UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Das Fediverse | Untergrund-Blättle

6253

Alternative Netzwerke Das Fediverse

Digital

Einige von euch werden den Begriff Fedivers oder föderierte Dienste schon mal gehört haben, doch was ist damit gemeint?

Fediverse Logo.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Fediverse Logo. Foto: Eukombos (CC BY-SA 4.0 cropped)

11. Februar 2021
12
0
5 min.
Drucken
Korrektur
Warum schon seit einem Weilchen ein Hype darum besteht und welche Vorteile dies als Nutzer bringt, werde ich hier erläutern. Auf technische Details werde ich absichtlich nicht eingehen, denn das ist ein eigener Artikel wert.

Getrennt geht schlechter

Du bist oder warst wahrscheinlich schon auf Facebook (FB), Twitter, YouTube (YT) oder Instagram. Auf diesen Diensten kannst du dich anmelden, deine Fotos, Nachrichten und Status posten, Kommentieren und das Profil deiner FreundInnen finden, favorisieren und kommentieren. Bei einigen anderen Diensten im Internet kannst du dich mit dem FB-, Twitter- oder Google Konto anmelden. Jedoch kannst du nicht über die unterschiedlichen Dienste hinweg abonnieren, kommentieren oder favorisieren (liken).

Das stört ungemein und mensch braucht für jeden Dienst ein Konto und dafür ein Passwort und eine App. So was sollte doch einfacher gehen. Und das alles nur mit einem Konto?

Das haben sich auch ein paar Programmierer gedacht und haben sich teils unabhängig voneinander Gedanken darüber gemacht. Und tatsächlich gibt es da schon länger was in dieser Art, nämlich die klassische Email. Ich kann Emails senden und Empfangen, egal welchen Anbieter ich nutze. Du kannst auf Emails von Yahoo, Microsoft, GMX oder von deiner Schule, Uni oder Arbeitgeber senden und empfangene Emails beantworten.

Das ist möglich, da man sich auf ein normiertes Protokoll geeinigt hat, welches alle verstehen. Email ist ein Standard, der festlegt, wie Nachrichten über das Internet versendet und empfangen werden. Stell dir vor, deine Emails könntest du nur innerhalb von Gmail senden und müsstest einen anderen Anbieter anmelden, nur weil deine Freundin Yahoo nutzt, das ist doch irrsinnig. Jetzt stell dir das in dieser Art für FB, Twitter, Insta und YT vor!

Föderiert heisst zusammen

Konkretisieren wir also das Szenario von den Emails, das ich vorhin erwähnte, für die Social-Media Kanäle. Du postest ein YT Video und jemand gibt einen Like über Twitter ohne ein YT Konto zu haben. Du kannst dabei sowie die Kommentare von FB sehen als auch diese beantworten.

Dazu kommt noch, du wählst aus, welchen YT Server du beitreten möchtest, da du Google z.B. doof findest und lieber deine Videos auf dem Server von einem Freund hochlädst. Trotzdem können dich die Nutzerinnen auf den anderen Servern deine Inhalte sehen, liken so wie kommentieren.

Das alles gibt es bereits und nennt sich Fediverse. Der Begriff ist ein Kofferwort aus Federation und Universe. Das bezeichnet ein Netzwerk von Sozialen-Medien, welche unabhängig voneinander betrieben werden, aber untereinander föderieren (zusammen Arbeiten). Das heisst, sie können gegenseitig ihre veröffentlichten Daten sehen, so wie Kommentare und Likes. Es spielt technisch keine Rolle, welchen Server mit welchen Dienst du nutzt, du kannst mit deinen FreundInnen interagieren [1]. Du hast somit die absolute Freiheit, welchen Typ von Dienst du nutzen möchtest, und das auch noch auf welchem Server.

Vertrauen schenken

Gehen wir mal davon aus, du möchtest nun ein Fediverse Dienst nutzen, doch welche gibt es überhaupt und welche Server (Instanz genannt) werden von wem betrieben und wieso? Denn wie bei allem was mensch im Internet nutzt muss als erste Währung sein Vertrauen entgegen gebracht (geschenkt) werden. Deswegen haben die meisten Instanz-BetreiberInnen auch einen Code of Conduct (CoC) aufgeführt. Dieser beschreibt, welche Themen auf ihrer Instanz un- und/oder erwünscht sind und welche Verhaltensregel erwartet werden.

Die Freiheit, den Server selber zu wählen, den mensch nutzen möchte, ist doch schon mal ein sehr guter Anhaltspunkt. Wie gesagt, da die Instanzen föderiert sind kannst du mit den anderen verbundenen Servern kommunizieren als wären sie auf derselben Instanz. Einzige Einschränkung ist, dass wenn ich was auf einer anderen Instanz veröffentlichen möchte, dafür darauf einen eigenen Account benötige.

Kommen wir nun zur Qual der Wahl: Ich stelle euch hier die bekanntesten Dienste anhand ihrer populären Äquivalente vor. Ich persönlich nutze Mastodon [2] sehr gerne und häufig und empfinde ich den Umgang darauf auch als sehr angenehm. Wie schon erwähnt kann ich mit Mastodon genau so PeerTube, Friendica etc. Accounts folgen, kommentieren und liken.

Fazit

Welchen Dienst oder gar Dienste du nutzen möchtest und welche Instanzen du wählst, musst du für dich selber entscheiden, das kann ich dir nicht abnehmen. Bei einigen Diensten kannst du auch später relativ problemlos umziehen, da diese Funktion mit eingebaut ist.

Ich persönlich bin im Fediverse sehr zufrieden und dies nicht nur wegen der grossen Auswahl, sondern auch wegen der zu einem passenden ausgesuchtem Umfeld. Gerade deswegen ist der Ton untereinander sehr respektvoll und nicht so vergiftet wie in den üblichen Social-Medias.

Dann wünsch ich dir viel Spass beim abtauchen in das föderierte Netz und vielleicht sehen wir uns dort, mich findest du unterKubikPixel auf Mastodon.

KubikPixel

Fussnoten:

[1] Es gibt unterschiedliche Protokolle dafür und die sind nicht alle zueinander Kompatibel, das momentan am meisten genutzte ist dasActivityPub Protokoll.

[2] Wie du am besten die ersten Schritte in Mastodon machst, wurde sehr ausführlichhier beschrieben. Es lohnt sich diesen Text zu lesen, obwohl dieser sehr ausführlich ist. Ausserdem gilt Mastodon als eines der ausgereiftesten Social-Media Plattformen im Fediverse.

Mehr zum Thema...
Portrait von Richard Stallman, dem Gründer des GNU Projektes und Linus Torvalds, dem Vater des Linux Systemes.
Die Emanzipation von Online-KonzernenWarum befreit ihr euch nicht?

16.10.2020

- Immer wieder gibt es Veranstaltungen zu emanzipatorischen Themen und da wird teilweise auch unter anderem ein Video-Stream über Facebook oder YouTube angeboten.

mehr...
Xmpp Treffen in Brüssel, Februar 2013.
Telegram ist keine AlternativeChat & Kalender passt nicht!

10.11.2020

- Seit einiger Zeit ploppen immer mehr Chatgruppen auf, und dies nicht nur ausschliesslich in WhatsApp.

mehr...
Die Grossen Fünf abwehren?
Eigene Daten besser schützenKleines Einmaleins der digitalen Selbstverteidigung

07.08.2019

- Wie man die Datensammler im Internet in den Griff bekommt: Wir tragen hier einige Basics zum eigenen Schutz zusammen und nennen Alternativen zu den Diensten der grossen Konzerne. Ein Überblick.

mehr...
10 Jahre YouTube - eine kritische Würdigung

24.04.2015 - Anfang April wurde bekannt, der Gratis-Online-Fernsehsender YouTube will ein Bezahlsystem einführen. Wer die Dienste - des zum Google-Konzern gehörenden Online-Video-Portals - ohne Werbung geniessen will, soll zahlen.

10 Jahre YouTube - eine kritische Würdigung

24.04.2015 - Anfang April wurde bekannt, der Gratis-Online-Fernsehsender YouTube will ein Bezahlsystem einführen. Wer die Dienste - des zum Google-Konzern gehörenden Online-Video-Portals - ohne Werbung geniessen will, soll zahlen.

Dossier: Drohnen
Peter D. Lawlor
Propaganda
Helene Fischer: Von Kinderhand für mich gemacht

Aktueller Termin in Freiburg im Breisgau

Überleben trotz Geld. Austauschcafé finanzielle Perspektiven/Möglichkeiten für politisch Aktive

Lohnarbeit. Kollektives Augen-verdrehen. Grund abends früher zu gehen, morgens früher aufzustehen und für viele politisch aktive Menschen eine ungeliebte Notwendigkeit um politische Arbeit möglich zu machen. Oder ein Grund, ab einem ...

Dienstag, 29. November 2022 - 18:00 Uhr

KTS - Kulturtreff in Selbstverwaltung, Basler Straße 103, 79100 Freiburg im Breisgau

Event in Zürich

Gashi

Dienstag, 29. November 2022
- 21:00 -

X-TRA

Limmatstrasse 118

8031 Zürich

Mehr auf UB online...

Vorheriger Artikel

Aus der Krise der radikalen Linken finden

Krise überwinden - Utopien erkämpfen

Leo Trotzki mit Harry De Boer und James H. Bartlett in Mexiko, 1940.
Nächster Artikel

Gegensätze ziehen sich nicht an

Ausgefunkt - Wie der Trotzkismus sich selbst entlarvt

Untergrund-Blättle