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Captain Future: Gesichtskonstruktion | Untergrund-Blättle

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Gesellschaft

Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht Captain Future: Gesichtskonstruktion

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Es ist nicht so einfach. Man muss aufpassen, wann die Endlosschleife von vorne beginnt. Und sich dann höllisch beeilen, ohne hektisch auszusehen.

Überwachungskameras Bahnhofsvorplatz Köln.
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Bild: Überwachungskameras Bahnhofsvorplatz Köln. Hersteller: Dallmeier. Modell: Panomera. Jedes Kameragehäuse enthält 8 Einzelkameras. / © Raimond Spekking (via Wikimedia Commons) (CC BY-SA 4.0 cropped)

31. Oktober 2018
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Updates können dazu führen, dass der Bilddurchlauf plötzlich neu startet. Dann heisst es, ohne Flüche den Einkauf zu beenden. Glücklicherweise achten die Meisten sowieso nicht auf die Monitore. Dafür wurde die GK seit dem G14 auf Helgoland zu oft eingesetzt.

Gut, es ist kein so grosser Unterschied zu den alten Fahndungsplakaten. Nur sind es jetzt hunderte, nach denen sie suchen. Oder Tausende. Keine Ahnung. Und die Monitore hängen in jedem scheiss Supermarkt, in jeder Tankstelle, an vielen Plätzen. Seit die Gesichtskonstruktion (GK) erlaubt wurde, ist es echt schwer geworden. Irgendwer erkennt einen immer. David wurde von seiner Mutter erkannt und denunziert, Vanessa von der Nachbarin und Bobs an der Netto-Kasse.

Es geht bei denen nur um Gerangel auf Demos. Aber das reicht ja schon seit Jahren für Knast. Wie willst du auf ne Demo, ohne DNA zu hinterlassen? Vergiss Demos! Angeblich haben sie jetzt Tabos die nichts anderes machen, als heimlich DNA abzunehmen. Seit der Versuch gekippt wurde, die DNA-Daten von Allen auf den Persos zu speichern, müssen sie sich halt was anderes ausdenken.

Die GK hat viel verändert. Früher musstest du nur dafür sorgen, dass sie dir deine DNA nicht zuordnen können. Jetzt basteln sie aus deiner DNA dein Gesicht. Jeder Depp kann dich erkennen. Am Anfang haben wir noch viel gelacht, weil Alle ein bisschen bekloppt aussahen. Jetzt lacht niemand mehr. Die Leute werden erkannt, auch wenn die Nase zu gross, die Ohren zu klein oder die Lippen zu schmal sind.

Das ist ja das verrückte: es klappt trotzdem. „Der sieht ja aus wie...“ - ich kann es nicht mehr hören. Selbst eine Schwarzfahrerin hat es letztens getroffen. Sie war vor den Kontros abgehauen aber die Schweine haben ihr Haare ausgerissen. Es gab zwar zögerlichen Protest, aber die Linkspartei fand‘s richtig: Schwarzfahren gefährde die Finanzierung des ÖPNV und den nationalen Zusammenhalt. Hä? Naja, Wagenknecht halt.

Besonders krass fand ich es, als sie Alex so massiv gesucht hatten. Die automatische Gesichtserkennung hat ihn im Linienbus erkannt. Nur wegen der GK! Das muss man sich mal vorstellen!

Das einzig Gute ist, dass die Leute die Dauerfahndungsschleife nicht mehr soviel beachten, wie am Anfang. Dafür werden es jetzt immer mehr Aktiv-Bürger, die sich die App auf die Datenbrille laden.

Die Leute lassen sich jetzt auch errechnete Bilder ihrer toten Verwandten machen. Zum Glück funktioniert es noch nicht mit Katzenbabys! Aber wer weiss, was noch kommt.

Ihr solltet auf jeden Fall versuchen, die GK-Einführung bei euch zu verhindern.

Das Schlimme ist: auch wir hätten sie verhindern können. Oder wenigstens verzögern. Als dieses Drecks-Institut auf dem Gen-Kongress 2018 zeigte, dass es geht, aus ein bisschen Spucke ein wiedererkennbares Gesicht errechnen zu lassen, wurde das von uns nicht wirklich wahrgenommen. Jeden Monat kam irgendeine neue Scheisse. Nur die Journalist_innen staunten, wie ähnlich sich das vom Algorithmus errechnete Bild und die reale Person waren.

Wir hätten es abfackeln sollen, das ganze Labor, die Rechner. Zu spät. Ich weiss. Wie so oft. Und die politische Durchsetzung haben wir verpasst, weil wir verhindern wollten, dass die DNA auf den Persos gespeichert wird. Gegen die Gesichtserkennung kannst du noch ein bisschen tricksen. Aber was hilft gegen tratschende Mitbewohner_innen, Eltern, Nachbar_innen, Aktiv-Bürger_innen?

Für den Moment auf jeden Fall ein Fläschchen Haselnusslikör. Den ham wa noch.

ab

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