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Privateigentum: Wir sind die Bösen | Untergrund-Blättle

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Privateigentum Wir sind die Bösen

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Privateigentum hat die Eigenschaft, den allergrössten Teil der Menscheit von seiner Nutzung auszuschliessen. Wir sind glücklicherweise alle Eigentümer – unglücklicherweise eignet sich so manches Eigentum mehr zum Vorankommen als Anderes.

Villa Augustus in Holland.
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Bild: Villa Augustus in Holland. / Karina.kleijn (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

25. August 2014

25. Aug. 2014

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Hat der Eine ein ansehnliches Fabrikgelände nebst Eigentumwohnung geerbt ist es beim Anderen dann doch nur die eigene Arbeitskraft zu der er sich als Eigentümer verhalten kann.

Mit dem Eigentum kommen auch sehr unterschiedliche Interessen in die Welt. Kann für die freien Arbeiter – doppelt frei nannte Marx das mal, weil man kein Sklave ist aber leider auch von allem frei ist was man so zum leben braucht – kann also für die doppelt freien Arbeiter der Lohn nicht hoch genug sein; für den Eigentümer der Fabrik ist jeder gezahlte Lohn ein Abzug vom Gewinn – bei Marx heisst das dann die ‘negative Grösse’ dieser Wirtschaft – und kann deswegen nicht niedrig genug sein.

Das führt ganz notwendig zu – nennen wir es einmal freundlich ‘unharmonischen’ Verhältnissen. Marx nannte das mal Klassenkampf. Hat man andere Interessen wie eine andere Gruppe – schliessen sich diese Interessen sogar gegenseitig aus – sei einem eigentlich geraten die anderen Gruppe zu meiden. Unglücklicherweisse sind Arbeiter und Fabrikant aufeinander verwiesen – ‘Antagonistische Kooperation’ heisst das bei… ach, ihr wisst schon – und können deswegen nicht ohne den anderen.

In dieser Art eine Wirtschaft zu betreiben gibt es also notwendig die ganze Zeit Ärger zwischen den verschiedenen Rollen die man so einnehmen kann – Charaktermasken heisst das bei du-weisst-schon-wem.

Ich erzähle das Ganze, weil man glauben könnte, hier hätte sich die Geschichte auch schon. ‘Ziemlich dumme Einrichtung einer Gesellschaft’ könnte man sich denken, und sie einfach wegschaffen. Denn das sie Elend und Not produziert, dass weiss wirklich jeder. Aber warum dieses Elend in der Welt ist, dazu gibts ne Menge dummer Theorien. Die beliebteste – und auch so ziemlich die Dümmste – ist die Erklärung über die fehlende Moral in der Welt: Der Mensch, ein einziger Sünder der sich ständig gegen seine Mitmenschen herausnimmt, was eigentlich in den Sündenpfuhl der Ungerechtigkeit gehört.

Diese Theorie heisst gemeinhin Moral und kennt verschiedenste Vergehen, welchen sich der Mensch schuldig macht und warum die Welt so vor die Hunde gegangen ist.

Natürlich sind wir alle zu egoistisch. Nun könnte man naiverweise glauben, das wenn jeder an sich denkt doch an alle gedacht wäre, aber so meinen es unsere Moralisten gar nicht: Rücksichtslos würden in dieser Welt die Interessen durchgesetzt, und da würden dann die Schwachen halt gegen die Starken verlieren. Das dafür schon eine Wirtschaft eingerichtet sein muss, bei der das Interesse der Starken gegen das Interesse der Schwachen steht – also Eigentum in der Welt sein muss – vergessen die Moralisten in ihrem Kampf gegen den Egoismus gerne.

Natürlich sind wir auch alle verdorben durch den Konsum. Auch das ist ne komische Theorie, werden doch mehr Lebensmittel weggeschmissen als die ganze Menschheit bräuchte um sich zu ernähren, und trotzdem Hungern viele Menschen. Das klingt doch erstmal nach zu wenig und nicht zu viel Konsum. Auch haben viele Menschen keine Wohnung, und so manche Wohnung steht leer, so mancher friert, dabei sind die Warenhäuser voller Klamotten…

Natürlich haben wir auch keinen Respekt vor der Natur, keinen vor den Kindern und ausserdem schätzen wir die kleinen Dinge im Leben zu wenig. Natürlich sind wir zu intolerant und geben zu wenig… Kurz: Wir sind die Bösen. Und das ist die grosse Leistung der Moral:

Sie erklärt zwar nicht wirklich, warum so viele Menschen schlecht leben, aber sie entschuldigt es so gut: Wie sollte das elende Leben so Vieler schon zu ändern sein, wenn es an ‘dem’ bösen Menschen liegt – und wer sollte es ändern, wenn der Verfall der Moral einer ist der ‘uns alle’ betrifft? Da ist das Privateigentum und die Spaltung in welche die haben und welche die nichts haben einfach verschwunden und stehen bleibt:

“Wer möchte nicht in Fried und Eintracht leben, doch die Verhältnisse, die sind nicht so. Da hast Du leider eben Recht, die Welt ist arm der Mensch ist schlecht.”

Berthold Beimler

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