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Frank Jacob: Emma Goldman oder: Freiheit um jeden Preis

Frank Jacob: Emma Goldman oder: Freiheit um jeden Preis Freiheit um jeden Preis

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Sachliteratur

Bereits vor zwei Jahren gab Frank Jacob beim Dietz-Verlag in einer Reihe zu biografischen Portraits ein weiteres Büchlein zu Emma Goldmann heraus: Emma Goldman oder: Freiheit um jeden Preis (2023).

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Datum 3. Mai 2026
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Das der überaus produktive Autor in beiden Jahren zuvor Bücher zur wahrscheinlich bekanntesten Anarchistin veröffentlichte, zeigt sein Interesse für die Person und ihre Zeitgeschichte. Tatsächlich ist der Historiker Professor für Globalgeschichte an einer norwegischen Universität. Seiner Einleitung folgen teils bekannte Texte von Goldman wie Anarchismus, wofür er wirklich steht (1911), über Ehe und Liebe (1911) und War mein Leben lebenswert (1934), hin zu unbekannteren Aufsätzen wie Sex als Element des Lebens (o.D.) und Bolschewistische und faschistische Diktatur (o.D.).

In seinem Vorwort beginnt Frank Jacob interessanterweise beim Ende: Den letzten Lebensjahren Goldmans im französischen St. Tropez. Spätestens nachdem ihr Gefährte Alexander Berkman sich das Leben genommen hatte, erschien ihr eigenes – rückblickend – als ein unermüdliches und rastloses „Streben nach Freiheit“. Der Aufstieg des Faschismus, der Verlauf der Russischen Revolution, ihre Deportation aus den USA 1919, ihre meistens prekäre Lebenssituation als Vortragsreisende, Agitatorin und Herausgeberin, sowie mehrere Gefängnisaufenthalte, hatten ihr über die Jahre schwer zugesetzt.

Jacob verwehrt sich der Idealisierung und Romantisierung von Sozial-Revolutionär*innen. Denn der linke Kitsch verstellt den Blick auf das wirkliche, schwierige und unsichere Leben leidenschaftlicher, rebellischer Menschen – auch von Goldman, die es ziemlich sicher dennoch so gewählt hätte. Das Wagnis, sich Autoritäten in den Weg zu stellen, auch in der sozialistischen Bewegung unbequem zu sein und der Mut öffentlich radikale Reden zu halten, dafür ist Goldman bekannt.
Darüber hinaus verband sie Emanzipation wie wenige andere mit ihrem eigenen Begehren, wobei ihr empathischer Zugang zu ihren Mitmenschen, sich mit Härte und eventuell auch einer gewissen Arroganz verband. Mit ihrer Haltung und dem damit verbundenen Auftreten hat sie vermutlich tausende Menschen inspiriert. Da sie in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus war, erscheinen ihre Texte auch heute noch als aktuell und lesenswert. Abschliessend noch ein Auszug aus dem Vorwort von Jacob um einen Leseeindruck zu geben:

„Doch gab es überhaupt eine Hoffnung auf die Revolution und die damit einhergehende, absolute da bedingungslose Freiheit? ‚Wenn ich nicht tanzen kann, ist es keine Revolution für mich!', hatte Goldman einst erklärt. Sie hatte damit unterstreichen wollen, dass eine Revolution nicht nur etwas Politisches, sondern ebenso und gleichermassen bedeutend etwas Emotionales war. Die Freiheit, die es zu erreichen galt, sollte allumfassend sein. Der Anarchistin ging es nicht nur um die Gleichstellung der Geschlechter […]. Sie wollte viel mehr: Sie wollte frei sein und das in vielerlei Hinsicht. Arbeit, Liebe, Sex und Wahlen. Das alles sollte allen Menschen gleichermassen offenstehen.

Die Zwänge einer längst überkommenen Zeit hatten Goldman als freiheitsliebenden Menschen stets eingeengt, die Anarchistin Goldman zur Weissglut getrieben und die Feministin Goldman angeekelt. Sie strebte nach einer Moderne, die ihren Zeitgenoss*innen weit voraus war. So befasste sie sich früh mit Fragen der Gleichberechtigung, der sexuellen Befreiung der Frau und dem Recht auf Abtreibung. Diese sollten sie immer wieder in Konflikt mit dem bestehenden System und dem diesen repräsentierenden Staat bringen“ (12f.)
Frank Jacob: Emma Goldman oder: Freiheit um jeden Preis. Dietz Vlg, Berlin 2023. 160 Seiten. ca. SFr. 22.00. ISBN: 978-3-320-02408-6.

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