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Bienen-Yoga und böse Milch | Untergrund-Blättle

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Nachrichten aus der Debattiermaschine Bienen-Yoga und böse Milch

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Ich lebe in einer fabelhaften Welt. Jeder Tag, den ich erleben darf, ist voller Wunder. Um mich herum entstehen die News der Schöpfung und verbinden sich zu einem Dschungel an neuesten Erkenntnissen und Versuchen, das menschliche Leben anders als vernünftig zu erklären.

Ein Melkkarussel bei Hemme Milch Wedemark in Niedersachsen, Deutschland.
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Bild: Ein Melkkarussel bei Hemme Milch Wedemark in Niedersachsen, Deutschland. / © Thomas Fries, Lizenz: (CC BY-SA 3.0 de)

3. Juni 2015

03. 06. 2015

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Vernunft wird ohnehin überschätzt; wohin hat sie uns gebracht, die so genannte Vernunft? hä? wohin denn? Im Arsch der letzten Waldameise ist es heller als im Schädel eines Menschen!

Der Nebel wird dichter und dicker, bald werde ich sterben – was auch nicht weiter schlimm ist, ich habe mir dazu bereits das Buch „Wie stirbt man sinnvoll und also niemals?“ bestellt. Ich hoffe, ich habe noch die Zeit, vorher die Bücher „Wie lacht man richtig?“, „Wir verwandeln Blähungen in Energie“ und „Das sexuelle Leben der Holzbienen im Zeitalter des Chicken-Schicks“ zu lesen. Bücher, die auf meinem Nachtschränkchen liegen, sich türmen, andere Titel sind unter ihnen im Staub versunken …

Ich komme nicht mehr nach, ich komme nicht mehr mit. Fabel nach Fabel greift nach mir. Seit neuestem weiss ich, dass Milch böse ungesund ist, Pflanzen intelligent und Bienen das neue Yoga sind. Es gab mal eine Zeit – erinnere ich mich oder halluziniere ich? -, in der Eigen-Urin das Allheilmittel für und gegen alles war. Je nachdem, ob man ihn trank oder injizierte, oder ob man ihn einfror und frittierte.

Das war etwa zu der Zeit, als die Topinambur-Knolle die Welt des Westens eroberte und die Unsterblichkeit garantierte – oder war es ein paar Jahrhunderte zuvor, als ich schon mal auf der Welt war: wirklich, das Buch „Du bist dein eigener Urururgrossvater“ hat es mir erklärt; und zwar war ich schon mal eine Mandarine mit blauer Schale im Trainingsanzug eines Yeti. Mit Tendenz zum Erzeuger eines männlichen Menschen, dem das Zeug zum skandinavischen Serienkiller in die Wiege gelegt wurde. Eine Wiege, dies nebenbei, die aus dem Material verholzter Topinambur-Knollen, Birkenstock und Diät-Tabellen geschnitzt war; und wenn der kleine, süsse, als Serienkiller angelegte Knabe seinen vierten Geburtstag erreicht hat, steigt er aus der Kiste, beginnt sein Werk und folgt dem Willen schwedisch-norwegischer Bestseller-Autoren.

Jeden Tag erfahre ich neu Wundersames. Verschwörungstheorien wuchern wie der Giersch in meinem Garten. Gelegentlich werden unbekannte Flugobjekte gesichtet, kaum zu unterscheiden von irgendwelchen Drohnen, die nachts ans Fenster meines Schlafzimmers klopfen. Und tagsüber beschallen mich die Songwriter der aufblühenden Freikirchen. Jeder darf alles glauben, muss nichts wissen, muss nichts überprüfen – Herrje, die Zeit habe ich doch gar nicht! -, muss nur glauben. Aber glauben, das musste; Aberglaube. Da ist ein Wabern, ein Nebel, und es tut so gut, sich zurückzulehnen und des Pudels Kern für eine Nuss-Schokolade zu halten. Impfen gegen Masern ist sowas von Iiiih! Wer nicht lachen kann, muss zum Lach-Yoga.

Ob es ein Leben nach dem Tode gibt? Wer weiss. Es steht Fiftyfifty. Immerhin kam noch niemand zurück und erzählte, es gäbe eines bzw. es gäbe keines. Fiftyfifty. Es gibt kein klärendes Elfmeterschiessen, sondern nur dieses wohlige Suhlen im Ungefähren, Ungewissen, Hach-es-könnte-ja-sein-dass … Und gleich kommt der nächste Messias, gleich kommt die nächste Diät, gleich kommt die nächste Lebens-Erklärungs-Canaille um die Ecke, und du musst nicht fragen, du musst nur folgen …

Und so koche ich mein Frühstücksei, fünf Minuten, und frage mich mal wieder nicht, ob das Ei oder das Huhn zuerst da war. Ich bin davon überzeugt, dass zuerst der Mensch da war, das Überraschungs-Ei schlechthin. Und dieses Ei erhält demnächst eine neue Welt-Charta. Paragraph Eins: Du musst blöd sein wie ein … nun ja, Ei. Das ist Menschenrecht ab sofort. Du musst nicht links für links halten, nicht wissen, dass ein Meter aus 100 Zentimetern besteht. Du musst nicht wissen, dass Warschau die Hauptstadt von Polen ist und die Newtonschen Gesetze keine Sado-Maso-Anleitungen sind. Du musst nicht wissen, dass der Zweite Weltkrieg 1945 beendet wurde. Hauptsache du weisst, dass das Bernsteinzimmer in der Kanalisation von Göttingen versteckt wurde.

Der Wille des Menschen, sich freiwillig zum Narren und sich gleichzeitig für einen Herrscher zu halten, ist ungeheuer stark und – erstaunlich. Dass er ein Herrscher sei, ein Individualist, ein Mensch, der über Talente, unbegrenzte Möglichkeiten, Drang zur Freiheit und zur ständigen Kreativität verfügt - ist ihm selbstverständlich. Hörma! Hab ich so jelernt jekriegt! Hab ich Kultur oder Cholera oder Kaschmir aufm Autositz, hä!?

Dass er recht eigentlich töricht ist, verletzlich, verunsichert, hilflos und fast auf jeden Misthaufen springt, der ihm hingeschüttet wird… Nun, welcher Narzisst gäbe gern zu, im Spiegel einen bedürftigen, nach Anerkennung lechzenden, sich nach Liebe sehnenden, ohnmächtigen Trottel zu sehen, der gleichschenklige Dreiecke für arabische Porno-Darstellerinnen hält und sein sich lichtendes Haupthaar für den Dritten Weltkrieg hält. Ein Krieg, den eine dieser nebulösen, auf dem Planeten wandelnden Wesen anzuzetteln, die uns umzingeln, von denen täglich berichtet wird und vor denen wir uns so glänzend-grässlich gruseln können…

Es gibt auch das Tröstliche. Das einem das Gefühl gibt, nicht nur von Bescheuerten und Bekloppten umgeben zu sein, die viel Wert darauf legen, bescheuert und bekloppt zu sein. Etwa hat jemand, den oder die ich hiermit für das Bundesverdienstkreuz vorschlage, auf den nackten Bauch eines Bikini-Models, das für die neueste Beachwear Collection von Calzedonia werben muss/darf, mit Versalien geschrieben: HEY, MÄDELS, SO MÜSST IHR NICHT AUSSEHEN. Das trifft es meiner Ansicht nach. HEY, MENSCHEN, WIR MÜSSEN NICHT JEDEN SCHEISS FÜR BARE MÜNZE NEHMEN; zumal der Scheiss nur dazu da ist, uns die Münzen aus der Tasche zu ziehen. Aber so simple Wahrheiten – kennen wir doch, wir sind doch nicht bescheuert …

Eckhard Mieder

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