UB-Logo Online Magazin
Untergrund-Blättle

TrustWHO – Wie krank ist die Weltgesundheitsorganisation? | Untergrund-Blättle

Politik

Wie krank ist die Weltgesundheitsorganisation? TrustWHO

Politik

Regisseurin Lilian Franck geht in „TrustWHO“ der Frage nach, ob das weltweite Vertrauen in die Weltgesundheitsorganisation gerechtfertigt ist. Für ihre Recherchen führt sie zahlreiche Interviews mit Verantwortlichen der UN-Organisation, ehemaligen WHO-Mitarbeitern und Kritikern und offenbart die tragische Situation der WHO.

Zu viele Kommentare, zu viel Nabelschau.
Mehr Artikel
Mehr Artikel

Bild: Zu viele Kommentare, zu viel Nabelschau. Regisseurin Lilian Franck mit Produzent Robert Cibis. / OVALmedia (CC BY-SA 4.0 cropped)

13. Februar 2018

13. Feb. 2018

1
0

3 min.

Korrektur
Drucken
Vertrauen ist ein lebenswichtiger Akt – aber auch ein riskanter. Schenkt man anderen sein Vertrauen, macht man sich verletzlich. Man könnte schliesslich benachteiligt, belogen oder betrogen werden. Gleichzeitig muss man ihnen trauen, den Taxifahrern, Architekten, Verkehrsplanern, Zahnärzten und Behörden dieser Welt. Doch was, wenn diese Erwartung enttäuscht wird?

Regisseurin Lilian Franck hat diese Frage mit Blick auf eine Organisation gestellt, der die meisten Menschen instinktiv wohl ihr volles Vertrauen aussprechen würden: die Weltgesundheitsorganisation. Eigentlich, das unterstreicht der Dokumentarfilm TrustWHO deutlich, sollte die WHO schliesslich das wichtigste Instrument sein, um die bestmögliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Die weltweite Hilfe beim Aufbau des Gesundheitswesens, der Kampf gegen Epidemien und die Vorsorge durch Impfprogramme sowie die Bereitstellung wichtiger Medikamente – das alles hat sich die UN-Sonderorganisation mit Sitz in Genf auf die Fahnen geschrieben.

Harsche Kritik nach der Fukushima-Katastrophe

Doch schon mehrfach stand die WHO, der 194 Mitgliedsstaaten angehören, in der Kritik. Da waren die unangemessene Panikmache während der Schweinegrippe-Pandemie im Jahr 2009 und das zu zögerliche Vorgehen gegen die Ebola-Epidemie im Kongo 2014. Besonders stark aber rüttelte das von manchen Experten als unverantwortlich kritisierte Vorgehen der WHO nach dem Reaktorunglück von Fukushima am Vertrauen in die Organisation.

Entsprechend wachsen die Bedenken: Wie unabhängig und vertrauenswürdig kann eine Organisation sein, die Verbindungen zu Konzernen aus Tabak-, Pharma- und Atomindustrie pflegt und keine Kritik an der japanischen Regierung äusserte, obwohl diese nach der Fukushima-Katastrophe bestimmte Gesundheitsrisiken offenbar verharmloste?

Für ihren Film hat Lilian Franck (Pianomania) ehemalige und aktuelle Verantwortliche der WHO, Whistleblower und Experten befragt. Durch Zähigkeit und aufwendige Recherchen bringt sie so ans Licht, dass Pharma-, Tabak- und Nuklearindustrie seit Jahren, zum Teil seit Jahrzehnten, versteckt Einfluss auf die WHO nehmen. Die mittlerweile vorrangig durch Spenden finanzierte Organisation, das wird deutlich, büsst offenbar zunehmend Geld, Unabhängigkeit und Transparenz ein – und läuft Gefahr, bald vollends zum Spielball von Konzernen zu werden.

Zu viel Nabelschau

Zweifellos sind die Recherchen eine beachtliche Leistung der Filmemacherin, die auch Produzentin der kürzlich erschienenen Dokumentation «Free Lunch Society» ist. Darin geht Regisseur Christian Tod der hochbrisanten Frage nach, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen umsetzbar ist. Das Behandeln von Möglichkeiten, unfaire oder überholte Strukturen aufzubrechen und zu erneuern, das wird in beiden Filmen deutlich, liegt Franck am Herzen. Christian Tod ist das in Free Lunch Society auf ebenso unterhaltsame wie interessante und gekonnte Weise gelungen. Für Francks TrustWHO allerdings gilt das leider nur mit Einschränkungen.

Zu oft sieht man die Regisseurin selbst im Bild, zu häufig hört man ihre Fragen, ihre Bedenken, zu vieles wird kommentiert und erläutert, das man mit anderen filmischen Mitteln eleganter hätte vermitteln können. Leider kommt schnell der Verdacht auf, dass sich Frank etwas zu sehr selbst gefällt in ihrer investigativen Unnachgiebigkeit. Nabelschau, das zeigt sich hier wieder, sollte – wenn denn überhaupt genutzt – wohl dosiert werden. Ebenso, wie es der Einfluss von Industrie und Regierungen auf vermeintlich unabhängige Organisation sein sollte.

Nicole Sagener
film-rezensionen.de

Trust WHO

Deutschland, Österreich 2017 - 85 min.

Regie: Lilian Franck
Drehbuch: Lilian Franck, Robert Cibis, Anja Neraal
Produktion: Robert Cibis
Kamera: Francesco Garbo
Schnitt: Anja Neraal

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

Mehr zum Thema...

EbolaFieberScan bei einem Flugpassagier aus SierraLeone im O’HareFlughafenareal von Chicago.
Die Menschheit beherrscht die explosiven Ausbrüche der ansteckendsten EpidemienEbola: Die Verbreitung neuer Epidemien durch den zerfallenden Kapitalismus

17.02.2015

- Ebola ist nicht ein rein medizinisches Problem. In erster Linie ist es ein gesellschaftliches Problem, das Erzeugnis eines Gesellschaftssystems, das zwar zahllose Technologien und wissenschaftliches Know-how besitzt, aber dennoch nicht in der Lage ist, di

mehr...
Noop1958
Nachrichten aus der DebattiermaschineDie bigotte Menschenverachtungsmühle

14.09.2011

- Vielleicht werde ich im Alter zu einem Mann, vor dem ich meine Kinder warnen würde, hörten sie noch auf mich. Ich werde zum Vereinfacher, zu einem Menschen, der Sehnsucht nach Übersicht und Klarheit hat.

mehr...
Luftaufnahme aus den 80er Jahren der Atomkraftwerke in Fukushima.
Wie in Japan nach der Fukushima-Katastrophe die Geschichte neu anbrichtWiedergeburt der Zukunft

10.03.2016

- Die Katastrophe von Fukushima hat ein Land nachhaltig verändert, das seit den 1980er Jahren wie kein anderes auf der Welt für die Zukunft stand. Eine Bilanz des historischen Umbruchs, der vor fünf Jahren seinen Anfang nahm.

mehr...

Aktueller Termin in München

Kunst und revolutionäre Politik

Bereits seit dem späten 19. Jahrhundert existiert eine historische Verbindung zwischen Künstlern und „dissidenten“ Strömungen innerhalb der revolutionären (Arbeiter-)Bewegung. Während dies Ende des 19. Jahrhunderts die „Arts ...

Dienstag, 15. Oktober 2019 - 18:00

Gewerkschaftshaus München (DGB-Haus), Schwanthalerstr. 64, München

Event in Bern

Von Wegen Lisbeth

Dienstag, 15. Oktober 2019
- 21:00 -

Reitschule


Bern

Mehr auf UB online...

Trap
Untergrund-Blättle
Untergrund-Blättle