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Steuersitz in der Schweiz Shell entzieht Milliarden über CH-Steuerparadies

Wirtschaft

Der Erdölkonzern verschiebt Gewinne an Töchter in der Schweiz zum Nachteil auch von Entwicklungsländern. Ein neues Buch klagt an.

Tankstelle von Shell in Rosario, Argentinien.
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Bild: Tankstelle von Shell in Rosario, Argentinien. / Pablo-flores (CC BY 2.5 cropped)

28. Mai 2014
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Mit kriminellen Straftaten im Ausland haben Schweizer Grossbanken dem Image der Schweiz geschadet. Schuldeingeständnis und Milliardenbussen zementieren den Ruf der Schweiz, ein Staat zu sein, der es versteht, Rosinen zu picken und auf dem Buckel anderer Staaten fett zu werden. Eine «Weissgeldstrategie» soll den Bankenplatz zum Saubermann wandeln.

Bereits aber riskiert die «neutrale und solidarische» Schweiz ein mindestens so grosser Image-Schaden. Unsere Gesetze erlauben es internationalen Rohstoffkonzernen, mit Briefkastenfirmen und Steuersitzen in der Schweiz Milliarden am Fiskus ihrer Produktionsorte vorbei zu schmuggeln. Was Luxemburg macht, macht die Schweiz in mindestens so grossem Stil.

Laut einer Londoner Studie entzieht der Rohstoffhandelsplatz Schweiz den ärmsten Ländern Kapital in Milliarden-Höhe («Rohstoff-Steueroase Schweiz blutet arme Länder aus»). Infosperber hat beschrieben, auf welche Weise Konzerne ihr Geld in Steueroasen verschieben (17.2.2013).

Jetzt gerät Shell in den Fokus

Die gemeinnützige Organisation «Somo» (Centre for Research on Multinational Companies) mit Sitz in den Niederlanden sowie «Friends of the Earth» Europa decken auf, wie der Erdölkonzern die Schweiz nutzt, um Milliardeneinnahmen in den Förderländern nicht zu versteuern. Der soeben veröffentlichte Report «The Swiss Connection – The Role of Switzerland in Shell's Corporate Structure and Tax Planning» beschreibt den Mechanismus der Steuer-Vermeidung im Detail und welche Rolle die Schweizer Shell-Tochergesellschaften dabei spielen.

Nach der Lektüre erstaunt nicht mehr, weshalb Rohstofffirmen ihre Sitze und etliche Tochtergesellschaften in der Schweiz eröffnen, obwohl es in der Schweiz keine Rohstoffe auszubeuten gibt. All diese Firmen schaffen nur wenige Arbeitsplätze, bringen der Schweiz aber einige Steuergelder. Ein Vielfaches davon wäre eigentlich in den Produktionsländern geschuldet.

R.L. / Infosperber

Das Forschungszentrum «Somo» hat sich in einer soeben publizierten Grafik auch kritisch mit dem Steuerparadies der Niederlande befasst. «Atemberaubende vier Milliarden Euro werden jährlich durch 12‘000 Briefkastenfirmen durch die Niederlande geschleust, auf die kaum Steuern bezahlt werden.» («The dark side of the Netherlands», 19.5.2014)

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