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Flüchtlingswelle aus Afrika - Die Flucht vor den Wirkungen des Kapitalismus ist verboten!

Seit Monaten wird man von den freien Medien mit Informationen über halbverhungerte Bootsflüchtlinge oder gleich als totes Strandgut an den südlichen Rändern der EU - an den Küsten der Kanarischen Inseln oder Lampedusas und - ankommende Afrikaner versorgt. In der Tageszeitung Die Presse vom 4.9.2006 etwa erfährt man zu diesem Thema folgendes: „Machtlose Regierung´ - „Die kanarische Regionalregierung, der spanische Staat wie auch die EU stehen dem Flüchtlungsansturm auf den Kanaren sowie auf das italienische Lampedusa zunehmend hilflos gegenüber. Alle Schritte, mit denen man bisher versuchte, die illegalen Einwanderer von ihrer Flucht nach Europa abzuhalten, blieben erfolglos. Weder die elektronische Radarmauer auf dem Atlantik, noch die verstärkten Patrouillenfahrten der spanischen Küstenwache oder Ankündi-gungen von Massen-Abschiebungen können die Flüchtlinge abschrecken. An die 100.000 Afrikaner sollen derzeit entlang der Küste auf eine Gelegenheit zur Überfahrt warten.“(Die Presse, 4.9.2006) Vorstellen soll man sich riesige Flüchtlingsmassen die auf Europa zukommen - Flüchtlinge, die es schon geschafft haben nach Europa zu kommen, Flüchtlinge die an den Küsten Afrikas auf eine Fluchtgelegenheit warten und schliesslich die, die noch kommen würden, wenn nichts gegen diesen Ansturm auf Europa unternommen würde. Wenn 100.000 Afrikaner auf eine Gelegenheit zur Überfahrt nach Europa warten, dann spricht das für verantwortungsvolle europäische Politiker und demokratische Öffentlichkeit nicht Bände darüber, wie desaströs die politökonomischen Zustände in Mauretanien, Senegal, Guinea usw. sein müssen, wenn Menschen lieber eine lebensgefährliche Flucht riskieren, als dort zu bleiben, wo ihre Freunde und Verwandten leben. Die dortigen Lebensverhältnisse lassen ihnen - wollen sie selbst eine Chance haben zu überleben und ihre Familien zu ernähren - offenbar keine Alternative offen als eine Flucht. Genau um dieses Problem der Bevölkerung Afrikas geht es Presse und Politik aber nicht! Die Frage, woher sie denn kommt, diese immense Zahl an ausweglosen Armen, interessiert sie nämlich schon einmal nicht. Als ob dies alles völlig selbstverständlich wäre, wird deren Zustand zwar wahrgenommen ohne aber einen weiteren Gedanken darauf zu verschwenden, welche gesellschaftlichen Zwecke denn weltweit ein derartiges, schier unendliches Heer an Armen hervorbringt, von denen viele in einer Flucht - trotz der Gefahren für Leib und Leben - den einzigen Ausweg aus ihrer persönlichen Misere sehen. Wer braucht in ihren Augen Hilfe? Nicht diese Elendskreaturen! Wahrnehmen soll man nicht deren existentielle Bedrohung. Nicht sie sind das Objekt der Sorge, bedroht ist die EU und zwar ausgerechnet durch diese Elendsgestalten. All das angesichts der - gemessen an der Bevölkerungszahl Europas - eigentlich geringen Zahl von 20.000 Flüchtlingen, die es heuer bisher nach Europa geschafft haben. Allen Ernstes soll man sich mit der Frage beschäftigen, wie sich die EU - über Radarmauern und immer höhere und tödlichere Sperrzäune hinaus - noch besser als bisher gegen diese Armen vor den Toren Europas - schützen könnte. Die Sorge soll damit ausgerechnet dem Staatengebilde gelten, das Dank seiner wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu den Staaten Afrikas für den Zustand in den Fluchstaaten mit verantwortlich zeichnet! Folgende Punkte werden in der Sendung besprochen: • Vom Recht und der Pflicht der Inländer, sich in einer bestimmten Weltgegend aufzuhalten; • Was ist vom Recht auf Asyl zu halten? • Vom Recht eines Ausländers, sich als Migrant ausserhalb seiner Heimat aufzuhalten; • Die imperialistische Problemdefinition: Es gibt zu viele Menschen auf der Welt - für den Kapitalismus!

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Autor: Gegenargumente - www.gegenargumente.at

Datum: 26.09.2006

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