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Mangelnde Sicherheitsmassnahmen in der Produktion GAP - Scheinabkommen in der Textilbranche

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Gap stellt damit PR-Massnahmen über die Sicherheit und Rechte von Arbeitnehmenden und hat andere Firmen wie Walmart und Target davon überzeugt, ebenfalls mitzuziehen.

GAP Shop in Hong Kong.
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Bild: GAP Shop in Hong Kong. / Tangkimant (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

4. Januar 2014

4. Jan. 2014

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Nach dem Einsturz der Rana-Plaza-Fabrik in Bangladesch, welchem mehr als 1100 Menschen zum Opfer fielen, haben über 100 global tätige Bekleidungsfirmen ihre Verantwortung für die Sicherheit in ihren Wertschöpfungsketten wahrgenommen und den «Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh» unterzeichnet.

Textilgigant Gap hingegen – einer der Hauptabnehmer von Kleidern aus Bangladesch – weigert sich bis heute, das rechtlich verbindliche Abkommen mit den Gewerkschaften zu unterzeichnen. Stattdessen unterminiert Gap mit einem eigenen Pseudo-Abkommen aktiv die Bemühungen für wirksame Reformen.

Das Abkommen von Gap wird einzig von den beteiligten Firmen gesteuert, ist nicht rechtlich verbindlich und enthält keine Rechenschaftspflicht gegenüber den Arbeitnehmenden. Gap stellt damit PR-Massnahmen über die Sicherheit und Rechte von Arbeitnehmenden und hat andere Firmen wie Walmart und Target davon überzeugt, ebenfalls mitzuziehen.

Konsequenzen

Mehr als 4 Millionen Menschen, 85% davon Frauen, arbeiten in der 20 Milliarden US-$ schweren Bekleidungsindustrie in Bangladesch. Für das rasante Wachstum des Sektors zahlen vor allem die Arbeitnehmenden. Wegen der Missachtung von Sicherheitsstandards kommt es häufig zu Fabrikbränden und zum Einsturz von Gebäuden.

Internationale Marken wie Gap, welche Kleider in Bangladesch herstellen lassen, haben es bis jetzt sogar versäumt, sicherzustellen, dass sich ihre Zulieferer an die minimalen Sicherheitsstandards in den lokalen Gesetzen halten. Zudem müssen Arbeitnehmende oft unzumutbar lange Schichten leisten, und dies zu einem Hungerlohn.

Wenn sie es wagen, sich für ihre Rechte starkzumachen, riskieren sie, ihre Arbeit zu verlieren – oder gar noch viel mehr. Gaps Weigerung, einen Beitrag für die dringlichen Reformen zu leisten, bringt die Sicherheit und das Leben zahlreicher Menschen in ernsthafte Gefahr.

Ursachen

Die verantwortliche Beschaffung durch globale Firmen wie Gap ist für eine Verbesserung der Industrie unabdingbar. In den Fabriken, in denen die Kleider genäht werden, fehlen oft die minimalsten Sicherheitsvorkehrungen wie Notausgänge, genügend Treppenhäuser oder sichere elektrische Installationen. Fabrikmanager haben ihre Bereitschaft, Menschenleben aufs Spiel zu setzen, bereits mehrfach unter Beweis gestellt, indem sie Arbeitnehmenden befohlen haben, in unsicheren Gebäuden weiterzuarbeiten.

Gap steht in der Verantwortung, sicherzustellen, dass die Rechte und die Sicherheit der Textilarbeitenden in der gesamten Wertschöpfungskette garantiert werden. Das neue Abkommen, welches Gap nicht unterzeichnen will, verlangt höhere Sicherheitsstandards, unabhängige Fabrikkontrollen und verpflichtet alle unterzeichnenden Unternehmen dazu, einen finanziellen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit in Fabriken zu leisten.

Solange Gap und seine Mitläufer an ihrem eigenen Scheinabkommen festhalten, werden viele Fabriken einer seriösen Überprüfung entgehen und weiterhin nicht genügend Mittel haben, grundlegende Sicherheitsmassnahmen einzuführen.

Verursacher

Gap Inc. („Gap“) mit Hauptsitz in San Francisco (USA) ist eine der weltgrössten Kleiderfirmen mit über 3.000 Geschäften. Im Jahr 2012 wies Gap einen Reingewinn von 1 Milliarde US-$ aus. Gap behauptet, die Rechte der Arbeitnehmenden einzuhalten und sich deren Wohlergehen zu Herzen zu nehmen. Zudem wirbt Gap auf der neuen Webseite «We Are Committed» mit seinen Programmen für Frauen in Entwicklungsländern.

Hinter diesem rosigen Selbstporträt lässt das Unternehmen Arbeitnehmende um ihre Sicherheit fürchten. Die Gefahren für die Arbeitenden in der Textilindustrie sind seit Jahren bekannt. Dennoch hat Gap bislang wenig unternommen, um diese Probleme zu lösen.

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