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Letzter Halt: Ökosozialismus | Untergrund-Blättle

Buchrezensionen

André Gorz oder der schwierige Sozialismus Letzter Halt: Ökosozialismus

Sachliteratur

Arno Münster legt eine knappe und pointierte Darstellung des Denkens und Lebens von André Gorz vor.

Promenade an der SeineAndré Gorz in Paris, Frankreich.
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Bild: Promenade an der Seine - André Gorz in Paris, Frankreich. / Lionel Allorge (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

15. Dezember 2015

15. Dez. 2015

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„In voraussehbarer Zukunft wird es“, so André Gorz in einem Vortrag 1966, „keine so dramatische Krise des europäischen Kapitalismus geben, dass die Masse der Arbeiter zur Verteidigung ihrer Lebensinteressen zum revolutionären Generalstreik oder zum bewaffneten Aufstand übergeht“ (Gorz 1966, S. 1). Vergegenwärtigt man sich, dass es nur kurze Zeit später in Frankreich im Mai 1968 zum grössten Generalstreik in der Geschichte des Landes kam, macht einen die Bemerkung Arno Münsters, dass Gorz einer der „weitsichtigsten Zeitzeugen“ und „grössten Visionäre unseres Zeitalters“ gewesen sei etwas stutzig (S. 7). Münster bezieht sich mit diesem Urteil in „André Gorz oder der schwierige Sozialismus. Eine Einführung in Leben und Werk“ aber auf anderes:

„Wo stünde heute die Ökologiebewegung in Frankreich und in Deutschland, wenn André Gorz ihr nicht die zentralen Begriffe zur Formulierung und Praktizierung einer politischen Ökologie geliefert hätte, die radikal mit dem Produktivismus und dem globalisierten Kapitalismus brach? Hätte es jemals [!] eine so grosse Bewusstwerdung von den grundlegenden Veränderungen in der Arbeitswelt gegeben, wenn Gorz sie nicht so eindringlich und genau in seinem Buch Critique de la division du travail (1973, dt. Kritik der Arbeitsteilung, 1982) analysiert und beschrieben hätte? Und wäre überhaupt jemals [!] so intensiv über die Rolle der Arbeiterklasse im Kampf für eine ‚bessere Gesellschaft’ nachgedacht worden, wenn Gorz nicht in Adieux au prolétariat (1980, dt. Abschied vom Proletariat, 1981), einem ebenso mutigen wie umstrittenen Buch, den bei der Linken immer noch stark vorhandenen Mythos vom Proletariat (als der Hauptkraft der gesellschaftlichen Transformation) entzaubert hätte? Selbst wenn vielleicht einzelne seiner diesbezüglichen Thesen ‚provozierend’ bzw. ‚exzentrisch’ anmuteten, kann doch niemand ernsthaft bestreiten, dass diese theoretischen Pionierarbeiten einen ganz wesentlichen Beitrag zur (zeitgenössischen) Theorie des Sozialismus, der politischen Ökologie und des Neo-Marxismus geleistet haben.“ (S. 9f; Hervorhebungen im Original)

Dieses enthusiastische Lob darf man wohl als Übertreibung ansehen, die zu Beginn des Textes die Spannung des/der Lesers/in entfachen soll und eine Hommage an den alten Bekannten des Autors ist. Man erahnt jedenfalls schon: Arno Münster ist von Gorz begeistert und bekennt dann auch ganz offen, dass er – der selbst mit Gorz (1923-2007) bekannt war –, als „regelmässiger Leser des Nouvel Observateur und der Temps Modernes“ – den beiden grossen Zeitungen der französischen Linken – schon in den 1960er Jahren „fasziniert von der grossen Qualität“ der Gorz’schen Artikel gewesen sei (S. 7; Hervorhebungen im Original). Darüber hinaus habe Gorz gerade durch die Art und Weise, „wie er die allerhöchste theoretische Reflexion mit grosser Bescheidenheit“ verband, „auf seine spezifische Art und Weise“ den „‚engagierten Intellektuellen’“ verkörpert (S. 8).

Gorz selbst, der erstaunlicherweise mehr in anderen Ländern als in Frankreich rezipiert worden sei (vgl. S. 9), hatte nach Münster „vielleicht viel zu lange im Schatten des grossen Meisters“ Sartres agiert (S. 9), weshalb seine eigenständigen Leistungen lange nicht gebührend wahrgenommen wurden. Sicherlich habe Gorz „lange Zeit seine eigene Rolle als kritischer und engagierter Intellektueller darin gesehen, die wichtigsten Begriffe und philosophischen Motive des Sartre’schen Existenzialismus weiterzuentwickeln“ (S. 21), dabei aber ein „durchaus eigenes und autonomes Werk“ hervorgebracht, das seine „eigene Originalität“ besitze (S. 22).

Die Emanzipation von Sartre auf der „politischen Ebene“ zeigt sich für Münster Anfang der 1970er Jahre, als Gorz den „promaoistischen Kurs von Sartre“ nicht mitmacht (S. 22). Andererseits heisst es später konkretisierend, aber auch Verwirrung stiftend: „Während Sartre die maoistische ‚Gauche Prolétarienne’ (Proletarische Linke) unterstützte, sympathisierte Gorz 1968 eher mit der Bewegung ‚Vive la Révolution’“, die von Münster aber auch als „pro-maoistisch“ bezeichnet wird (S. 73). Man hätte sich an solchen Stellen ein wenig mehr Klarheit erwünscht. Auch wird das Verhältnis von Gorz zum Mai 1968 nicht ganz deutlich. Einerseits werden Differenzen angedeutet: So habe Gorz die „Ereignisse“ des Mai 68 „überwiegend“ als „erfreulich“ eingestuft (S. 58) – was aber lehnte er genau ab? Andererseits wird er dann geradezu „als einer der theoretischen Vorreiter dieser Bewegung“ inszeniert (S. 73) – was mir zumindest neu ist.

Der Mai 1968 und die „dezidiert marxistische Periode“

Es war ein wichtiger Aspekt des Mai gewesen – zumindest in weiten Teilen der Bewegung, wie bei den AkteurInnen des Mouvement du 22 Mars (Cohn-Bendit et cetera) –, dass man sich als „Bewegung“ und „nicht“ als „Partei“ verstand (Gilcher-Holtey 1995, S. 163). Viele KommentatorInnen diagnostizierten aufgrund dieser strategischen Ausrichtung eine regelrechte „Renaissance des Anarchismus“ (Stowasser 2007, S. 442; vgl. auch die interessanten Bemerkungen von Münster S. 54f. zu der Betriebsbesetzung von Lip, 1973). Auf diese Situation, die von Vielen – den Niedergang der ideologischen Vorherrschaft des orthodoxen Marxismus und seines Apparats, der KPF, vor Augen – begrüsst wurde, wobei sich mancher freute, dass die „verdrängte Sehnsucht nach dem Anarcho-Syndikalismus“ nicht ausgemerzt werden konnte (Guérin 1969, S. 141), antwortete Gorz in gewisser Hinsicht recht orthodox:

„Da diese revolutionäre Krise von unorganisierten Bewegungen ausgelöst und durch die von der Studenten- und Arbeiter-Basis ausgehende Initiative zu ihrem Höhepunkt geführt wurde, mag die Versuchung stark sein, nunmehr das Problem der Umwälzung des bürgerlichen Staates in Begriffen des Anarcho-Syndikalismus aufzuwerfen: man könnte sich nämlich auf die Spontaneität der Massen berufen, im Aufstand den Königsweg der Revolution sehen und nicht nur die alten bürokratischen Apparate ausser acht lassen, sondern auch absehen von den notwendigen Aufgaben der Vorbereitung, Planung und politischen Führung, die, wie sich gezeigt hat, diese Apparate aus Unfähigkeit nicht übernehmen konnte. Eine solche Rückkehr zum Anarcho-Syndikalismus, er mag in mancher Hinsicht noch so verlockend erscheinen, wäre aber in der Tat eine intellektuelle und politische Regression; ja mehr noch, sie wäre Ausdruck einer grundlegend falschen Einschätzung der Macht der Bourgeoisie wie auch des revolutionären Prozesses, der den Sturz eben dieser Bourgeoisie herbeiführen und die Arbeiterklasse an die Macht bringen soll. Im Mai 1968 wurde die Machtfrage gestellt, und sie muss ebenso auf der Tagesordnung bleiben wie die Frage nach dem Werkzeug zur Machtübernahme, d.h. nach einer neuen revolutionären Partei.“ (Gorz 1968, S. 81f)

Falsch wäre es allerdings, daraus den Rückschluss zu ziehen, dass Gorz in seiner „dezidiert marxistischen Periode“ von 1964-1970 (S. 84) einen Marxismus vertreten hat, wie ihn die KPF repräsentierte.

Münsters Rede von „einem anti-dogmatischen, von jeglicher Orthodoxie und jeglichem Stalinismus gereinigten Marxismus“ (S. 9; Hervorhebung im Original) hat dagegen – lässt man sich von Superlativen („jeglicher Orthodoxie“) nicht beeindrucken – einiges für sich. Und Münster meint dann auch:

„Es besteht nicht der geringste Zweifel daran, dass André Gorz (neben Cornelius Castoriadis und Claude Lefort) zu jenen Intellektuellen gehört, die schon sehr früh jegliche Illusion über diese staatlich-bürokratische Verzerrung verloren hatten, dessen typischste Verkörperung sicherlich das Russland unter Stalin war.“ (S. 87)

Nichtsdestoweniger zeigt die unmittelbare Antwort von Gorz auf die Mai-Ereignisse, dass es etwas unscharf ist, wenn Münster meint, Gorz habe „aus dem Scheitern der Mai-Revolte 1968“ so radikale Lehren gezogen, dass er sogar schliesslich „seinen ursprünglich marxistischen Ansatz“ überwand (S. 30). Denn erst einmal reagierte er (und nicht nur er) auf das „Scheitern“ des Mai mit einem im Grunde orthodox-marxistischen Reflex: die Partei hat gefehlt!

Der „philosophisch-politische Kurswechsel“

Gorz’ „philosophisch-politische[n] Kurswechsel“, der in einer „eindeutigen und entschiedenen Hinwendung zur politischen Ökologie“ bestanden habe, „deren Haupttheoretiker er bald werden wird“ (S. 23), datiert Münster auf das Jahr 1970. Charakterisiert wird Gorz’ „originelle(.) Position“ als „zugleich innerhalb und ausserhalb des Marxismus des 20. Jahrhunderts situiert“ (S. 33) und als eine solche, die auch an die „nicht-dogmatischen Tendenzen im gegenwärtigen Neomarxismus, des libertären Sozialismus und des Sozialismus der Arbeiterselbstverwaltung“ angeknüpft hätte (S. 34). In diesem Zusammenhang spricht Münster vom „Projekt der Entmystifizierung einiger Dogmen des orthodoxen und des zeitgenössischen Marxismus“, welche „in der Tat das Haupthindernis für die konkrete Analyse“ gewesen seien (S. 35). Mit solchen Ansätzen war Gorz jedenfalls nicht allein. So erklärte beispielsweise Foucault in einem Interview im September 1972:

„Mir obliegt die Analyse der historischen Wirklichkeit. Der erste Vorwurf, den ich also diesen Marxisten mache, die ich ‚kraftlos’ nenne, ist das Misstrauen, das sie dem historischen Material, der historischen Wirklichkeit entgegenbringen, mit der sie es zu tun haben, und ihre grenzenlose Ehrfurcht vor dem Text [von Marx; Anm. P.K.], was sie notwendig an die akademische Tradition der Textauslegung fesselt. (…) Mein zweiter Vorwurf ist eng damit verbunden. Er betrifft die Geschichte. Ich glaube, dass auch dort einige Marxisten, nicht unbedingt alle, dermassen mit dem Kanon, mit den Regeln beschäftigt sind, die sie von Marx’ Texten abzuleiten glaubten, dass sie nicht in der Lage sind, eine wirkliche historische Analyse durchzuführen.“ (Foucault 1972, 507f)

Und die Verbindung zwischen einem solchen „Projekt der Entmystifizierung“, gekoppelt an die Hinwendung zu einem „Ökosozialismus“ (S. 34; Hervorhebung im Original) hätte zum Beispiel einen Vergleich mit dem Libertären Murray Bookchin nahe gelegt, der im ganzen Essay allerdings mit keinem Wort erwähnt wird. Ähnlichkeiten sind hier aber nicht zu übersehen. Wenn Münster beispielsweise meint, „dass die ökologische Revolution, zu deren Anwalt und Sprecher“ Gorz sich gemacht habe, „eine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Revolution impliziert“ (S. 64; Hervorhebung im Original) so erklärte auch Bookchin: „Wenn die Ökologiebewegung nicht das Problem der Herrschaft mit all ihren Aspekten aufgreift, wird sie nichts dazu beitragen, um die grundlegenden Ursachen der ökologischen Krise zu beseitigen.“ (Bookchin zitiert nach.: Cantzen 1987, S. 211)

Anstatt dann (vielleicht zu Recht) zu kritisieren, dass „Gorz’ visionäre Kraft und seine mutige Entmystifizierung gewisser marxistischer Dogmen“ zwar „Bewunderung“ verdiene, aber auch ein „gewisses Defizit an Differenzierung“ in der Auseinandersetzung zu beklagen sei (S. 53), scheint mir vor allem fraglich, dass es Gorz’ „unbestrittenes Verdienst“ sei, „als erster den Mut gehabt zu haben, diese Grenzen [des Marxismus; Anm. P.K.] zu überschreiten“ (S. 42).

Teil seiner „Wende zum Öko-Sozialismus“ (S. 58) sei es jedenfalls auch gewesen, dass Gorz „nun bewusst auf den früheren Begriff der Partei als dem ‚geringeren Übel’ verzichtet und nun all seine Hoffnungen auf eine neue, basisorientierte sozialistische und ökologische Strategie der Überwindung des Kapitalismus“ gesetzt habe (S. 59). Aber wie lässt sich das wiederum mit dem Vorwurf an die reformerische Linke vermitteln, diese zeichne eine „viel zu grosse Schüchternheit bei der staatlichen Lenkung des Kapitalismus“ (S. 76) aus? Und wie mit Gorz’ Versuch einer Zusammenarbeit mit der Sozialistischen Partei, um hier seine Ideen umzusetzen, die – als „konkrete Utopie“ – eine neue Gesellschaft, die „auf der freiwillige[n] Selbstorganisation der Produzenten“ basieren soll, abzielte (S. 97; Hervorhebung im Original)? Der Staatstheoretiker Joachim Hirsch hat in Bezug auf Gorz deshalb wohl nicht zu Unrecht angemerkt, dass bei diesem „noch ein gewisser politischer Traditionalismus wirksam zu sein“ scheint, der sich darin kundtue, dass Gorz „noch recht stark auf die grünen Parteien“ gesetzt habe (Hirsch 2010).

Was bleibt zu tun?

Im letzten Abschnitt des Bändchens skizziert Münster unter der Überschrift „Zur Kritik der Wissensökonomie“ (S. 103), die „von Gorz zu Beginn des 21. Jahrhunderts eingeführten theoretischen Neuerungen“: die „Analyse der Transformation des formalisierten Wissens in ‚immatrielles Kapital’“ (S. 103). Hiervon ausgehend sind für Gorz die „wichtigste[n] Kategorien“ des gegenwärtigen Kapitalismus wie „Arbeit, Wert und Kapital“ neu zu bestimmen (S. 103). Der „Wissenskapitalismus“ (S. 104) sei darüber hinaus aufgrund seiner immanenten Dynamik (vgl. S. 106) und den von ihm produzierten „embryonalen Formen einer ‚anderen Gesellschaft’“ (S.110) – vor allem durch Formen eines „Anarcho-Kommunismus der Freien Software“ (Gorz zitiert nach S. 111) – „die Krise des Kapitalismus selbst“ (Gorz zitiert nach S. 104; Hervorhebung im Original). Und damit erweist sich Gorz zu guter Letzt doch wieder als durchaus orthodox: Die historische Notwendigkeit muss es richten. Orthodox ist dabei vor allem die Entmündigung der Vergangenheit, etwas vorsichtiger der Blick in die Zukunft:

„Ich behaupte nicht, dass diese radikalen Veränderungen Wirklichkeit werden. Ich sage nur, dass wir zum ersten Mal hoffen dürfen, dass sie Wirklichkeit werden. Die Mittel dazu existieren, ebenso wie die Menschen, die sich ihrer methodisch widmen.“ (Gorz zitiert nach S. 124; vgl. 33)

Hat „uns“ aber „die Logik des Kapitals“ an die „Schwelle der Befreiung“ geführt (S. 33) oder nicht vielmehr immer tiefer hinein in die Unerbittlichkeit (nicht nur) des „Fantasiedefizit[s]“, das auch Gorz auf Seiten der Linken beklagte (vgl. S. 76)? Oder sind diese Fragen letztlich belanglos, weil der Sozialismus „zu allen Zeiten möglich“ sei, „wenn eine genügende Zahl Menschen ihn will“ (Landauer 1911, S. 66); dass folglich in diesem Sinn zu Handeln ist – ohne historische Rückversicherungen?

„Aber muss man denn an die Erfüllung dessen glauben, wofür man kämpft? Ist es denn nötig, hoffnungsfreudig zu sein, um tapfer zu sein? Muss man das Ergebnis seines Schaffens erleben wollen, um zu schaffen? Das meine ich, soll uns dieser Moment der Erinnerung an Bakunin lehren, dieses Eine: Man hat entweder einen obersten Trieb oder man hat ihn nicht. In wem der Trieb, volle ganze Menschenkultur zu schaffen, grösser ist als die Lust an persönlichem Wohlergehen, als die Trägheit und Bequemlichkeit, der wird diesen Trieb über sein Leben bestimmen und walten lassen, was auch der Verstand und die Beobachtung der jetzt lebenden Menschen dazu sagen mag.“ (Landauer 1901, S. 169; Hervorhebung im Original)

Lassen wir den „Trieb“ und den Pathos beiseite und fokussieren mit André Gorz abschliessend aufs Wesentliche:

„Die Freiheit wollen, als oberstes Ziel und höchsten Wert, ist also nicht eine einfache Sache: Das ist die endlose Arbeit der Befreiung, durch die der Freiseiende sich erst frei macht oder zumindest zu machen sucht.“ (Gorz 1983, S. 101; Hervorhebung im Original)

Fazit

Ein wesentlich besserer Kenner des Gorz’schen Werkes als ich es bin, betont in seiner Rezension von „ André Gorz oder der schwierige Sozialismus“, dass es Münster gelingt dieses „kurz und prägnant“ zu referieren (Walther 2011). Mir bleibt da nichts weiter übrig, als diesem Urteil zu vertrauen, da ich selbst nur sehr wenig von Gorz gelesen habe. Und ich muss sagen, dass ich nach der Lektüre dieser durchaus gut lesbar geschriebenen Einführungsskizze auch nicht das brennende Verlangen bekommen habe, dies zu ändern. Die unglaubliche Originalität von Gorz, wie sie Münster ab und an beschwört, konnte ich jedenfalls entweder nicht erkennen, oder sie bezog sich möglicherweise auf Themen und Fragestellungen, die meine Aufmerksamkeit nicht zu fesseln vermochten. Letzteres heisst natürlich weder, dass die Fragen, noch dass der Autor uninteressant ist – noch, dass damit ein Grund gegeben ist, diesen Essay nicht zur Kenntnis zu nehmen. Schön jedenfalls, wenn man Bekannte hat, die sich – wenngleich in bisweilen übersteigerter Euphorie – um ein würdiges Gedenken bemühen.

Philippe Kellermann / kritisch-lesen.de

Arno Münster: André Gorz oder der schwierige Sozialismus. Rotpunktverlag, Zürich. 127 Seiten, ca. 12.00 SFr ISBN: 978-3-85869-461-4.

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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