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Klaus Oberrauner: Morendo | Untergrund-Blättle

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Klaus Oberrauner: Morendo Das Mädchen mit der Möwe

Belletristik

Abbazia im Fin-de-Siècle. Ana, die Tochter des Kurarztes, ist spurlos verschwunden.

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Foto: Ausschnitt vom Buchcover.

3. Juni 2020
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Der biedere Ermittler Fürst Ferdinand Broschenberg aus Wien wird an den düsteren, nebeligen, altösterreichischen Kurort geschickt, um der Sache auf den Grund zu gehen: düster, skurril, geheimnisvoll.

Das romaneske Début von Klaus Oberrauner entführt in eine komplexe Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ausgangspunkt ist das mondäne kaiserliche Kurbad Abbazia. Die Idée Fixe: „Das Mädchen mit der Möwe“ - Ein Bildnis, angeregt vom Wahrzeichen des heutigen Opatija, das in der idyllischen Kvarnerbucht liegt. Dahinter wuchert das Schicksal eines fiktiven Mädchens, das in den Fängen eines uneinsichtigen patriarchalen Umfelds zu zerschellen droht. Ein leiser Lichtblick: Hofoperndirektor Gustav Mahler, prominenter Patient im Haus ihres Vaters, erkennt ihre musische Veranlagung. Zunehmend flüchtet sie sich in ihr Tagebuch. Eines Tages ist sie nicht mehr da. Und dieses Tagebuch ist alles, was nach ihrem mysteriösen Verschwinden bleibt. Fürst Broschenberg, der sich beharrlich in den Fall verbeisst, grübelt.

Als die Rätsel nicht kleiner werden, passiert ein Mord an Anas Verlobtem.

Niemand konnte ahnen, dass Ana nach Paris verschleppt wurde. Dort macht sie sich als „kokette Minou“ einen Namen als erotischer Schaufang auf einer verruchten Variétébühne. In den phantastischen und schauerromantischen Wirren der pulsierenden Stadt, durchzogen von Männermorden im Zeichen einer melancholischen Nocturne.

Die Leser erleben fesselnde Untiefen zwischenmenschlicher Abgründe.

Zum Titel

In einer bedrohlichen Zeit des Irrtums und der Gefühlszerrissenheit reflektiert „Morendo“ mit historischen Bezügen auf vielerlei Weise das Verstummen, Verklingen, Leiserwerden von Hoffnungen, Epochen, Musiken und Menschenleben. Der musikalische Ausdruck bedeutet, entsprechend markierte Stellen in einem Stück ersterbend zu spielen.

Zum Autor

Geboren in Villach, Absolvent der Musik- und Tanzwissenschaft in Salzburg sowie der Kunst- und Kulturvermittlung in Wien. Erfahrungsstationen bei Rundfunk, Zeitung und Theater in Österreich und Deutschland. Zunächst Redakteur für eine österreichische Tageszeitung, danach für ein Wirtschafts- und Kulturmagazin sowie Mitgestalter von Fernsehdokumentationen (ORF III). Verfasst vor allem Beiträge aus dem Kulturbereich für diverse Print- und Onlinemedien sowie regelmässig Konzerteinführungen. Schreibend widmet er sich vor allem der kleinen literarischen Form mit Kurzprosa und Gedichten, aber auch Romaneskem im historischen Kontext. Lebt derzeit in Wien.

pm

Klaus Oberrauner: Morendo. Das Mädchen mit der Möwe. Memoiren-Verlag Bauschke 2020. 204 Seiten, ca. 25.00 SFr. ISBN 978-3-903303-19-5

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