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EU kapituliert vor Macht der Wirtschaftsprüfer | Untergrund-Blättle

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Die Branche wehrt sich erfolgreich gegen eine neue Regulierung EU kapituliert vor Macht der Wirtschaftsprüfer

Wirtschaft

«Monitor»-Recherchen zeigen, wie die Finanzlobby Gesetze macht, die dem eigenen Zweck und millardenschweren Unternehmen dienen.

Einer der vier grossen Wirtschaftsprüfer in Deutschland - Price Waterhouse Coopers Gebäude in Oslo. Die Vorherrschafft dieser Finanzmoloche ist frappant. Sie kontrollieren die Bilanzen von nahezu allen wichtigen Aktiengesellschaften.
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Einer der vier grossen Wirtschaftsprüfer in Deutschland - Price Waterhouse Coopers Gebäude in Oslo. Die Vorherrschafft dieser Finanzmoloche ist frappant. Sie kontrollieren die Bilanzen von nahezu allen wichtigen Aktiengesellschaften. Foto: Bjørn Erik Pedersen (CC BY 3.0 unported - cropped)

21. August 2015
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Sie arbeiten weitestgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, aber ihre Macht ist riesig: Die vier grossen Wirtschaftsprüfer KPMG, Deloitte, Ernst&Young und Price Waterhouse Coopers kontrollieren die Bilanzen von nahezu allen wichtigen Aktiengesellschaften in Deutschland. Mehr noch: Gleichzeitig sind die «Big Four» für die geprüften Banken und Grossunternehmen auch als Berater aktiv. Ein Milliardengeschäft, aber auch ein klassischer Interessenkonflikt.

Wohin das führen kann, hat die Finanzkrise im Jahr 2008 gezeigt. Eine Bank nach der anderen geriet ins Trudeln. Keiner hatte auf Risiken hingewiesen, keiner hatte gewarnt. Auch nicht die Finanzprüfer, die die Gefahren in den Bilanzen eigentlich hätten erkennen müssen. Die «Big Four» hatten vor der Finanzkrise den zweifelhaften Investmentbanken Bestnoten verliehen – zum Schaden der Anleger und der Steuerzahler.

Ein Insider, der als Wirtschaftsprüfer für die «Big Four» arbeitet, berichtet im ARD-Magazin «Monitor» von den Geschäftspraktikten der Branche: «Alle, die da arbeiten, wissen, dass man bei den Prüfungen manchmal nicht genau hinguckt und nicht über die Risiken spricht, um die Berateraufträge nicht zu gefährden.» Und daran werde sich auch nichts ändern, solange die «Big Four» den Markt beherrschen.

Nach dem Bankenkollaps riefen fast alle Politiker und EU-Gremien nach strengeren Regeln für die Wirtschaftsprüfer.

Die Hauptpunkte des Gesetzesvorhabens: Ein striktes Verbot, gleichzeitig zu prüfen und zu beraten, die Prüfung durch mindestens zwei Prüfungsgesellschaften und ein Wechsel der Prüfer nach spätestens sechs Jahren.

Die Branche wehrte sich vehement gegen eine neue Regulierung. «Monitor» deckte auf, wie Lobbysten der «Big Four» in Brüssel weibelten und die Politiker einseiften. Offensichtlich haben sie ganze Arbeit geleistet.

Von den ursprünglichen Vorschlägen der EU-Kommission ist nicht mehr viel übrig geblieben: Das Vier-Augen-Prinzip und das Verbot, gleichzeitig zu prüfen und zu beraten sind gestrichen. Aus dem Wechsel der Prüfer nach sechs Jahren wurde ein Wechsel nach 20 Jahren.

Red. / Infosperber

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