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Über Geld, Liebe und Gott Der Glaube an Ideen

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Einen Gott gibt es nicht. Gott ist nur eine Idee, eine Vorstellung, weiter nichts. In Wirklichkeit gibt es keinen Gott. Und der Glaube an einen Gott ist reine Einbildung, der Glaube an eine Idee, also Ideologie.

Канопус Киля
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Bild: Канопус Киля / PD

25. März 1998

25. Mär. 1998

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Die Vorstellung eines Gottes geht auf das Geld zurück, das zur selben Zeit entstanden ist wie sein ideeller Reflex, der einzige, monotheistische Gott. Und das erste Geld, das erste Handelsobjekt in der Geschichte des Patriarchats, ist die Frau. D. h. der gesichtslose Gott, der immer nur von hinten gesehen wird, ist eine umgedrehte Frau, die Frau des Matriarchats.

Deshalb ist auch die erste Stellung im Geschlechtsakt von Mann und Frau die ad recta. Gläubige Menschen sind deshalb auch, wie Sigmund Freud richtig gesehen hat, anale Zwangscharaktere, und Religion ein System illusionärer Vorstellungen.

Die Liebe, die der bekanntlich homosexuelle Jesus gepredigt hat, ist ein überhöhter Liebesbegriff, der den wirklichen sexuellen Bedürfnissen von Mann und Frau nicht gerecht wird.

Tatsächlich ist die (christliche) Liebe - und eine andere kennen wir nicht - ein Übertragungsphänomen, d. h. eine Sache von Projektion und Verinnerlichung, so wie die bürgerliche Gesellschaft einen Zwangszusammenhang von Projektion und Verinnerlichung darstellt, also letztlich eine Illusion. Materialistisch gesehen wäre Liebe aktiver und passiver Genuss.

So heiratet ein Mann eine Frau nur, um bequem etwas zu ficken zu haben, egal, welche illusionären Vorstellungen beide sich über sich und den je anderen machen sollten. Liebe ist die zum Gefühl verinnerlichte Geldform, kann also als ein Naturgesetz nur ihrer Form nach verändert werden.

Liebe müsste zum Lieben, ihrer praktischen Seite werden, statt bloss, wie bei den meisten Frauen, passiv erlitten zu werden. Dabei ist die Liebe ein männlicher Begriff, den insbesondere Frauen am nachhaltigsten verinnerlicht haben.

Das Geld ist das Ding an sich, das nach Immanuel Kant aller unserer Erfahrung vorgängig sein soll. Wir betrachten nicht nur die Lebensmittel, die wir konsumieren, unter dem Aspekt des Geldes, sondern auch die Begriffe (verdinglichte Vorstellungen), mit denen wir uns verständigen (und auch ein Mann eine Frau und vice versa, wenn sie geschlechtlich miteinander verkehren wollen).

Das Geld ist das auf ein blosses reduzierte Gefühl, das Marx Wert nennt. D. h. genauer: Das Geld ist das verinnerlichte, d. h. verdinglichte weibliche Geschlecht. Sein Symbol ist der wahre, darum falsche Gott des Patriarchats: der Phallus.

Emanzipation der Frau heisst deshalb auch unter anderem, das die Frau sich von ihrer Geldrolle, die sie in unseren Gesellschaften objektiv spielt, befreit, und sich ihrer eigenen sexuellen Bedürfnisse bewusst wird, und diese aktiv in das Verhältnis zu Männern (oder Frauen) einbringt, wodurch sich der Idealismus der gesellschaftlichen Verhältnisse in materialistische auflösen würde. Die Abschaffung des Kapitalismus und seiner Illusionen ist deshalb auch die des Geldes.

Walter G. Neumann

Der Autor: Dr. Walter G. Neumann, geb. 1947 in Hildesheim, Studium der Philosophie- und Sozialwissenschaften in Frankfurt/Main und Hannover, Promotion 1986 in Osnabrück, lebt als Schriftsteller und Verleger in Hannover.

Literatur: W.G. N., Glauben heisst nicht Wissen (1995); Marx. Freud. Die Frau und das Geld. Ökonomie und Liebe (1996); Kritik der herrschenden Vernunft (1997); Die Kommentare I-III (1997/8); Theorie und Praxis (1998)

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