ist?

Die idiotische Übung, von einer “emanzipatorischen Praxis” (5) zu quatschen, zeigt, dass diese Linksradikale zwar keine Ahnung hat, was “Praxis” ist, aber auf jeden Fall schon mal über sich selbst weiss, dass sie “emanzipatorisch”, will heissen “gut” ist. Denn “antiemanzipatorisch” – das sind immer die Anderen, wie es sich für ein moralisches Etikett gehört.

Derart sinnentleert und damit auch sinnlos hat die radikale Linke mit dem Begriff der Emanzipation schon lange das betrieben, was die Grünen-Abgeordnete Antje Vollmer jetzt an ihr gerechtes Ende gebracht hat – die völlige Beliebigkeit eines Begriffs auf seine Spitze zu treiben: „Wer den deutschen Fussballern in diesen Tagen zuschaut, der verliert – wie auch ich – irgendwie die Angst vor den Deutschen. Sie spielen nämlich nicht nur gut und erfolgreich; sie spielen auch irgendwie schön und irgendwie richtig emanzipatorisch.“ (6)

Berthold Beimler

Fussnoten:

(1) https://www.youtube.com/watch?v=vvOiBlIvpHY&feature=kp

(2) Neger

(3) http://emanzipatorischegruppe.blogsport.de/

(4) http://audioarchiv.blogsport.de/

(5) http://evibes.blogsport.de/

(6) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/nach-der-fussball-wm-deutschlands-zarter-nationalismus-13045561.html

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