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Schulden: Die ersten 5000 Jahre «Kapitalismus überlebt noch 1 bis 2 Generationen»

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Mehr Geld aus dem Nichts zu schaffen, führe zum Kollaps. Nur ein globaler Erlass der Schulden würde helfen, sagt Professor Graeber.

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Bild: US-Schuldenuhr am 20. April 2012 in New York. / Valugi (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

19. Juli 2014

19. 07. 2014

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Seit der Schuldenkrise von 2008 versuchen die Industrieländer, mit noch mehr Schulden die Wirtschaften anzukurbeln. Diese Schulden kann man und muss man nicht zurückzahlen, sagt Professor David Graeber von der «London School of Economics and Political Science». Er plädiert für einen möglichst raschen, geordneten und globalen Schuldenschnitt. Auch deshalb hat der Ethnologe den Ruf eines Anarchisten. Er war Mit-Initiator von «Occupy Wallstreet». Folgende Zitate sind zusammengestellt aus seinem Buch Schulden: Die ersten 5000 Jahre.*

Die fragwürdige Moral der Schulden

«Schulden muss man zurückzahlen»: Dieser Satz ist ein moralisches Dogma, dem sich offenbar jeder anständige Mensch anzuschliessen hat. Aber warum eigentlich? Geht nicht Jeder, der Geld verleiht, ein gewisses Risiko ein?

Ist es moralisch vertretbar, wenn afrikanische Kinder an Malaria sterben, weil der Staat Kredite zurückzahlen muss, die ein längst gestürzter Diktator Jahrzehnte zuvor aufgenommen hat, und die er, statt das Geld in sein Land zu investieren, auf sein Schweizer Bankkonto transferierte?

Der Satz «Man muss seine Schulden doch zurückzahlen» hat keine moralische Relevanz, denn er wird immer nur von den Mächtigen an die Machtlosen gerichtet, während die Mächtigen selbst ihre Schulden gerade nicht zurückzahlen. Das zeigt das Beispiel der USA.

Die USA werden ihre Zahlungsversprechen nicht einhalten

Das vermutlich letzte Kapitel in der Geschichte des Kapitalismus begann 1971 mit dem Ausstieg der USA aus dem System der festen Wechselkurse. Damit beseitigte US-Präsident Richard Nixon die letzten Reste des internationalen Goldstandards und machte den Dollar zum Geld, dessen Wert angeblich durch das Vertrauen in die US-Regierung gerechtfertigt wird.

Der Status des Dollars als globale Leitwährung hatte zur Folge, dass ausländische Zentralbanken mit ihren Dollars hauptsächlich amerikanische Staatsanleihen kauften: Eine Schuld, die niemals zurückgezahlt, sondern unbegrenzt erneuert wird und damit eine neue Form des Tributs darstellt.

Unterdessen sind die amerikanischen Staatsschulden ein Versprechen nicht nur gegenüber dem eigenen Volk, sondern gegenüber den Völkern der Welt. Wie jeder weiss, werden die Vereinigten Staaten diese Versprechen nicht einhalten.

Unendliches Wachstum weder materiell noch finanziell möglich

Für die Annahme, dass der Kapitalismus in ein oder zwei Generationen nicht mehr existieren wird, sprechen etliche gute Gründe – vor allem die Tatsache, dass unendliches Wachstum auf unserem Planeten mit begrenzten Ressourcen unmöglich ist, wie uns die Ökologie bewiesen hat.

Die heutige Schuldenpolitik führt dazu, dass wir stets nur überlegen, wie sich Umwelt und Beziehungsgeflechte zu Geld machen lassen. Diese erbarmungslose Maschinerie ist weder ökologisch noch ökonomisch tragfähig. Doch diese Maschinerie läuft stockend und spuckend weiter. Denn der Gedanke an Alternativen versetzt uns in eine Angststarre. Es wäre höchste Zeit, mit einem generellen, globalen und organisierten Schuldenerlass den Stecker zu ziehen.

R.L. / Infosperber

Buch bestellen: Schulden: Die letzten 5000 Jahre», 20.90 CHF

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