UB-Logo Online Magazin
Untergrund-Blättle

Warum ich keine Lust auf Ruhrbarone habe | Untergrund-Blättle

852

politik

ub_article

Politik

Textkritik Warum ich keine Lust auf Ruhrbarone habe

Politik

Mercedes Naberts Artikel auf Ruhrbarone hat keine Kritik verdient, aber allein die Grösse der Leserschaft rechtfertigt eine kurze Antwort.

Karl MarxStrassenschild  in Brüssel.
Mehr Artikel
Mehr Artikel

Bild: Karl Marx-Strassenschild in Brüssel. / Kapsuglan (CC BY-SA 4.0)

23. Oktober 2014

23. Okt. 2014

1
0

3 min.

Korrektur
Drucken
“Warum ich keine Lust auf Klassenkampf habe” wird eingeführt ohne Argument, dafür mit dem Hinweis, dass die Autorin wirklich weiss worüber sie schreibt. Marx’ Werk habe sie “fast vollständig gelesen” und mindestens ebenso fast verstanden! Zumindest blieb da hängen, dass Marx ein “äusserst feindseligen Theoretiker” war. Ob er jetzt dem Mangel, den Juden, dem Kapital oder Erbsensuppe feindselig gegenüberstand, scheint unwichtig.

Durch ihr intensives Studium der 60 bisher erschienenen Bände der MEGA (114 sind geplant) sind ihr Widersprüche im marxschen Werk aufgefallen, die uns bisher verschlossen waren. Aber das ist noch nicht alles. Bisher war immer vermutet worden, das “Spätkapitalismus” eine Erfindung von Werner Sombart ist, aber Nabert hat bei ihren Studien der marxschen Schriften herausgefunden, dass es sich hierbei bereits um marxsche Terminologie handelt – und dieses Stadium sogar “länger als geplant” andauert. Das hatte Marx also ganz anders geplant!

Gerade mit “Wertmarxisten” – uns Unwissenden wohl eher unter ihrem populären Namen Wertkritiker bekannt – redet eine Marxologin vom Schlage einer Mercedes Nabert nur noch ungerne, weil der Widerspruch doch offensichtlich ist! Das sind bekanntlich doch die, “die von Klassenkampf sprechen und gleichzeitig das Projizieren sozialer Missstände auf Einzelgruppen, insbesondere die Juden, ablehnen wollen”. Durchschaut! Wer festhält, dass in dieser Gesellschaft eine Klasse existiert, welche nichts hat ausser ihrer Arbeitskraft und diese jeden Tag zu Markte trägt “projiziert” also diesen Missstand auf “Einzelgruppen”, wenn er daran erinnert das es auch Menschen gibt, welche diese Arbeitskraft einkaufen.

Der Marx hingegen war kein Wertmarx sondern knallharter Personalisierer! “Wenn es zum Leid der Arbeiter kam – unterstellte er ihr [der Bourgeoisie] Absicht oder gar Genugtuung”. Bekanntlich ist die Behauptung, die Fabrikherren würden sich auf Kosten der Gesundheit und der Lebenszeit der Arbeiter mit Absicht [!] bereichern und würden gar diesen Profit noch mit Genugtuung [!] einstreichen nicht mehr weit weg von der Judenhatz.

Am Ende zeigt die Ruhrbaronin dann, dass Marx so oder so unnötig geworden ist bzw. schon immer war, weil wir in der besten aller Welten leben: “Und dank der bösen, bösen Konkurrenz, den bösen besseren Produktionsmitteln und den bösen darauf zurückzuführenden Innovationen, sind wir, als Menschen, auf einem gutem Weg, irgendwann keine Arbeiter mehr zu brauchen und keine Umverteilungsprobleme mehr zu haben und alle imstande, geistiger Arbeit nachgehen zu können, weil die Maschinen für uns sogar diesen Klassenkampf ausfechten können, der ja immer noch sehr wichtig zu sein scheint.”

Würde die Schreiberin einfach still darauf warten, dass sie die kapitalistische Konkurrenz und die technische Perfektionierung kapitalistischer Produktion von der Arbeit befreit und ohne diese mit Gebrauchsgütern versorgt, würde sie uns zumindest ihren Artikel ersparen.

Berthold Beimler

Mehr zum Thema...

Villa Augustus in Holland.
PrivateigentumWir sind die Bösen

25.08.2014

- Privateigentum hat die Eigenschaft, den allergrössten Teil der Menscheit von seiner Nutzung auszuschliessen. Wir sind glücklicherweise alle Eigentümer – unglücklicherweise eignet sich so manches Eigentum mehr zum Vorankommen als Anderes.

mehr...
Grab von Karl Marx auf dem Highgate Friedhof in London.
Christian Fuchs: Marx lesen im InformationszeitalterMedientheoretische Fragen im Zusammenhang mit dem marxschen Kapital

06.12.2018

- Vor uns liegt ein umfangreiches Lehrbuch, bezeichnenderweise im Marxblau der MEW gehalten. Das ist Absicht und unterstreicht das Anliegen.

mehr...
Magdalena Roeseler
Bürgerliche Wissenschaft und ihre Fehler (Teil 2)Martin Gross: Klassen, Schichten, Mobilität

14.09.2016

- Im Jahr 2015 erschien die zweite und um ein Kapitel erweiterte Auflage von Klassen, Schichten, Mobilität, der Einführung in die Ungleichheitsforschung des Tübinger Professors Dr.

mehr...
’Aus neutraler Sicht’ von Albert Jörimann - Schluss mit dem guten Leben -

03.03.2015 - Vergangene Woche las ich in der Zürcher Wochenzeitung einen Artikel des aktuellen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis mit dem Titel «Rettet ...

Migrantenunternehmer eröffnet äthiopisches Restarant

12.01.2012 - Sind Menschen mit Migrationshintergrund die besseren Unternehmer? Viele Migrantinnen und Migranten gehen Risiken ein, die verwöhnte Einheimische oft ...

Aktueller Termin in Berlin

Wo warst du 1989? Und: Nennen wir es Revolution?

Das wollten zwei Aktivisten wissen und waren das Jahr 2019 über unterwegs und haben sich mit verschiedenen linken DDR-Oppositionellen getroffen. Triebfeder dafür war das Bedürfnis, der gängigen BRD-Geschichtsschreibung von Mauerfall, ...

Montag, 17. Februar 2020 - 07:30

Lunte, Weisestraße 53, Berlin

Event in Lausanne

Chorale anarchiste

Montag, 17. Februar 2020
- 19:00 -

Espace Autogéré


Lausanne

Mehr auf UB online...

Trap
Untergrund-Blättle
Untergrund-Blättle