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Gladys Ambort: Wenn die anderen verschwinden sind wir nichts | Untergrund-Blättle

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Buchrezensionen

Gladys Ambort: Wenn die anderen verschwinden sind wir nichts Eindrückliche Einblicke

Sachliteratur

Detailliert und eindringlich schildert Gladys Ambort die Erfahrungen in der Haft unter der Militärjunta in Argentinien.

Gedenkmarsch in Buenos Aires mit Fotos von Verschwundenen zum Anlass des dreissigsten Jahrestages des argentinischen Militärputsches 1976.
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Bild: Gedenkmarsch in Buenos Aires mit Fotos von Verschwundenen zum Anlass des dreissigsten Jahrestages des argentinischen Militärputsches 1976. / Pepe Robles (PD)

21. Januar 2020

21. 01. 2020

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Die durchaus ambitionierte Reihe der Bibliothek des Widerstands des Laika Verlags, herausgegeben von Willi Bear und Karl-Heinz Dellwo, veröffentlicht in lockerer Folge Texte der internationalen Linken seit 1968. Eine ganz besonders lesenswerte Veröffentlichung ist „Wenn die anderen verschwinden sind wir nichts“ von Gladys Ambort.

Gladys Ambort wurde als 17-Jährige im Mai 1975 von der damals in Argentinien nach einem Putsch regierenden Militärjunta wegen ihrer politischen Überzeugungen inhaftiert, zum Teil unter Isolationshaftbedingungen. Jahre später, im Exil in Frankreich, verarbeitet sie ihre persönlichen und politischen Erfahrungen in komprimierter Form, deren juristische Aufarbeitung in ihrem Heimatland erst begonnen hat. Über 30 000 Menschen wurden von den Militärs und Todesschwadronen ermordet, unzählige von ihnen gefoltert, bevor sie auf unterschiedlichste Weise „verschwanden“.

„Das extrem Böse“, wie der argentinische Schriftsteller Osvaldo Bayer in einem Vorwort zu erklären versucht, hat durchaus unterschiedliche Gesichter und ist nicht immer eindeutig einem Lager zu zuordnen. Der Gefängnisalltag, unterbrochen allenfalls von der Willkür der Gefängnisverwaltung abhängigen seltenen Besuchen der Angehörigen und Freunden, ist darüber hinaus durch Zwistigkeiten innerhalb der unterschiedlichen Gruppierungen der politischen Gefangenen und familiären Problemen geprägt (die Autorin selbst gehörte vor ihrer Festnahme einer minoritären Organisation der Linken an). Dennoch, hier erweist sich der lange Zeitraum bis zur Niederschrift als echter Gewinn, liest sich das Buch nicht als bitterböser Blick zurück im Zorn, sondern liefert ein sehr differenziertes Bild der damaligen Verhältnisse.

Auslöser für die Anordnung einer absoluten Isolation konnten Kleinigkeiten, wie etwa das zerkratzen einer Tischplatte werden. Ursache ihrer Verhaftung war übrigens die Denunziation einer Lehrerin über eine Bemerkung welche sie zum Vietnamkrieg gemacht hatte. Sie und ihr Mann wurden daraufhin festgenommen, er allerdings bald wegen fehlender Haftgründe auf Bewährung freigelassen. Seine Besuche in der Haftanstalt werden immer seltener, bis er schliesslich Gladys Ambort gesteht, ein Verhältnis mit deren Schwester eingegangen zu sein.

Die einzige juristische Möglichkeit die noch blieb, ein Bittgesuch auf politisches Asyl im europäischen Ausland wurde schliesslich nach drei Jahren auf Vermittlung des Internationalen Roten Kreuz stattgegeben. Kurz nach ihrer Ankunft in Paris im Februar 1978 sass Ambord neben Simone de Beauvoir und einer Gruppe von engagierten Anwält_innen, die für Menschenrechte kämpften, auf einer Pressekonferenz und sprach über ihre Haftbedingungen in den argentinischen Gefängnissen. Das Buch wurde in der Schweiz zurecht mit dem Preis Femme Exilée, Femme Engagée ausgezeichnet.

Adi Quarti
kritisch-lesen.de

Gladys Ambort: Wenn die anderen verschwinden sind wir nichts. Laika Verlag, Hamburg 2011. 224 Seiten. ca. 24.00 SFr., ISBN 978-3-942281-94-2

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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