UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Arbeitszeiterhöhung in der Schweiz | Untergrund-Blättle

1166

Arbeitszeiterhöhung in der Schweiz „Wer hat’s erfunden?“

Wirtschaft

Sieben Wochen ist es her, dass die Schweizer Nationalbank den Mindestkurs vom Franken zum Euro aufgegeben hat, und schon war den Schweizer „Ökonomen und Gewerkschafter“ klar, dass das insbesondere die Arbeitnehmer betrifft.

Einer von vielen: Der Schweizer Hersteller von Schienenfahrzeugen, Stadler Rail, erhöht für seine Arbeiter bis Ende 2015 die Wochenarbeitszeit von 42 auf 45 Stunden.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Einer von vielen: Der Schweizer Hersteller von Schienenfahrzeugen, Stadler Rail, erhöht für seine Arbeiter bis Ende 2015 die Wochenarbeitszeit von 42 auf 45 Stunden. / Dietrich Michael Weidmann (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

10. März 2015
0
0
2 min.
Drucken
Korrektur
Eine Währungsschwankung, die kein Arbeitnehmer bestellt hat, führt dann zum Beispiel dazu, dass der „Maschinenbauer Bühler im Kanton St. Gallen … die wöchentliche Arbeitszeit von 42,5 auf 45 Stunden“ erhöht. Diese Massnahme gilt vorerst einmal für sieben Monate. Ausserdem hat die Firma aus Uzwil einen Stellenstopp verfügt.

Haben da die Schweizer eine neue Erfindung in die Welt gesetzt? Wechselkursänderung gleich Arbeitszeitlänge? Steigt der Franken, muss mehr gearbeitet werden, sinkt der Franken, dann muss weniger gearbeitet werden? Haben die Schweizer vorher irgendwie falsch gearbeitet? Selbstredend nicht.

Der Fall liegt anders.

Über Kurzarbeit, Entlassungen, Arbeitszeitverlängerungen von 40 auf 44 Wochenstunden, Lohnsenkungen, geplanten Produktionsverlagerungen in Standorte mit billigeren Löhnen ist zu lesen.

All diesen Massnahmen ist eines gemeinsam: Für das Gelingen der Gewinnerwartungen müssen die Arbeitnehmer geradestehen. Nachteile in der Wettbewerbsfähigkeit durch den starken Schweizer Franken dürfen auf keinen Fall zum Nachteil für den Profit werden. Der Nachteil für die Arbeitnehmer ist damit beschlossene Sache.

Ihr Lohn sind Kosten, die sich lohnen müssen und der flexible Bestandteil des Vorschusses, den der Unternehmer macht, damit Gewinn erwirtschaftet wird, den er in der viel gepriesenen Marktwirtschaft als Recht beansprucht. Das „Recht“ der Arbeitnehmer auf einen berechenbaren und ausreichenden Lebensunterhalt hat sich dem voll unterzuordnen und anzupassen. Umgekehrtes ist hierzulande nicht denkbar. Oder hat es in der BRD etwa zusätzliche Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen gegeben, weil der schwächelnde Euro Exporterfolge erleichtert?

Ja und wer hat’s erfunden? Leider ist das nicht eine Ausgeburt der Schweizer Chrüterkraft, sondern ein weltweit durchgesetztes Prinzip, das auch hierzulande jeder kennt. Die Wirkungen kann man dann auch wieder in der Zeitung lesen: Die mit schöner Regelmässigkeit veröffentlichten Armutsberichte über diejenigen, deren Anwendung für den Gewinn sich nicht mehr lohnen. Oder im Zweifelsfall nur zu Löhnen, die einen staatlichen Zuschuss erfordern.

Auf die systemimmanente Abschaffung solcher Erscheinungen braucht man nicht zu hoffen. Schliesslich sind sie das Resultat des obersten Prinzips unseres Wirtschaftssystems: „profitable“ und dadurch nützliche Armut.

Berthold Beimler

Zitate aus: Meldung in der Stuttgarter Zeitung vom 05.03. „Starker Franken macht Firmen erfinderisch“

Mehr zum Thema...
SNB Schweizer Nationalbank in Zürich, beim Bürkliplatz, Ecke Bahnhofstrasse - Börsenstrasse.
Von dem Übel, uber eine Hartwährung zu verfügenDer Schweizer Franken: Besser als Gold?

17.01.2015

- Man vergisst ein wenig, dass die von der Schweizer NB verfügte Bindung des Franken an den Euro ein Kind der Finanzkrise war. Es handelte sich nicht um so etwas wie die seinerzeitige Bindung des Schilling an die DM.

mehr...
Baustelle in Zürich-Oerlikon.
Der neuste Fall auf der Postparc-BaustelleDie Rückkehr der Saisonniers

12.05.2016

- Mitte Dezember wurde auf der Baustelle des prestigeträchtigen Postparcs beim Berner Bahnhof schon wieder ein Fall von Lohndumping aufgedeckt. Dies ist bereits der dritte auf dieser Baustelle, welcher es in die Medien geschafft hat.

mehr...
SNB Schweizer Nationalbank in Zürich, beim Bürkliplatz, Ecke Bahnhofstrasse - Börsenstrasse.
Von den unannehmlichkeiten, als Fluchtwährung zu geltenDer Schweizer Franken: So gut wie Gold?

14.09.2011

- Die Schweiz ist in Nöten, weil ihr Geld zu stark nachgefragt wird. Während andere Länder, gar nicht so weit weg von der Schweiz, eher das Problem haben, dass ihre Währung nicht besonders nachgefragt ist.

mehr...
Lohnbetrug auf Freiburger Campo Novo Baustelle: Konnte mir nicht vorstellen, dass deutsche Firmen es so bewusst [...]

08.10.2014 - Seit dem 1. Oktober wohnen Studierende im privaten Freiburger Wohnheim Campo Novo, auf dem Güterbahnhofareal. Für den Einbau von Sanitär-, Heizungs- ...

’Schweiz erkauft sich Ausschaffungen nach Ungarn’

29.03.2016 - Diverse Berichte von Menschenrechtsorganisationen sprechen eine klare Sprache: Ungarn gewährleistet weder korrekte Asylverfahren noch eine ...

Dossier: Revolution von 1917
The Kathryn and Shelby Cullom Davis Library
Propaganda
Und woher haben Sie Ihre Meinung?

Aktueller Termin in Hannover

Pommes Fatigue Vol.1 // punkbands und pommes

ujz korn

Freitag, 20. Mai 2022 - 19:30 Uhr

UJZ Korn, Kornstr. 28-32, 30167 Hannover

Event in Dresden

Over The Edge Fest I VOLE HC Punk

Freitag, 20. Mai 2022
- 21:00 -

Chemiefabrik

Petrikirchstrasse 5

01097 Dresden

Mehr auf UB online...

Zerstörte Tankstelle in Bucha bei Kiev, April 2022.  Стас Козлюк
Vorheriger Artikel

Die Notwendigkeit einer diplomatischen Lösung

Den Ukraine-Krieg vom Ende her denken

Russischer Soldat mit einer erbeuteten ukrainischen Javelin (Panzerabwehrfaust) aus US-Produktion, März 2022.
Nächster Artikel

Auf den Seiten der Menschen – nicht der Regierungen

Arbeiter:innen gegen Krieg und Militarismus

Untergrund-Blättle