Gedanken zur hedonistischen Gesellschaftsform Soma-Höhlen, Erlebnisparks und Konsumpf-Zombies
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Ein neues Kapitel darf geschrieben werden in der Geschichte der nimmersattwerdenden Konsumstrafgefangenen. Sie sind ganz einfach nicht zu befriedigen, die entarteten Coca-Cola-Köpfe.

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Mikko J. Putkonen Foto: PD
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geblendet, schreien sie immer nach mehr, um doch irgendwann auch noch das
Gefühl von kurzweiliger Entspannung und Zufriedenheit geniessen zu dürfen. Und dabei geben sich die Geschäftsstrünze doch wirklich alle Mühe,
vernachlässigen den Lebenspartner, Familie und Innenleben, nur um das
ungebremsten Nachholbedürfnis der Teigmasse einigermassen befriedigen
zu
können mit immer kniffligeren Reizangeboten.
Laserdroms haben sie gebaut, Cyberias und riesige Spielhallen, ausgerüstet
mit modernsten Technologien, Restaurants Discos, Bars und Kifferschuppen
haben wir schon in unübersehbarer, Anzahl.
Stripteasetänzerinnen
und
Chippendales geben ihr Letztes in der schweisstreibenden, ungemütlichen
Hitze der Scheinwerferlichte. Und dies alles nur für die gesunde
Marktwirtschaft und deren hirntote Arbeitssklaven. Bedürfnisse, von
skrupellosen Werbestrategen künstlich erweckt, müssen gestillt werden. Die
innere Leere der Konsumvampire muss und will aufgefüllt werden, mit Cinémax
und Bungee Jumping, immer schnelleren Turbomordmobilen und Harley
Davidson-Brummer, Open Air-Kinos und Videotheken, Konzerte, Festivals und
Megaraves.
Zufriedengestellt wollen sie werden, den Lohn empfangen für die geleistete
Arbeit. Geld alleine ist wertlos, da muss das Angebot natürlich schon
stimmen. Aber keine Sorge, es wird ganz bestimmt nicht an Ideen und
Phantasien fehlen, in den kommenden Jahrzenten, um Möglichkeiten zu finden,
damit der Krüppler seinen Zapfen verlochen kann.
Bis anhin war jedoch
das
Angebot auf reinhauen und zuknallen beschränkt. Doch lauschet aufmerksam
der frohen Botschaft, die euch und eure Tristesse beglücken wird. Der
Trend
liegt voll auf der Erlebnislinie. Vorbei sind die Zeiten, wo unsereins sich
in den Beizen zu Tode langweilen musste, weil nichts abgeht, ausser dem
Bierpegel, der fällt. Nein, solche grausamen Alpträume und erschreckende
Szenarien gehören endgültig der Vergangenheit an.
Wir alle dürfen jetzt mitmachen und uns beteiligen an der gigantischen
Show. Heutzutage darf der sabbernde Stammkunde endlich auch der Servierdüse
dezent an das Fötzchen greifen, gegen einen kleinen Aufpreis natürlich.
In
vielen Lokalen werden solche Damen extra für den sexhungrigen Arbeiterfrust
engagiert, zum fummeln, greifen und betatschen. Ran an die Säcke, endlich
darf erlebt werden, die Finger auf Entdeckungsreisen geschickt.
Der Kunde
soll nicht weiter ausgegrenzt werden beim Unterhaltungsprogramm, nein, er
soll mittendrin stehen, im Mittelpunkt, für gutes Geld$ ein Teil der
Show
sein. Berühren erlaubt. Reanimation der schon totgeglaubten Konsumpf-
Zombies also. Welch ein Fortschritt.
Falls noch Unklarheiten bestehen sollten über die neuen Möglichkeiten
des
Zeitvertreibs, hier noch einige Beispiele. Rudelbumsen auf der Tanzfläche,
Dark Rooms (jeder mit jedem ohne was zu erkennen), spontane Strips von
ausgehungerten Vamps, Catch-Darbietungen und Tittenshows sind nicht nur in
Rimini zur Alltäglichkeit geworden.
Die Menschen schreien nach Hardcore.
Im
Ugly, wo sich die Möchtegern-Schicki-Micki-Szene trifft, kann neuerdings
ein Flirt-Partner stundenweise gemietet werden. Mit diesem, als Sklaven
verkleidetem Nütterich, darf der Kunde dann anstellen was er will.
Eventuell benötigte Séparés stehen zur Verfügung.
Momentan sind
Männerstrips für Frauen angesagt im Ugly (hässlich), die männlichen
Gäste
dürfen erst ab Mitternacht rein ins Paradies, dafür werden sie dort
von
einer aufgegeilten Horde Damen empfangen, die für den Rest der Nacht
nur
noch an das Eine denken.
Und am linken Zürichseeufer wird soeben ein
Zwillingsschuppen der altbekannten Soma-Höhle Anker eröffnet. Dort
wird dem
grösstenteils jüngeren Publikum so ziemlich alles geboten, was sich
ein
randvoll zugekiffter Pubertätspickel auch nur ausmalen kann.
Unterhaltung
bis zum umfliegen. Soma. Koma. Der Gast befindet sich im Garten Edens, wo
die Gesetze noch vom Geld gemacht werden und das Angebot an Zerstreuung
Schallmauern durchbrochen hat. Die konsumfreudige Wohlstandsgesellschaft
amüsiert sich zu tode, das steht ausser Frage.
Wer dabei nicht mittun
will,
der soll doch zu Hause versauern, selber schuld, wo doch soviel läuft,
die
ganze Zeit. Fleissig Geld ausgeben, schlafen gehen, wiedersehen usw. usw.


