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Hilfskonzept für Opfer der Colonia Dignidad atmet den Geist vergangener Jahrzehnte

Ein Jahr ist es her, dass der deutsche Bundestag die Bundesregierung einstimmig zur „Aufarbeitung der Verbrechen in der Colonia Dignidad“ aufgefordert hat. 1961 hatte der Sektenchef Paul Schäfer und seine Führungsgruppe die sogenannte „Kolonie der Würde“ im Süden Chiles gegründet.

Seitdem lebten dort um die 300 Bewohnerinnen und Bewohner vier Jahrzehnte lang hinter Stacheldraht und Zäunen.
Sklaverei und systematische Vergewaltigungen der Sektenmitglieder gehörten genauso zum Alltag wie Zwangsadoption von chilenischen Kindern. Während der chilenischen Militärdiktatur ab 1973 folterte und mordete der chilenische Geheimdienst DINA Oppositionelle in der Colonia Dignidad – unter Mithilfe der Sektenführung.

Der bundesdeutschen Botschaft und Regierung lagen Berichte über die Verhältnisse in der Colonia Dignidad vor. Sie haben nichts unternommen, um dagegen einzuschreiten. 2016 schliesslich bekannte sich der damalige Aussenminister Steinmeier selbstkritisch zu einer moralischen Mitverantwortung der deutschen Regierung. Gut ein Jahr später forderten Parlamentarier aller Fraktionen politische und juristische Aufklärung des Geschehenen. Zusammen mit dem chilenischen Staat soll ein Gedenkort eingerichtet werden. Und die Opfer der Sekte sollen Hilfsleistungen erhalten. Dazu hat das Auswärtige Amt Anfang Juli einen Entwurf vorgelegt. Die Reaktionen in Chile und Deutschland sind heftig.

Mehr dazu und auch zu Protesten in Krefeld vor dem Haus von Ex-Sektenarzt Hartmut Hopp hört Ihr im folgenden Beitrag:

Autor: Ute Löhning

Radio: npla Datum: 21.07.2018

Länge: 10:54 min. Bitrate: 128 kbit/s

Auflösung: Mono (44100 kHz)