Es ist viel zu früh zu spät Jugend zwischen Wohlstand und Ausbruch
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Da ist vielleicht irgendwo eine gesetzliche Verpflichtung, die zur Gehorsamkeit zwingt, aber es gibt keine moralische Verbindlichkeit zur Gehorsamkeit.

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Homertturm des SGV auf der Homert in Lüdenscheid. Foto: Frank Vincentz (CC BY-SA 3.0 cropped)
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14 Milliarden. Die Ernährung von all diesen Lebewesen wird dann nicht
mehr
gewährleistet sein.
Schon heute sterben in Folge der ungerechten Verteilung
der Lebensmittel jährlich Millionen von Menschen einen qualvollen Hungertod
(In der USA und Westeuropa kämpft die Hälfte der Bevölkerung
mit Übergewichtsproblemen). Die Mutter Erde ist durch das unvernünftige
Konsumverhalten aus dem Gleichgewicht geworfen worden. Sie kränkelt,
darbt
vor sich hin, liegt kurz vor dem ökologischen Kollaps.
Nichts wird mehr
so
sein, wie es einmal war. Milliarden werden sterben müssen, damit einige
wenige irgendwie noch was zu Essen finden. Die Natur wird sich in einen
langen Winterschlaf zurückziehen und abwarten.
Es gibt noch ein paar wenige Flecken auf dieser Erde(CH,D,USA..), wo es
sich noch einigermassen leben lässt, was heissen will, dass es dort noch
genügend Lebensmittel und Trinkwasser gibt und die Menschen können,
dürfen
oder müssen dort noch arbeiten, da die Wirtschaft noch halbwegs intakt
zu
sein scheint. Mensch gibt Geld aus, darf sich amüsieren.
In den ehemaligen Ostblockländer sieht da die Realität der Jugendlichen
schon wieder ganz anders aus. In St. Petersburg zum Beispiel liegt die
Selbstmordrate der jungen Menschen in unvergleichbarer Höhe. An der Armut
und Notdurft der Bevölkerung hat sich seit der wirtschaftlichen Öffnung
vor
fünf Jahren nicht viel verändert, dafür sind jetzt aber im
Zentrum der
Stadt die Kaufrauschpaläste voll von diesen Glitter- und Glimmerprodukten.
Die Schaufenster, prächtig geschmückt und bestückt mit Plastikprodukten
und
Luxusartikeln aus dem Überflussrepertoire der westlichen Dekadenz, springen
die leidgeprüften Russen auf eine aufdringliche, aggressive Art auf der
Strasse an. Und jedem Sprössling wird so auf diese unerträgliche
Art und
Weise täglich vor Augen geführt, was für tolle Sachen es doch
zu kaufen
gäbe, wenn man das dafür notwendige Geld aufbringen könnte.
Das Leben wird
zur Qual, weil gewisse Bedürfnisse, künstlich erweckt von skrupellosen
Werbestrategen westlicher Konzerne, nicht befriedigt werden können. Keine
Arbeit und keine Zukunft. Zehnjärige Kinder die ohne Hoffnung auf bessere
Zeiten
in den Strassen rumhängen, dem Alkohol oder anderen Drogen verfallen.
Sie
bringen sich um, weil da keine Perspektive ist. Sackgasse.
Und bei uns im heimeligen Schweizer Ländle haben wir all das, was sich
Viele auf dieser Welt wünschen, aber nicht haben können. Da hier
unsere
Grundbedürfnisse abgedeckt sind und wir auch ansonsten materiell voll
befriedigt sind, sehnen wir uns viel mehr nach menschlicher Wärme,
Zuneigung, Bestätigung durch Andere und der eigenen Selbstverwirklichung. Der einstmals hochgelobte bürgerliche Individualismus ist im zwanzigstan
Jahrhundert verkommen zum billigen Ego-Trip-Fetischismus. Diesen
Individualismustrend sorgte unter anderem dafür, dass bei uns ein Klima
der
einsamen, isolierten Seelen entstanden ist, unter denen Viele schon an dem
befürchteten Symptom der geistigen Verarmung leiden. So müssen sich
die
zärtlichkeitsbedürftigen Schweizer und Schweizerinnen bedauernswerterweise
noch mehr mit dem Konsum von unnötigen Produkten vertrösten.
Tragischerweise steckt das Bewusstsein, das es auf Dauer nicht so
weitergehen kann, in jedem von uns tief verborgen, auch wenn das
verständlicherweise nicht jeder wahrhaben möchte. Die älteren
Generationen
versuchen naturgemäss, ihren Lebensabend noch so angenehm wie nur möglich
zu gestalten.
Sie haben ihr Leben gelebt - und uns einen Scherbenhaufen
zurückgelassen. Mit dreissig sind sie gestorben und mit siebzig werden
sie
begraben. Die ewige Suche nach der Lust (Konsumpf), hat uns
mitleidbedürftigen Kreaturen, die frisch auf diesen Planeten geworfen
wurden, nichts gebracht, ausser Frust (Autod).
Leider gibt es keine direkte, offene Aufforderung von Seiten der
Gesellschaft, das Leben anders anzupacken, als dies die Mehrheit tut.
Im
Gegenteil, mit Sprüchen wie "Aufschwung beginnt im Kopf", versucht
die
herrschende Elite die jungen Sprösslinge zu motivieren, einzusteigen
und
mitzudenken, für uns alle.
Und doch hat es sie mal gegeben, die Querdenker und Revoluzzer, die ihre
unbequemen Forderungen und Ermahnungen auf die Strasse trugen. Sie waren
unzufrieden und besorgt über unser aller Schicksal, und das unangenehme
daran war, dass sie bereit waren zu kämpfen, auf der Strasse oder sonstwo,
für ihre Träume und Ideale.
Aber eben, die Hippies hängen nun,
Gott sei
dank, nicht mehr auf der Strasse, sondern in ihren Einfamilienhäuschen,
die
Freaks der 80er Jahren haben sich glücklicherweise zu Tode gespritzt
und
die letzten paar übriggebliebenen Unzufriedenen haben sich frustriert
und
resigniert in ihren kleinen Mietwohnungen verkrochen.
Sie alle, die uns schon immer ein nur noch schlechteres Gewissen einreden
wollten, und uns so die lustige, unbekümmerte Stimmung versauten, wurden
ersetzt, ja fast schon überrollt. Früher waren da noch die Räumungspanzer
und Wasserwerfer der Bullen notwendig, heute erledigen das unsere Brüder
mit ihren fröhlichen Umzugswagen an der Streetparade.
Kreischend und
johlend wie die Spiesser an der Fastnacht ziehen sie durch die Gassen von
Zürich, wo einstmals noch wahrhaftige Männer und Frauen mit Steinen
und
Mollis in den Händen gegen die herrschende Ordnung ankämpften.
Heute
beschmutzen die vergnügungssüchtigen Tekknofreaks mit ihren verstaubten
Ecstasyköpfen das Pflaster von Zürich. Womit haben wir das verdient,
diese
Geisteshaltung des ewigen Lächelns und des fortgeschrittenen Glücks?
Es geht mir gut, wirst Du vielleicht einwenden, was will ich mehr? Ich habe
alles, was ich brauche und noch vieles mehr. Ist das alles? Bist Du kein
Träumer, hast Du keine Wünsche?
Mein Problem ist, dass ich mir Sorgen mache, ja richtiggehend Angst habe
vor einer Jugend, die nicht mehr weiss, was sie will. Keine Träume, kein
Leben. Uns allen wurde von Anfang an eingetrichtert, dass das Glück des
Lebens darin besteht, materielle Güter anzuschaffen um damit glücklich
zu
werden.
Ein Gameboy für die ersten Tränen, ein Mountainbike/Snowboard
gegen
den Frust in der Schule (oder als Belohnung), ein eigener Fernseher mit
Video, damit wir uns von den Eltern widerstandslos zurechtweisen lassen und
ihre Befehle respektvoll entgegennehmen, ein neues Auto für den
Alltagsanschiss im Büro und ein bisschen Schokolade für unser gefühlkrankes
Innenleben.
Der Papa, der Lehrer oder der Chef wird schon wissen, was am
besten für mich ist. Ja keine Eigenverantwortung übernehmen, keine
Entscheide treffen, nur Befehle entgegennehmen, wie uns das in der Schule
und Lehre beigebracht wurde. Wir lauschen den Anweisungen und gehorchen
brav. Die Jugend, der Spiegel unserer Gesellschaft. Wieso schaut keiner rein?
Warum will keiner die Warnzeichen des grossen Sturms erkennen und
reagieren? Und wir fahren jeden Morgen, von Dübendorf nach Horgen, und
machen uns keine Sorgen. Wir verhalten uns wie eine träge Herde von Kühen,
die ein Gewitter herannahen sieht, und trotzdem weiter ihr Gras frisst, um
es sich vor dem Elend noch möglichst gut ergehen zu lassen. Nach uns
die
Sintflut.
Es gehört doch auch immer zum Aufgabenbereich des heranwachsenden
Nachwuchses, die bestehende Situation zu analysieren und nach alternativen
und Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Es muss weitergehen, es wird
weitergehen, aber wie? Es ist viel zu früh zu spät. Und mit den
Jahren
verändert man sich... und das was ist, kann zu dem werden, was man will.
Deshalb muss hier und jetzt und heute etwas getan werden, nicht morgen oder
irgendwann. Direkte Aktionen sind gefragt. Die Zukunft liegt in unseren
Händen. Tut was. Rettet die Welt, oder zumindest Euch selber.


