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Versandzentren in Ländern mit geringerem Arbeitnehmerschutz So beutet Amazon rechtlose Menschen aus

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Mit Leiharbeitern hält das Versandhaus Amazon seine Kosten tief. Ein Film zeigt, was Menschen dem US-Unternehmen wert sind.

Buchladen von Amazon in Portland, USA.
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Bild: Buchladen von Amazon in Portland, USA. / Steve Morgan (CC BY-SA 4.0 cropped)

6. September 2013

06. 09. 2013

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Zum Schutz der Arbeitnehmenden gibt es in zivilisierten Staaten Gesetze. Meist sind wenigstens die maximal erlaubten Arbeitsstunden pro Tag und Woche festgeschrieben und wie viele Wochen Ferien mindestens gegeben werden müssen. Aber auch Kündigungsfristen und andere Punkte der sozialen Sicherheit werden oft festgehalten. Vielerorts gibt es auch das ausdrückliche Recht auf Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, damit die Arbeitnehmer jemanden haben, der ihnen hilft, wenn die ihnen zustehenden Rechte vom Arbeitgeber nicht eingehalten werden.

Globale Konzerne versuchen auszuweichen

Transnationale Grosskonzerne, deren Ziel ausschliesslich der Profit für Manager und Aktionäre ist, mögen solche Regelungen zum Schutz der Arbeitnehmer allerdings nicht. Sie suchen bewusst nach Auswegen, nach anderen Möglichkeiten, menschliche Arbeitskraft, soweit nicht durch Maschinen ersetzbar, zu Tiefstpreisen einzukaufen. Die bekannteste Methode ist, Produktionsstätten in Niedriglohn-Länder auszulagern. Doch das ist nicht immer möglich, weil gewisse Arbeiten, speziell im Dienstleistungsbereich, in den Ländern vor Ort ausgeführt werden müssen. In diesen Fällen gibt es eine andere Methode, den Preis für die Arbeitskraft zu drücken. Sie ist gegenwärtig massiv im Zunehmen: Die Firmen stellen ihre Mitarbeitenden gar nicht selber an, sondern leihen sie bei Job-Ausleihfirmen aus. Die dortigen Arbeitsverträge sind anderen Gesetzen unterstellt, die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind deutlich weniger gut geschützt.

Ein im echten Sinne des Wortes widerliches Beispiel ist der Versandhandelskonzern Amazon. Er kann seinen weltweiten Online-Handel nicht zeitgerecht von einem Land aus betreiben; er braucht regionale Versandzentren. In Deutschland hat sich der Hessische Rundfunk vor einiger Zeit erlaubt, die Arbeitsbedingungen der dortigen Leiharbeiterinnen und -arbeiter näher unter die Lupe zu nehmen – bzw. zu filmen. Es lohnt sich, diesen Film in ganzer Länge anzusehen.

Die zunehmende Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Amazon in Deutschland hat nun dazu geführt, dass Amazon beschlossen hat, eigene Versandzentren in angrenzenden Ländern mit geringerem Arbeitnehmerschutz aufzubauen, so etwa in Prag und Brno in der Tschechischen Republik. (Etliche ehemalige Ostblock-Staaten haben in den letzten Jahren nicht nur den Sozialismus, sondern auch die soziale Verantwortung liquidiert.) Hier in Tschechien zum Beispiel wurden vor ein paar Tagen grossmäulig 10'000 neue Arbeitsplätze angekündigt, 4000 ständige und 6000 saisonale. Auch in Tschechien schaut man sich deswegen in diesen Tagen mit besonderem Interesse den brisanten ARD-Film an.

(Kleiner Nachtrag: Anfang Dezember hat das Dorf Dobroviz in der Nähe des Prager Flughafens die Ansiedlung eines Amazon-Distributionscenters klar abgelehnt.)

(Nachtrag 2 vom 18.9.2014: Mit viel Geld und korrupten Politikern lässt sich auch eine grossmehrheitlich gefällte Bürger-Entscheidung überwinden. Amazon kann in Dobroviz jetzt doch bauen.)

Wie aber können globale Milliarden-Konzerne gezwungen werden, menschenwürdige Arbeitsplätze zu schaffen? Es gibt wohl nur eine Möglichkeit: durch bewussteres Auswählen der Produkte beim Einkaufen.

Christian Müller / Infosperber

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