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Das Karussell des Todes | Untergrund-Blättle

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Einblicke in die Medienlandschaft Das Karussell des Todes

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Was uns die Medien täglich servieren, ist nicht glaubwürdig. Es spiegelt die Sicht der Mächtigen. Zum Glück gibt es Verweigerer.

Zeitschriftenkiosk von Fox News am MinneapolisSaint Paul International Airport.
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Bild: Zeitschriftenkiosk von Fox News am Minneapolis-Saint Paul International Airport. / Rae Whitlock (CC BY-SA 2.0 cropped)

28. Januar 2013

28. 01. 2013

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Die Welt ist schlecht und das ist gut so: hier ein Krieg, dort eine Schlägerei, drüben wieder mal ein Amoklauf, der gewohnte Hunger in Afrika, zwischendurch ein Schuss Klimaerwärmung und vor unserer Haustüre der Arbeitslose und der Flüchtling - sofern sie nicht weggejagd wurden. Die Welt ist schlecht und zwar so sehr, dass täglich darüber gesprochen wird. Die Medien mit ihren embedded Journalists lassen kaum Lücken in ihrem flächendeckenden Informationsbombardement, dieser Text inklusive. Die Copy-Paste-Mentalität erinnert an Inzest.

Das Karussell des Todes dreht sich also und die Konsumenten hocken als Passagiere auf ihren lächelnden Pferdchen oder in ihren festgeschraubten Ferraris und richten sich nach dem, was ihnen die Karussellbetreiber anbieten. Viel Neues kommt dabei nicht rum. Schliesslich dreht sich ein Karussell nie weiter als um die eigene Achse. Fünf Mal, zehn Mal, vierundzwanzig Mal.

Früher stieg man nach ein paar Minuten runter vom Pferdchen, ging zu Vater und fragte: Darf ich nochmals? Heute dreht das Karussell ungefragt weiter, hoppigaloppi und brum-brum, schön weiter im Kreis, immer gut festhalten und ja nicht zu sehr rausschauen, denn draussen lauert das Leben. Draussen wird getanzt und probiert, drinnen wird Ründchen um Ründchen gedreht, Jährchen um Jährchen, mit den immer selben Toten in den immer selben Nachrichten mit den immer selben Protagonisten, mit dem immer selben Ziel: die Passagiere davon abzuhalten, rauszuschauen.

Die Medien dienen dabei lediglich als Mittel zum Zweck, quasi als Sprachrohr der Karussellbetreiber. Diese haben ihre Kanäle so positioniert, dass den Passagieren kaum was anderes übrig bleibt, als das Geschehen auf dem Planeten wie eine täglich wiederkehrende schwarz leuchtende Schlagzeile wahrzunehmen und sich zum Trost in die Arbeit oder ins Shopping zu stürzen, zwei dankbare Zufluchtsorte.

Zwei dankbare Nischen, um sich vor der Tatsache zu verstecken, Teil des ganzen Zirkus' zu sein und seit Jahren fröhlich dem Gefühl der Sicherheit entlangzutraben. Hauptsache man kann Ende Monat das Dauerabonnement erneuern und weiterhin hübsch Kredite aufnehmen – was bei der Kombination Arbeit/Shopping wunderbar funktioniert.

Es sind jene Kredite, mit denen die Karussellbetreiber dann neue Karusselle bauen lassen, und zwar an Orten, wo es noch keine Karusselle und eigentlich auch keinen Bedarf gibt. Oder aber sie lassen die Bestehenden digital umrüsten und können sie so von überall auf der Welt bedienen. Früher die Religionsbücher, heute die Nachrichtenmacher: Fernsteuerung war noch nie so einfach.

Und dennoch sind sie ins Stocken geraten, die Karusselle des Todes. Sie werden zwar ihrem Namen nach wie vor gerecht, aber langjährige Passagiere können plötzlich ihr Abo nicht mehr bezahlen. Auf einzelnen Karussellen kam es bereits zu Aufständen, in denen die Passagiere von der knüppeltragenden Leibgarde der Karussellbetreiber blutig geschlagen und an ihre lächelnden Pferdchen gefesselt wurden. Schön sitzen bleiben und weitertraben!

Trotz diesen diktatorischen Anwandlungen realisieren die Passagiere langsam, dass Schlägereien, Kriege und Hunger nicht nur in den Medien vorkommen, sondern plötzlich erschreckend nahe sind und sie, die Passagiere, trotz den vermeintlichen Sicherheiten bald selber arbeitslos oder flüchtend sein könnten. Damit es nicht soweit kommt, sind sie nun aus ihren Plastikferraris gestiegen und von ihren Pferdchen gesprungen und tun, wovon man ihnen während Jahren abgeraten hatte: Sie schauen nach draussen. Ein paar Mutige sind bereits abgesprungen.

Die Zurückgebliebenen erhalten selten ein Wort von draussen und noch seltener wird dieses verstanden. Während Jahrzehnten das Pferdchen oder den Plastikferrari teilend und dieselbe Sprache sprechend, verstehen sie nur ganz wenig von dem, was ihnen die Abgesprungenen sagen möchten. Eines haben sie jedoch verstanden: dass ausserhalb des Karussells das Leben wartet und sich dieses nicht um den Tod dreht. Die restlichen Worte, nämlich dass das Karussell des Todes eine Illusion ist und nur dank dem Glauben an die Nachrichten funktioniert, diese Worte beginnen nur jene zu verstehen, die kurz vor dem Absprung sind.

Romano Paganini / Infosperber

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