UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

EU-Milchschwemme schadet Bauern in Afrika | Untergrund-Blättle

3280

Wirtschaft

Bauern in Burkina Faso bangen um ihre Existenz EU-Milchschwemme schadet Bauern in Afrika

Wirtschaft

In Europa gibt es viel zu viel Milch. Überschüsse landen als Milchpulver in Afrika, wo die Billig-Ware lokale Betriebe zerstört.

Europäisches Milchpulver zu Dumpingpreisen für den Weltmarkt.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Europäisches Milchpulver zu Dumpingpreisen für den Weltmarkt. / Belgomilk (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

18. Mai 2016
0
0
3 min.
Korrektur
Drucken
Nach 31 Jahren hat die EU im April 2015 die einschränkende Milchquote abgeschafft. Seit die Bauern so viel Milch produzieren dürfen wie sie wollen, sind die Milchmengen in Deutschland und der EU drastisch gestiegen, der Milchpreis dramatisch gesunken. Inzwischen bekommt ein Bauer noch 28 Cent oder 31 Rappen für einen Liter Milch. Mit diesem Preis können viele Bauern ihre Kosten nicht mehr decken: «Bei jedem Liter, der vom Hof geht, gebe ich Geld mit», sagt Milchbauer Peter Habbena dem ARD-Magazin «Fakt». Obwohl im Betrieb von Peter und Wilhelm Habbena in Niedersachsen alles rund läuft, stehen die Brüder finanziell mit dem Rücken zur Wand: «Wir leben voll auf Pump. Wir haben jeden Monat etwas weniger, obwohl wir den ganzen Tag arbeiten. Das ist total bekloppt, aber es ist so.»

Zaubermittel Exportsteigerung

Mitschuld an der Misere hat ihrer Meinung nach die Politik. «Exportoffensive» hiess das neue Credo aus dem Landwirtschaftsministerium. Berater ermutigten die Milchbauern dazu, ihre Betriebe zu modernisieren und zu vergrössern, sie sollten sich «fit machen für den Weltmarkt». Auch Peter und Wilhelm Habbena haben investiert – mehr als eine Million Euro. Sie haben einen neuen Stall gebaut und ihren Betrieb auf 200 Kühe erweitert. Aber die Erwartungen haben sich nicht erfüllt. In den letzten zwölf Monaten schrumpften ihre Einnahmen um 220'000 Euro.

Deutsche Bauern produzieren viel zu viel Milch, die keiner will. Seit die Wirtschaft im Riesenmarkt China weniger stark wächst, hat die Nachfrage nach deutschen Milchprodukten merklich nachgelassen. Auch Russland zählte früher zu den Grossabnehmern, doch als Antwort auf die EU-Sanktionen lässt das Land keine europäischen Agrarprodukte mehr hinein. Weil Molkereibetriebe in Deutschland ihre Ware nicht mehr verkaufen können, weichen sie auf andere Märkte aus – unterstützt von der Politik, die weiterhin auf Exportsteigerung setzt.

Bauern in Burkina Faso bangen um ihre Existenz

Nach Poulet- und Schweinefleisch gilt Milchpulver zu subventionierten Dumping-Preisen als der neue Exportschlager der EU in Afrika. In den letzten zehn Jahren haben sich die EU-Exporte dorthin mehr als verdoppelt. Doch die Überproduktion aus Europa bedroht lokale Molkereien und Milchbauern – zum Beispiel in Burkina Faso. Im Land südlich der Sahara lebt ein Drittel der Bevölkerung, rund sechs Millionen Menschen, von der Viehwirtschaft.

Die Bauern besitzen oft nur ein paar Kühe und liefern die wenigen Liter Milch, die die Tiere hergeben, an kleine Molkereien. Viele Familien konnten sich in den vergangenen Jahren in der Milchwirtschaft eine Existenz aufbauen. Doch das alles ist jetzt bedroht durch die hoch subventionierten Billig-Importe aus Europa. Eine fatale und paradoxe Entwicklung – pumpt doch Deutschland jedes Jahr 30 Millionen Euro Entwicklungshilfe in das Land – auch um die lokale Milchwirtschaft zu stärken.

In Supermärkten der Hauptstadt stapeln sich die Dosen mit Milchpulver. Wer arm ist – und das sind hier fast alle – kauft Trockenmilch. Aus dem Pulver lässt sich für rund 34 Cent ein Liter Milch anrühren. Die Frischmilch von lokalen Molkereien hingegen verkauft sich schlecht, denn sie kostet dreimal so viel. Ibrahim Diallo, Präsident einer Organisation von Kleinmolkereien in Burkina Faso, sieht schwarz für die lokale Milchwirtschaft: «Die Milch, die hierher kommt, macht alles kaputt. Das ist wirklich ein ernstes Problem. Unsere Milchbauern und Molkereibetreiber, was soll denn aus denen werden?» – Das fragen sich wohl auch jene Milchbauern in Deutschland, die ihren Betrieb aufgeben müssen. Sicher ist: Verlierer dieser verqueren Politik sind derzeit alle Landwirte – und zwar weltweit.

Red. / Infosperber

Mehr zum Thema...
Französische Soldaten verlassen eine C17 der U.S.
EU-Afrika-GipfelDie Bürde Europas

07.04.2014

- In Brüssel hat diese Woche der EU-Afrika-Gipfel stattgefunden. Das Treffen dient den europäischen Eliten dazu, sich als Menschenfreunde zu präsentieren, deren gesamtes Wirken keinem anderen Ziel diene als das Leben aller BewohnerInnen dieser Erde zu ve

mehr...
Übungsschiessen mit einer M777 Howitzer.
Gewalt und Krieg in der neuen Weltunordnung“Die Furie des Zerstörens”

04.02.2004

- Dass der Untergang des Realsozialismus den Beginn einer neuen Epoche markiert, wusste schon 1989 jeder. Über den Charakter des heraufdämmernden Zeitalters machte man sich damals quer durch die politischen und ideologischen Lager freilich nicht sonderlic

mehr...
Milch. Märkte. Molkereien. Macht. Ein Interview von Alfred Klose mit Jutta Sundermann

29.08.2016 - Jahrelang hatten Bundesregierung und Bauernverband zusammen mit den grossen Molkereien vom Weltmarkt geschwärmt. Als 2015 die Milchquote fiel, hatten ...

Das System der EU Agrarsubventionen

14.07.2010 - Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft ABL kritisiert das aktuelle System der EU-Agrasubventionen, weil immer weniger Bauern und Bäuerinnen, ...

Dossier: Flüchtlingsproblematik
Dossier: Flüchtlingsproblematik
Propaganda
Refugees Welcome

Aktueller Termin in Bielefeld

Öffnungszeit | Infoladen Anschlag

Infoladen: https://infoladenanschlag.wordpress.com/ EA: https://infoladenanschlag.wordpress.com/ea/ (Kontakte und PGP-Keys gibt es auf der Seite)

Donnerstag, 27. Januar 2022 - 19:00

Infoladen Anschlag, Heeper Str. 132, 33607 Bielefeld

Event in Hamburg

Thank you for your effort

Donnerstag, 27. Januar 2022
- 20:00 -

Kampnagel

Jarrestraße 20

22303 Hamburg

Mehr auf UB online...

Untergrund-Blättle