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Andreas Böhm: Teuflische Schatten | Untergrund-Blättle

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Die Rache der Mara Salvatrucha Andreas Böhm: Teuflische Schatten

Belletristik

Teuflische Schatten erzählt die dramatische Geschichte zweier mutiger Frauen in Guatemala. Die oftmals leider immer noch prekäre Menschenrechtssituation in Mittelamerika ist ebenso Gegenstand seiner Geschichte.

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Bild: Buchcover von Teuflische Schatten.

21. April 2013
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Auf ihrer Suche nach Glück und Liebe geraten sie in den Strudel der Gewalt, die von einer der gewalttätigsten Jugendbanden dieser Welt ausgeht, der Mara Salvatrucha.

Diese Bande breitet sich seit Jahren einem Krebsgeschwürgleich von den USA bis nach Mittelamerika aus. Ritualmorde, Erpressungen und Raubüberfälle sind ihre Markenzeichen. Die junge Sandra verliebt sich in Tino, ein Mitglied der Bande, und verbringt mehrere Jahre an seiner Seite, dem Tod oft näher als dem Leben.

Ihre Mutter María Bernarda stemmt sich schon früh gegen diese Beziehung, denn sie ahnt die Bedrohung für ihre gesamte Familie. Sie arbeitet mit der Polizei zusammen und nimmt sogar aktiv an Gerichtsverfahrengegen Bandenmitglieder teil. Ihren Mut muss sie im Jahr 2007 mit dem Lebenbezahlen. Für Sandra ist dies der Scheidepunkt, an dem sie ihr jahrelanges Schweigen aufgibt und endgültig mit der Mara Salvatrucha bricht. Sie sagt gegen die Mörder ihrer Mutter aus, obwohl sie weiss, dass sie damit selbst zur Zielscheibe wird.

Noch heute schwebt die mögliche Rache der Mara Salvatrucha wie ein böser Schatten über ihrem Leben. Basierend auf zahlreichen Interviews, die der Autor Andreas Böhm mit Sandra López geführt hat, führt dieser biografische Bericht nach Guatemala, in ein Land, das heute unter einer der weltweit höchsten Kriminalitätsraten leidet. Der Leser erfährt vom tragischen Schicksal einer Familie, das stellvertretend ist für ungezählte andere in Mittel- und Südamerika.

Buchpräsentation von Roland Bangerter

Sandra, geboren 1982, hat ihre Lebensgeschichte dem Schweizer Journalisten Andreas Böhm anvertraut. Böhm hat sie über einen längeren Zeitraum mehrmals in ihrem Heimatort Palencia, nicht weit von Guatemala Stadt, besucht und Kassettenaufnahmen gemacht. Meisterlich, welch ein Buch daraus entstanden ist.

Mit Geschwistern, Cousins und Cousinen wächst Sandra als ältestes Kind von María Bernarda in einer der Hütten auf dem Grundstück der Grosseltern auf. Sandras Mutter und Grossmutter sind resolute Frauen, die wissen, wo es lang geht. Oft fliegen auch die Fetzen und Fäuste und ihre Sprache ist nichts für feine Ohren... Mit dem neuen Stiefvater verschlechtern sich die familiären Verhältnisse zunehmend: Alkohol und Gewalt stehen einem bescheidenen Familienglück im Weg. Das traditionell so wichtige Fest für ein Mädchen in Guatemala, der 15. Geburtstag, endet für Sandra in einem Fiasko.

Wie ihre Mutter sucht auch Sandra die grosse Liebe und findet Tino, einen fast gleichaltrigen Jungen, mit dem Bandenspitznamen Deli – Delinquent – weil er schon früh Bekanntschaft mit dem Gefängnis gemacht hat. Sandra zieht zu ihm und landet in der Höhle des Löwen, denn der Ableger der in Guatemala berüchtigten und äusserst gewaltbereiten Jugendbande Mara Salvatrucha hat ihren Treffpunkt in Palencia gleich um die Ecke.

Die Mara breitet sich seit Jahren einem Krebsgeschwür gleich von den USA bis nach Mittelamerika aus. Ritualmorde, Erpressungen und Raub-überfälle sind ihre Markenzeichen. Sandra schwankt zwischen ihrer Liebe und der zunehmenden Einsicht in die fatale Realität. Die Ereignisse überstürzen sich. Bis Sandra mit der Mara bricht, ist ihre Mutter, die resolut gegen die Mara gekämpft hat, tot. Einige Bandenmitglieder ebenfalls. Mitten drin in all dem aufwühlenden Geschehen liest man ein Protokoll des Denkens und Fühlens der handelnden Personen.

Als Aussteigerin wird Sandra verfolgt und bedroht, noch heute schwebt die mögliche Rache ihrer früheren Weggefährten wie ein teuflischer Schatten über ihrem Leben. Was an diesem Buch besticht, ist die Innenansicht aus dem delinquenten Milieu der mittelamerikanischen Jugendbanden. Wie perspektivlose Jugendliche in einer zerrütteten Gesellschaft in Kriminalität und Gewalt hineinwachsen, wie evangelikale Kirchen als Zuflucht und Rettungsanker fungieren, die Unfähigkeit aber auch Machtlosigkeit staatlicher Institutionen wie Polizei und Justiz. "Der Alptraum, das war das Leben selbst" - kaum etwas könnte diese Realität prägnanter fassen…

hv

Andreas Böhm: Teuflische Schatten. Roman. Horlemann Verlag, Berlin 2011. 296 S., ca. 24 Fr., ISBN 978-3895023170

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