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Über die Ursprünge und Wurzeln der Blood & Honour Bewegung Blood & Honour - Pogo für Adolf Hitler

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Der Skinhead, der gerade an Dir vorbeilief trug ein «Blood & Honour»-T-Shirt. Und Du fragst Dich. What the fuck is Blood & Honour?

Demonstration von Blood & HonourAktivisten in Den Haag, Juni 2011.
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Bild: Demonstration von Blood & Honour-Aktivisten in Den Haag, Juni 2011. / Wouter Engler (CC BY-SA 4.0 cropped)

17. Dezember 2001

17. 12. 2001

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In der Romandie, Gretzenbach SO, im Kanton Thurgau, in Wiedlisbach SE und anderswo feierten jeweils mehrere 100 Skins aus der Schweiz und den umliegenden Nachbarländern Nazirockparties mit Bands aus Europa und den USA. In der Schweiz gibt es mindestens zwei bis drei B&H-Sektionen (Postfächer in Niederdorf BL und in Lausanne, sowie der «Volkssturm Unterland» in Winkel bei Bülach ZH).

Die Romandie-Hammerskins (bei deren Führern schon tonnenweise Nazirock-CDs beschlagnahmt wurden) sind gerüchteweise zu Blood & Honour übergetreten. Höchste Zeit also, sich ein bisschen über die B&H-Bewegung zu informieren.

Das Berliner Antifaschistische lnfoblatt hat recherchiert und in der Ausgabe (Nr. 49) einen langen Artikel über B&H publiziert. Im Folgenden ein Auszug daraus.

Die Ursprünge des Blood & Honour Netzes (B&H) gehen bis in das Jahr 1979 zurück, als die englische Neonazipartei National Front (NF) als Reaktion auf die steigenden Aktivitäten der antifaschistischen Rock Against Racism-Bewegung zur Gründung von Rock Against Communism (RAC) aufrief und hierfür die zu dieser Zeit führende Neonaziband Englands, die Gruppe Skrewdriver um lan Stuart Donaldson, gewinnen konnte.

Die Zusammenarbeit zwischen der NF und Aktivisten der englischen Naziskinhead-Szene führte 1984 zur Gründung des «White Noise Clubs», einem Netzwerk von Bands, Konzertveranstaltern und Politfunktionären, welches den neonazistischen Musikgruppen die Möglichkeit eröffnete, professioneller als zuvor Platten zu produzieren und Konzerte zu veranstalten. Nachdem sich ein Teil der dort aktiven Naziskinheads von der NF finanziell betrogen fühlte, spalteten sich diese vom WNC ab und gründeten Blood & Honour. Uneingeschränkter Führer war lan Stuart Donaldson.

Blood & Honour war der entfesselte WNC und wuchs zu einer politischen Organisation, wenn auch (zunächst noch) ohne feste Mitgliedschaften. «Musik ist das ideale Mittel, jugendlichen den Nationalsozialismus näherzubringen», umschrieb Donaldson das politische Credo «seiner» Organisation, und B&H wurde zu einem bedeutenden Umschlagplatz neonazistischer Ideologie und Propaganda. Stilmittel war die Skinheadkultur, Transportmittel die Musik.

Ab Ende der 80er, Anfang der 90er-Jahre wurde Blood & Honour schliesslich auch in anderen europäischen Ländern sowie in Nordamerika populär. Als Donaldson 1993 bei einem Autounfall ums Leben kam, entbrannte ein Machtkampf bei Blood & Honour, ausgelöst von der britischen Neonazitruppe Combat 18 (C 18), der es mit Gewalt und Intrigen gelang, die Führung an sich zu reissen.

Unter dem Einfluss von C 18 wurde Blood & Honour mehr und mehr zum kulturellen Ableger, zum Deckmantel und zur Finanzierungsquelle einer terroristischen Neonazigruppe, die in der Folgezeit nicht einmal davor zurückschreckte, Kritiker sowie Konkurrenten auf dem lukrativen Markt der Neonazi-Rockmusik zu ermorden oder durch Briefbomben einzuschüchtern.

Blood & Honour in Deutschland

Die ersten spürbaren Akzente von Blood and Honour in Deutschland wurden 1991 gesetzt. Die Stuttgarter Naziskinhead-Bande «Kreuzritter für Deutschland» knüpfte direkte Kontakte zur britischen B&H-«Kultband» Skrewdriver, baute unter dem Namen Skrewdriver-Service den Vertrieb derer Bandprodukte im deutschsprachigen Raum auf und organisierte mehrere Konzerte und Tourneen britischer B&H-Bands.

Die Liaison mündete im Projekt German-British-Friendship (GBF), welches den Austausch zwischen den Bands beider Länder organisierte und auch gemeinsame Tonträger produzierte.

GBF-Records, geleitet von Steffen Hammer, dem Sänger der Band «Noie Werte», steht heute für eines der führenden Labels und Versandunternehmen im süddeutschen Raum. Zum Geldverdienen sahen sich die britischen lkonen zu dieser Zeit jedoch anderweitig um. Führende

Blood & Honour-Bands wie Skrewdriver unterzeichneten lukrative Verträge mit dem deutschen Label Rock-O-Rama, dem zu dieser Zeit weltweiten Hauptproduzenten von Rechtsrock, wodurch ihre Platten und CDs in grosse Vertriebssysteme gelangten.

Über die Organisierung der Konzerte mit britischen Bands entstanden weitere Kontakte, vor allem auch in die neuen Bundesländer. Am Rande eines Skrewdriver- und Noie Werte-Konzertes 1991 in Brandenburg fand ein Treffen zwischen Donaldson und Denis Mahon, einem früheren Leiter der White Knights of the Ku-Klux-Klan aus den USA statt, welches die Initialzündung zur Schaffung einer deutschen Klan-Sektion werden sollte.

Die Naziskinhead-Bande um den Herausgeber des Heftes United Skins, Carsten Szczepanski (welcher im Jahre 2000 als V-Mann der Verfassungsschutzabteilung des Innenministeriums des Landes Brandenburg enttarnt wurde), zeigte reges Interesse an der Idee; die deutsche Klan-Sektion blieb jedoch eine mediale Inszenierung.

Szczepanski indes arbeitete nun verstärkt mit GBF zusammen und produzierte 1993 gemeinsam mit Noie Werte eine Solidaritätsplatte für die unter staatlichen Druck geratene deutsche Nazimusik-Szene.

Als in der Folgezeit der Streit um den britischen Combat 18 auch nach Deutschland getragen wurde, war er eifrigster Fürsprecher der britischen Neonazi-Terrorgruppe. Obgleich 1995 wegen Anstiftung zum Mord an einem Angolaner zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt, gelingt es Szczepanski mit Hilfe seiner Kameraden bis zum heutigen Tag, United Skins weiterzuführen. Als Anschrift dient ihm die langjährige Postanschrift von C18 in London. Seit 1990 unterhielten Neonazis der Berliner GdNF-Organisation Nationale Alternative (NA) enge Verbindungen nach Skandinavien.

Sie nahmen an Wehrsportübungen in Schweden und Dänemark teil und luden ihre Gastgeberlnnen zum paramilitärischen Training nach Deutschland ein, Ihre Kontaktorganisationen waren der schwedische Vitt Arisk Motstand (VAM) und die dänische Danmarks National Socialistiske Bevaegelse (DNSB), die in ihren Ländern die Vernetzung innerhalb der militanten Naziskinheadszene bereits erfolgreich praktizierten. Vor allem die DNSB und der mit ihr assoziierte Versand NS 88 entwickelte sich in den Folgejahren immer mehr zum Ableger der dänischen Blood & Honour-Division

1993 richtete dann Blood & Honour Deutschland ein «Hauptquartier» in Dänemark ein und firmierte unter der Anschrift der Nationalen Liste (NL) in Hamburg. Als GdNF-Kerngruppe war die NL eine der tragenden Säulen im internationalen Netzwerk der NSDAP/AO und diente hier als Verbindung zu NS-Auslandsgruppen in Skandinavien, vor allem zur DNSB- Parallel hierzu baute der damalige FAP-Funktionär Torsten Heise Verbindungen zu C18 auf, die zu der Zeit bemüht waren, die Kontrolle über B&H in England zu erlangen. Heise profilierte sich nachfolgend in der Organisation mehrerer B&H-Konzerte in Norddeutschland.

Zu dieser Zeit existierte B&H als ein eher informeller Zusammenschluss von bewährten Szene-Aktivisten, die damals schon im Ruf standen, zu den «Härtesten» zu zählen und die vor allem durch die professionelle Organisierung von Konzerten ein Gütesiegel in der Szene plazierten. Ab 1994 wurde dem ein festerer Rahmen gegeben und in Berlin die deutsche Muttersektion gegründet.

Diese stand und steht unter der Leitung «ostdeutscher» Skins, wodurch sich B&H die Türen in die neuen Bundesländer weiter öffneten. Der Tod Donaldsons 1993 und die nach folgende Streitereien um dessen Erbe lähmten für einige Zeit auch in Deutschland die weitere Entwicklung, ab 1995/96 jedoch gelang es B&H, sich zu konsolidieren und nachfolgend zu expandieren.

Der Geschäftsbetrieb Blood & Honour

Während sich das kulturelle Engagement beispielsweise des Hochglanz-Rechtsrock Magazines "Rock Nord" eher daran orientiert, einen legalistischen, leicht konsumierbaren Mainstream-Rechtsrock zu etablieren und zu vermarkten, ist es Aufgabe von B&H, radikale politische Akzente zu setzen sowie den «grauen» und illegalen Markt zu bedienen.

Aufgrund der (gerade bezüglich der Paragraphen der Volksverhetzung und der Verbreitung von verfassungsfeindlicher Propaganda) im europäischen Vergleich rigiden deutschen Gesetzgebung muss ständig an Systemen gefeilt werden, Produktionen und Vertriebe ins Ausland zu verlagern sowie die Einfuhr und den Handel über sogenannte «Ameisenstrassen» zu organisieren.

Blood & Honour kam von Anfang an zu Gute, über einen gewachsenen Kreis von erfahrenen Leuten im In- und Ausland zurückgreifen zu können.

Vor allem die enge Anbindung an die GdNF-Strukturen verschaffte ihnen einen wesentlichen Vorteil sie konnten sich eines bereits bestehenden Netzwerkes bedienen, welches bislang die Einfuhr und die Verbreitung illegaler NS-Propaganda von den USA, Schweden und Dänemark nach Deutschland organisierte.

Über diese ständig weiterentwickelte «Versorgungslinie Nord», als dessen heutige Schnittstellen u.a. Blood & Honour Scandinavia (unter deren Namen der NS 88-Versand seit 3 1. März 1999 fungiert) und Jens-Uwe Arpe (der zeitweise in Schweden wohnhafte Sänger der Neonaziband Kraftschlag), genannt werden müssen, lief zum Beispiel 1998 die Herstellung und Verbreitung der CD «Rock gegen oben» der Berliner Band Landser.

Aufgenommen in einem Berliner Tonstudio, wurde die CD in den USA gepresst, über Skandinavien nach Deutschland geschafft und vom Hamburger Raum aus verteilt, wobei feste Kontingente in die verschiedenen Regionen gingen. Organisiert wurde die Verteilung von Torben Klebe, als Führungsperson von B&H und bei den Hamburger Freien Nationalisten gleichermassen aktiv.

Weichen Umfang die illegalen CD-Geschäfte annehmen, lässt eine Razzia im Oktober 1997 erahnen, als in den Räumen des Ladengeschäftes No Mercy Records in Kiel, welche offensichtlich als Zwischenlager dienten, 31’000 CDs mit neonazistischem Inhalt aus dem Versandhandel von NS 88 beschlagnahmt wurden. Inwieweit NS 88 bzw. dessen Betreiber, Marcel Schilf, ein in Brandenburg geborener dänischer Staatsbürger, in das Geschäft mit über 200’000 dort ebenfalls sichergestellten Raubpressungen involviert war, blieb unklar.

Hergestellt wurden die CDs, so die Polizei, vor allem in Skandinavien und Osteuropa. Gerade die östlichen Nachbarländer Polen, Tschechien, Slowakei und vermutlich auch Ungarn, - wo eine starke B&H-Szene mit guten Verbindungen nach Deutschland existiert - sind Bestandteile einer bedeutenden «Versorgungslinie Ost».

Dies meint die kostengünstige und von den jeweiligen Staaten kaum verfolgte Fertigung von CD's, die - teils in Reservereifen versteckt - eingeschmuggelt, in den angrenzenden deutschen Bundesländern zwischengelagert und dann über die «Ameisenstrassen» gehandelt werden. Im Rahmen einer Razzia gegen den wichtigsten deutschen B&H-Vertrieb Nibelungen-Versand in Lingen (Emsland), der eine einjährige Observation vorausging, hob die Polizei im November 1998 ein Erddepot bei Stralsund aus und fand ca. 5’000 überwiegend indizierte CDs.

Ein beim NS 88-Versand aufgefundener Frachtbrief vom 30. März 1998 verweist auf eine Lieferung von über 2’000 CDs, die vom Prager Flughafen an eine Adresse in Schweden geschickt wurden und von dort aus ganz offensichtlich an NS 88 weitergeleitet wurden. Kostenpunkt: Knapp 1’000 Mark, nicht einmal 50 Pfennige pro CD.

Bei diesen Geschäften wie auch bei der Durchführung von Konzerten, für die um die 30 Mark Eintritt gezahlt werden muss, bleiben auf dem Papier satte Gewinne.

Die dafür benötigte Logistik jedoch kostet Geld - in den Ameisenstrassen gibt es eine Reihe von Mitverdienerlnnen, Beschlagnahmungen, Geldstrafen, Anwaltskosten, etc. müssen ebenso abgerechnet werden, zudem lebt ein Teil der Blood & Honour-Aktivistinnen hauptsächlich von diesen Geschäften und pflegt einen nicht gerade bescheidenen Lebensstandard. Für getätigte oder geplante Geldanlagen in Immobilien, wie zum Beispiel beim schwedischen B&H-Netzwerk erkennbar, gibt es erste Anzeichen.

Das Netzwerk von Blood & Honour

Die Durchführung von Grosskonzerten ist nach wie vor eines der Standbeine von Blood and Honour und besonders darin zeigt sich der Grad der Organisierung.

Den Veranstalterlnnen gelingt es häufig, Räume unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen (so beispielsweise als Geburtstagsfeier) anzumieten und über ein ausgeklügeltes Mobilisierungs- und Schleusungssystem bis zu 2’000 Personen an polizeilichen Verboten vorbei zu den Konzertorten zu manövrieren. Mobiltelefone, das Internet sowie die Bereitschaft der Besucherlnnen, zu einem 100 Kilometer entfernten Ausweichort weiterzureisen, machen dies möglich.

Diese Struktur fliesst mehr und mehr in die Organisierung neonazistischer Aufmärsche ein, was für Neonazigruppen ein weiterer Grund für die Intensivierung der Zusammenarbeit mit B&H sein dürfte.

Das Geflecht der 100 Bands, der Merchandising-Vertriebe, der kleineren und grösseren Versände und Dutzender von Skinzines zu entwirren und die einzelnen Unternehmen bestimmten Strukturen zuzuordnen, scheint ein aussichtsloses Unterfangen.

Die Bands, Labels, Versände und Skinzines benennen sich um, fusionieren, lösen sich auf, GeschäftspartnerInnen zerstreiten sich, neue Verbindungen entstehen.

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