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Zur Situation auf dem Markt Medien, Konzerne und Zensur

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Wer ab und zu mal einen Blick tätigt in die Hochglanzprodukte der grossen Medienunternehmen, dem wird sicherlich schon aufgefallen sein, dass man sich beim Durchblättern des Informationendschungels immer wieder mit aggressiven, doppelseitigen Inseraten der führenden Grosskonzerne konfrontiert sieht.

CocaColaWeihnachtstruck in Utrecht.
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Bild: Coca-Cola-Weihnachtstruck in Utrecht. / Husky (CC BY-SA 3.0 cropped)

7. Dezember 1995

7. Dez. 1995

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Das Verhältnis von geschriebenem Text zur Werbung liegt ungefähr bei 40:60. Dabei ist auffällig, dass die kapitalkräftigen Multis innerhalb einer Woche in fast allen der grossen Hochglanzzeitschriften mit ihren gewaltigen Kaufaufforderungen vertreten sind.

Zu diesen Magazinen gehören: Spiegel, Facts, Focus, News, Max, Brigitte, Schweizer Illustrierte und vieles mehr.

All diese teuren und aufwendigen Luxusprodukte könnten unmöglich auf dem Markt bestehen, wenn sie nicht die Kapitalkraft der Konzerne als Grundbasis im Rücken hätten. Warum aber investieren diese Grossunternehmen astronomische Summen in die Werbung der Zeitschriftenbranche? Zumal diese Omnipräsenz in TV und Druckmedien gar nicht mehr dem Zweck, die Kauflust zu fördern, entsprechen kann.

Vielmehr geht es hier wohl um Machtpräsentation und die Bezahlung von Schweigegeld Herausgeber und Redaktoren, nichts anderes als Sklaven und Speichellecker der Herrschenden. Nichts gegen die Autoindustrie, nichts gegen Medikamente, Geldwaschaffären etc.

Nur durch Inserate, für die ein Konzern monatlich Millionen zum Fenster rauswirft können all die Hochglanzprodukte überleben. Sobald eine Zeitschrift die autorisierte Zone, die von den Bonzen gesteckt ist, überschreitet, erfährt diese einen Inseraterückgang.

So geschehen anno dazumal beim Tages-Anzeiger, als diese nach Meinung des Auto-Magnaten Emil Frey(SVP-Heinrich) allzu autofeindliche Berichte veröffentlichte und die Autoindustrie die TA-Medien mit einem Inserate-Boykott belegte. Natürlich lenkten die TA-Menschen dann ein und jetzt vertragen sie sich wieder. Geld und Macht schweisst zusammen. Oder was momentan läuft bei dem satirisch-ironischem Nebelspalter, der unter der Leitung von Iwan Raschle einen radikaleren Kurs eingeschlagen hat.

Die Inserate blieben aus,viele Abonennten lösten das Abo auf, da kritische Worte bekanntlich schwerer zu verdauen sind als das Wochenhoroskop. Auch in diesem Fall haben die Herrschenden (Konzerne und Politiker) gesiegt und einen Querdenker und Aufständischen beseitigt. Dem Chefredaktor wurde aus wirtschaftlichen Gründen auf Ende Jahr gekündigt. Und in Deutschland ist soeben ein Prozess, der gegen das Satiremagazin Titanic gerichtet war, zu Ende gegangen.

Der ehemalige SPD-Parteivorsitzende Björn Engholm hat die Zeitschrift auf Schadenersatz verklagt, da er sich durch eine gelungene Fotomontage des Titanic pikiert fühlte.

Dem Pseudosozialisten Engholm, der die Fronten gewechselt hat und nun als Berater beim Energiekonzern Preussen Elektra arbeitet, wurde vor Gericht in zweiter Instanz eine Summe von 40'000 DM zugesprochen. Das Titanic befindet sich nun in argen Finanznöten. Die Herren von den Verwaltungsräten in den Konzernen sitzen nicht selten im Regierungsparlament, und wenn nicht, so ist man versucht, die profitträchtigen Kontakte zu hegen und zu pflegen.

Die Gesetze machen die Menschen, die sich auf's Geld verdienen prächtig verstehen, und so hat der Mensch oder die Natur in der heutigen Politik meistens das Nachsehen, da Profit und Rendite die einzigen Werte und Massstäbe der Politiker und Manager sind.

Verfilzung von Wirtschaft und Politik nennt sich sowas. Doch zurück zu den Medien, Medien bilden Meinungen und machen Politik. Am einfachsten zu ersehen ist das bei dem Beispiel von Blick oder Bild, die ganz klar mitverantwortlich sind an psychischen (Ausgrenzung, Nichtbeachtung) und physischen (Brandanschläge, Schusswaffenangriffe, Körperverletzung)Übergriffen gegen sozial randständige Menschen (Junkies, Arbeitslose), und Leute ausländischer Herkunft.

Aber nicht nur die Ringier und Springer Presse ist verantwortlich für Zensur, Hetze, Monopolisierung und Verblödung, sondern auch die TA-Medien oder die bürgerliche Presse wie NZZ oder auch die kleinen lokalen Nachrichtenblätter sorgen dafür, dass die Reichen noch reicher werden und so immer mehr die Möglichkeit haben, uns mit ihrer aufdringlichen Konsumanimationen das Leben zu versauen.

Voll eingeschlagen haben auch die Lifestyle-Magazine für junge Menschen, wie Max, Ernst, Wiener oder Tempo, die zusammen mit den Klatschheftlis wie Bunte oder Glücks Post dazu beitragen, den Mensch dumm und desinteressiert zu halten, indem man sie mit leerer Berichterstattung über Sex, Autos, Szenenscheiss oder Schönheit ablenkt und so den Arbeitsmenschen in seinem Trott gefangen hält.

Eine weitere, krasse Form der Zensur ist das Nichtveröffentlichen oder das absichtliche Zurückbehalten von Informationen. Zuerst werden die Nachrichten, die die Medienriesen gegen Bezahlung von den Presseagenturen (SDA, DPA, AP, Reuter) erhalten, aussortiert, Danach werden die Infos noch einmal ausgewählt und umgeschrieben von den zuständigen Redaktoren.

SBV, CS, Contraves, Mercedes-Benz, Nestlé, Migros, Coop, Swisscom, Novartis, Syngenta etc. etc. usw. sorgen mit ausgefeilten Kontrolltechniken für Meinungskontrolle, Hirnfickerei, Propaganda, und die Erhaltung der bestehenden, herrschenden Ordnung. Gemeinsam beuten sie einen Grossteil der Völker aus, bestechen Diktatoren und Machthabern in Drittweltländer, um das Land mit den Bodenschätzen und den Menschen mit Hilfe des örtlichen Militärregime auszusaugen.

Imperialismus ist nichts anderes, als die verdeckte Ausbeutung von Nationen mit Hilfe von Geld, der UNO, des IWF und der Weltbank. Verarmung und Hungersnöte sind die Folgen davon. Vielen ist das heute bewusst, aber keiner spricht oder schreibt darüber; davon, dass wir so reich sind und dass es uns so gut geht, nur weil andere Menschen leiden und sterben müssen.

Boykottiert die Massenmedien und die multinationalen Konzerne! Unterstützt die alternative Presse und die diversen Kleinproduktionsbetriebe!



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