Peter Kropotkin: Worte eines Rebellen He's a rebel – social rebel…

Sachliteratur

Sicherlich viel zu spät – aber was ist schon zu spät? – der Hinweis auf ein altes Buch, welches neu herausgebracht wurde.

Cover zum Buch.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild vergrössern

Cover zum Buch.

Datum 30. Juli 2023
1
0
Lesezeit3 min.
DruckenDrucken
KorrekturKorrektur
Jürgen Mümken hat sich die Mühe gemacht es zum Anlass des hundertjährigen Todestages von Peter (Pjotr) Kropotkin noch mal neu zu überarbeiten und zu übersetzen. War auch längst überfällig, denn wenn ich es richtig stehe stammte die letzte Ausgabe von 1972 und war immer noch die Version, welche Pierre Ramus so langweilig entschärft hatte. Von Krawall und Rambazamba wollte der alte Pazifist nämlich nichts wissen. Kropotkin selbst war freilich nie ein Strassenkämpfer erster Reihe. Aber – ganz im Unterschied zu zu Rutger Bregman – war Kropotkin immer bewusst, dass es in der sozialen Revolution hoch geht.

Eigentlich wollte ich auf dieses Erstlingswerk Kropotkins hinweisen, weil es mich selbst begeistert hat. Es handelt sich um eine Aufsatzsammlung, die ab 1879 entstanden ist. 1885 wurde sie veröffentlicht – in dieser Zeit sass der „anarchistische Prinz“ eine fünfjährige Haftstrafe in Lyon ab. Man hatte ihn für einige Dynamit-Anschläge bei Bergarbeiter-Streiks verantwortlich gemacht – ein klar politisch motivierter Repressionsschlag. Sein Freund und Wegbegleiter Elisée Reclus veröffentlichte daraufhin eine Art Best-Off von Kropotkins Werken, um der Welt zu zeigen, wofür die Anarchist*innen eigentlich stehen.

Und sie standen und stehen für sehr viel: Wenn man so will formuliert Kropotkin meines Erachtens nach in dieser Textsammlung wichtige Ecksteine für eine politische Theorie des Anarchismus. Dabei war bildete er aber lediglich ab und interpretierte, was in den radikalen Flügeln der sozialistischen Bewegung ohnehin besprochen und praktiziert wurde. Dies stellt aber gerade die Leistung Kropotkins dar, welche geschätzt werden sollte.

Dabei sind die Worte eines Rebellen durchaus vom Pathos einer baldigen Revolution geprägt – was sie meines Erachtens nach umso lesenswerter macht, denn ihr Autor zeigt sich darin als Mensch und nicht als kalter Analytiker; zugegeben auch als Kader-Person und nicht als reformerischer Sozialdemokrat. Umso interessanter, dass Kropotkin sowohl in der italienischen Ausgabe von 1904, als auch in der deutschen von 1920 über das Ausbleiben der sozialen Revolution – zumindest wie er sie propagierte – reflektiert. Und auch dahingehend folge ich ihm ganz, dass er ihre Grundtendenz weiterhin bejaht, nicht aber ohne die Bedingungen unter denen revolutionäre Prozesse stattfinden können zu leugnen.

Alles in allem ein wirklich lesenswerte Aufsatzsammlung, die der Herausgeber auch noch mal neu und zeitgemässer übersetzt hat. Weil ich weiss, was solche oft einsame und als wunderlich geltende Arbeit bedeutet freue ich mich sehr, dass Jürgen Mümken darin etwas gefunden hat, was ihm entspricht. Seine Arbeit damit bleibt nicht unverstanden!

Jonathan Eibisch

Peter Kropotkin: Worte eines Rebellen. Verlag Edition AV 2021. 363 Seiten. ca. SFr. 29.00. ISBN: 9783868412543.