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Warum Facebooks Übernahme von WhatsApp ein Zeichen der Zeit ist Der Wert eines Nutzers

Digital

Das soziale Netzwerk Facebook kauft den SMS-Service WhatsApp für insgesamt 19 Milliarden Dollar. Das ist eine astronomische hohe Summe, die endgültig klar machen sollte: Daten sind die Währung des 21. Jahrhunderts. Der Informatiker und Blogger Henning Tillmann kommentiert.

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Bild: Ein grosser Bestandteil des Erfolgs von WhatsApp ist die Einfachheit des Dienstes – oder anders ausgedrückt: die extreme Faulheit der Nutzerinnen und Nutzer. / Santeri Viinamäki (CC BY-SA 4.0 cropped)

27. Februar 2014
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Facebook, mittlerweile zehn Jahre alt, hat ein Problem: Jugendliche finden das grösste soziale Netzwerknicht mehr ansprechend genug. Da auch Eltern, Lehrer und Grosseltern dabei sind und Facebook über die Jahre umfangreicher geworden ist, fehlt die Einfachheit und Coolness der Anfangsjahre. Um dem Trend entgegenzuwirken, hat sich Facebook im Jahr 2012 den populärenBilderdienst Instagram für gut 1 Milliarde Dollar gekauft. Peanuts, verglichen mit dem, was Facebook nun auf den Tisch legt.

Was WhatsApp macht

WhatsApp, vor gut 5 Jahren gestartet, wird häufig als SMS-Ersatz beschrieben. Sicherlich lässt sich die Funktionalität auf den ersten Blick so zusammenfassen. Es ist möglich, (scheinbar) kostenlos Nachrichten oder Bilder an Freundinnen und Freunde zu schicken. Gruppenchats, viele bunte Smilies und Hintergrundbilder sprechen dann insbesondere auch viele Jugendliche an. Die Verbreitung ist rasant: Nach eigenen Angaben hat WhatsApp allein in Deutschland 30 Millionen Nutzer.

Ein grosser Bestandteil des Erfolgs ist die Einfachheit des Dienstes – oder anders ausgedrückt: die extreme Faulheit der Nutzerinnen und Nutzer. Nach der Installation von WhatsApp werden grosszügige Zugriffsrechte auf das Betriebssystem verlangt (u. a. Zugriff auf Bilder, auf das Mikrofon, auf die Kontakte) und die eigene Mobilfunknummer als Identifikation verwendet. Im gleichen Atemzug wird dann auch das Adressbuch an den Hersteller geladen. Ein Vorgang, das im analogen Zeitalter eine Welle der Empörung hervorgerufen hätte.

Kleines Beispiel: Wir sind im Jahr 1990 und im Urlaub in einem fernen Land. Ferngespräche sind teuer, aber man trägt dennoch sein kleines Adressbuch in der Jackentasche mit allen Telefonnummern und sonstigen Daten seiner Kontakte. Man stelle sich nun ferner vor, ein Unbekannter würde einem anbieten, dass man von seinem Telefon kostenlos all seine Freundinnen, Freunde und Familienangehörigen anrufen könnte. Die einzige Gegenleistung wäre, dass sich dieser Unbekannte eine Fotokopie eures Adressbuch machen dürfte. Niemand würde wohl ernsthaft auf das Angebot eingehen. Nichts anderes, und noch viel mehr, macht WhatsApp.

Wer steckt hinter WhatsApp?

Über das Entwicklerteam von WhatsApp ist quasi nichts bekannt, die offizielle Firmenadresse gibt es nicht (vgl.Ist Whatsapp eine Briefkastenfirma?). So hörte man auch kaum eine Stellungnahme über die erheblichen Sicherheitslücken, die teilweise bis heute nicht geschlossen worden sind. Adressbuchdaten wurden unverschlüsselt übertragen, die gesamten Konversationen ebenso und als Autorisierung wurde die Telefonnummer des Smartphones mit dessen WLAN-Gerätekennung verwendet. Dies ist ungefähr so, als würde man auf der Strasse einen Motorradhelm aus Esspapier verwenden.

Doch warum zahlt Facebook 19 Milliarden (noch einmal: 19.000.000.000!) für WhatsApp? Weil Facebook selbst Daten sammelt. Weil es nun Zugriff auf jede private Kommunikation von den Nutzerinnen und Nutzern hat. Zugriff auf jeden Gruppenchat, in dem sich über den neusten Film im Kino unterhalten wird.

Ebenso kann es jede romantische Konversation zwischen zwei Verliebten (und die dazugehörigen Bilder) oder jedes gesundheitliche Problem, über die ihr mit eurem besten Freund über WhatsApp schreibt, mitlesen. Da WhatsApp auch noch Zugriff auf eure Ortsdaten verlangt, auch Infos, wo ihr gerade oder häufig (= eure Wohnung) seid. Denkt dran: Eure Daten sind Facebook viel wert. Und rechnet man mal die Kaufsumme auf die 400 Millionen Nutzerinnen und Nutzer um, dann ergibt sich:

47,50 Dollar für eure Geheimnisse und euer Adressbuch. Da war der unbekannte Typ im Urlaubsparadies 1990 doch ein Samariter!

Henning Tillmann
berlinergazette.de

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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