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Sexarbeit und Feminismus Der Appell gegen die Prostitution

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Es sei “einmalig [...] auf der Welt, ein echtes deutsches Phänomen” das man sie “gut” finde. Nein, es geht nicht um die Kombination von Wurst und Linsen, Weisswurst und Hefebier oder die Judenhatz – ein echtes deutsches Phänomen ist die “Pro-Prostitutions-Haltung” – so Alice Schwarzer auf ihrem Blog.

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Bild: De Wallen, der grösste Red Light District von Amsterdam. / Bert K. (CC BY 2.0 cropped)

18. August 2014

18. 08. 2014

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Dabei wird die allgemeine Ablehnung der Illegalisierung von Prostitution einfach mal munter umgedeutet in eine “Pro-Prostitutions-Haltung” und die Hure einfach mal verklärt als ein Produkt und eine “Pervertierung der sexuellen Befreiung”.

Ganz kritisch ob dem amoralischen Seelenleben der Frauen, welche Alice Schwarzers Drang nicht teilen, alle Prostitution verbieten zu wollen, fragt sie öffentlich was diese Frauen nur dazu bewegen könnte, ihren “Appell gegen die Prostitution” nicht zu unterschreiben. Ganz Feministin vermutet sie als erstes, dass diejenigen Frauen, die anderer Überzeugung sind nur ihrem Sexualtrieb unterlegen sind: “Glaubt ihr, dass es Männern gefällt, wenn ihr pro Prostitution seid?” Trübe Aussichten, wenn das ausgerechnet eine Feministin als erstes vermutet, wenn Frauen anderer politischer Überzeugung sind.

Wenn man gar nicht mehr weiter weiss, wirds gerne auch noch absurder: “Glaubt ihr, es gäbe Prostituierte, denen das Spass macht?” Nein, das glaubt zwar niemand, aber immer gut dem politischen Gegner das einfach mal zu unterstellen. So kann man mit harten Bildern gleich Moralpunkte einheimsen: “Dann solltet ihr mal die wunden Vaginas und zerrissenen Münder der Prostituierten sehen…”.

Dann fällt Alica Schwarzer in einem Nebensatz doch noch etwas richtiges auf – was aber scheinbar von ihr selbst völlig unbemerkt bleibt: “…die zehn, zwanzig Freier am Tag für 20, 30 Euro pro Nummer akzeptieren müssen. Fürs schiere Überleben.” Ja, deswegen sind Frauen Prostituierte. Nicht wegen der Nachfrage, nicht wegen einer angeblichen “Pro-Prostituions-Haltung” mancher Frauen oder weil es “denen Spass macht”: Weil sie von allem ausgeschlossen sind was sie zum Leben brauchen.

Dieses Elend der Frauen kennt Alice Schwarzer, will es allerdings weder erklären noch ihm den Kampf ansagen. Nicht warum die osteuropäischen Frauen anschaffen gehen wird bei ihr Ziel oder Ausgangspunkt einer Kritik, sondern moralsülziger Aufrufe zum christlichen Mitleid sind die Konsequenz: “Und vor allem: Habt Mitgefühl! Habt Mitgefühl mit den Hunderttausenden von Frauen, die das materielle oder seelische Elend in die Prostitution treibt.” Praktisch soll man dieses Mitleid darin münden lassen, den Frauen ihr elendiges Mittel ans nötige Kleingeld zum Leben zu kommen auch noch verbieten zu lassen.

Alice Schwarzers Appell zur Abschaffung der Prostitution ist keine Kampfansage an eine Welt, welche die Frauen von dem Reichtum dieser Gesellschaft trennt. Es ist kein Aufruf an die Frauen, sich diesen Reichtum anzueignen. Es ist ein Aufruf, den Frauen zu verbieten, sich mit moralisch unlauteren Mitteln durchs kapitalistische Leben zu schlagen.

Alice Schwarzer will den Menschenhandel von osteuropäischen Frauen verbieten, damit diese “ein menschenwürdiges Leben” führen können. “Ein Leben, wie wir, ihr und ich, es so selbstverständlich führen.” Ganz so, als ob diese durch ein Verbot der Prostitution auch nur einen Cent mehr in den Taschen hätten. Dieses Elend der Lohnabhängigen ohne Lohn interessiert Schwarzer aber gar nicht – das verletzt wohl auch die “Menschenwürde” nicht.

Berthold Beimler

http://www.aliceschwarzer.de/artikel/liebe-befuerworterinnen-der-freiwilligen-prostitution-317539

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