Wolfram Frommlet: Johann Sebastian Bach geht über den Sambesi Reisen in die Schatten Europas
Sachliteratur
Die deutsche Hochkultur, klassische Musik – scheinbar unumstössliche Werte. Die Brüche kommen mit der 68er-Bewegung: Vietnam, die Entlarvung der verheimlichten Geschichte Europas: die Shoa, der Kolonialismus.

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Bach im Gepäck, Synonym für das Europa der Humanität, als Angebot gegen die Schatten Europas, die Frommlet ständig einholen: Er findet Schwarze, die lieber weiss, und Weisse, die lieber schwarz sein möchten, Helfer, die nur sich selbst helfen wollen, Situationen, die ihm Gewaltphantasien bescheren. Aus den Träumen von der post-kolonialen Befreiung werden Alpträume, aus Utopien Zynismen, aus vorgeblichen Antworten Fragen.
Fast 30 Jahre in Asien, in Afrika, oft gegen die Interessen der neuen – und alten – Eliten, von ›Entwicklungshelfern‹, deren Hilfe von oben herab für die vorgeblich Unterentwickelten fast immer zur Katastrophe wird. Kolonialismus, Neo-Kolonialismus, die Ausbeutung der Dritten durch die Erste Welt – wir kennen die Schlagworte, aber was Wolfram Frommlet vor Ort mit eigenen Augen sieht, ist leider oft noch schlimmer, als wir es uns vorgestellt hatten. Doch er findet auch afrikanische Alternativen, die nicht zu neuen Abhängigkeiten führen, Geschichten und Geschichte von unten, von weissen Elefanten, vom Licht und vom Dunkel, vom Tag und von der Nacht.
Wolfram Frommlet: Johann Sebastian Bach geht über den Sambesi. Kroener Alfred GmbH + Co. 2024. 368 Seiten. ca. 34.00 SFr. ISBN: 978-3-520-91401-9.
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