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Peter Hudis: Jenseits des Kapitalismus. Kritik und Alternative bei Karl Marx.

Peter Hudis: Jenseits des Kapitalismus. Kritik und Alternative bei Karl Marx. Marx gegen den Strich gelesen

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Sachliteratur

Zur deutschen Ausgabe von Peter Hudis' »Marx's Concept of the Alternative to Capitalism«.

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Datum 26. April 2026
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Kapitalismuskritik und die Frage nach der Alternative sind untrennbar miteinander verbunden. Sie sind die beiden Seiten einer Medaille. Wer sich Armut als Folge von Marktversagen erklärt, sucht nach Alternativen der Marktregulierung. Wer sie als notwendige Folge kapitalistischer Produktionsverhältnisse begreift, stellt den Markt selbst infrage. Jede Alternative zum Kapitalismus ist daher nur so tragfähig wie die ihr zugrunde liegende Erklärung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, zu denen sie eine Alternative sein soll.

Wo die kapitalistischen Verhältnisse nicht in ihren grundlegenden Kategorien begriffen werden, bleibt auch die Vorstellung einer anderen Gesellschaft notwendig unbestimmt oder riskiert, gerade jene Formen zu reproduzieren, die sie überwinden will.

Die umfangreiche Studie von Peter Hudis, die aktuell unter dem Titel Jenseits des Kapitalismus. Kritik und Alternative bei Karl Marx in deutscher Übersetzung bei Red & Black Books erschienen ist, widmet sich genau dieser oft übersehenen Dimension des Marxschen Werkes. Sie folgt dem Zusammenhang von Kritik und Alternative durch die verschiedenen Phasen von Marx' Werk – von den frühen philosophischen Schriften über die Entwürfe zu Das Kapital bis zur Kritik des Gothaer Programms.

Das Buch von Hudis ist in zweierlei Hinsicht wertvoll. Es zeigt, inwiefern Marx' Kritik der politischen Ökonomie über die Analyse der kapitalistischen Gesellschaftsordnung hinausweist und schärft zugleich das Verständnis seiner Kritik. In den Kategorien, mit denen Marx die kapitalistische Produktionsweise bestimmt – Ware, Wert, Geld, Kapital und Lohnarbeit –, werden zugleich die Bedingungen sichtbar, unter denen diese Formen aufgehoben werden können. Die Alternative zum Kapitalismus ergibt sich damit nicht aus normativen Entwürfen oder moralischen Forderungen, sondern aus der begrifflichen Durchdringung der kapitalistischen Verhältnisse.

Hudis liefert keine Blaupause für eine zukünftige Gesellschaft. Er klärt auf über die begrifflichen Voraussetzungen, unter denen eine solche überhaupt sinnvoll gedacht werden kann, sowie über die Illusionen, die dabei notwendig aufzugeben sind. Wer den Kapitalismus aus seinen eigenen Gesetzmässigkeiten erklärt, kann sich weder mit seiner Reform noch mit seiner staatlichen Verwaltung zufriedengeben.
Peter Hudis: Jenseits des Kapitalismus. Kritik und Alternative bei Karl Marx. Red & Black Books 2026. 381 Seiten. ca. 41.00 SFr. ISBN: 978-3982740430.

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