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Der sado-masochistische Fallstrick innerhalb der gegenwärtigen Kulturentwicklung | Untergrund-Blättle

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Der Mensch im Kapitalismus Der sado-masochistische Fallstrick innerhalb der gegenwärtigen Kulturentwicklung

Politik

Die zunehmend sadistisch und masochistisch werdende Kulturrealität macht deutlich, dass der Mensch seine traditionellen Verhaltensgewohnheiten überprüfen muss, wenn er eine Zukunft haben will.

„Die Montirungswerkstatt in der Maschinenbauanstalt von Maffei in Hirschau bei München“ (um 1849).
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„Die Montirungswerkstatt in der Maschinenbauanstalt von Maffei in Hirschau bei München“ (um 1849). Foto: Unknown author (PD)

7. Oktober 2022
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Durch die absolutistische Katholisierung ab 800 n. Chr. hat der westliche Kulturkreis bis heute viele sado-masochistisch sich organisierende Gesellschaften hervorgebracht. Dabei sticht das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ auf eine besondere Weise hervor, da hier die sado-masochistische Kulturentwicklung immer wieder überaus dramatisch verlaufen ist und auch heute wieder dramatisch verläuft.

Wir haben es dabei mit einer destruktiven ideologischen und emotionalen Kulturentwicklung zu tun, die nicht mehr patriarchalisch, sondern matriarchalisch geprägt ist und dadurch besondere Vergiftungs- und Zersetzungserscheinungen generiert. Seit der 68er-Revolution strebt die feministische Frau nach einer absoluten ideologischen und emotionalen Deutungshoheit in der Kultur. Dieses feministische Machtstreben ist seit der Jahrtausendwende zunehmend bodenlos geworden und hat eine immer gefährlicher werdende asoziale Kulturentwicklung begünstigt.

Dies hat unter anderem dazu geführt, dass sich das heutige weibliche Machtstreben immer „selbstverständlicher“ die natürliche sexuelle und emotionale Anziehungskraft der Frau auf den Mann zunutze macht, um die feministischen Machtziele in einer offensiven Weise zu erreichen. Die natürliche Sexualität, die für eine erfolgreiche, 18 Jahre dauernde menschliche Fortpflanzungsperiode einen erheblichen Einfluss auf das Leben des Menschen nimmt, wird daher angesichts eines immer bedenkenloser und bodenloser werdenden weiblichen Machtstrebens für den Menschen zunehmend zu einer Quelle des Widerspruchs und der Verwirrung.

Auch der seit Jahrzehnten in Deutschland existierende ideologische Antikult in eigener Sache trägt heute zu einer gefährlichen Kulturentwicklung bei, da er zu einer relativen Blindheit darüber geführt hat, dass die Frau und der Kommunismus nicht automatisch besser sind als der Mann und der Kapitalismus. Für das Verhalten der beiden Geschlechter und der Menschen im Kapitalismus und im Kommunismus ist die traditionelle 5000 Jahre alte sado-masochistische Konstitution der Standeskultur ursächlich, so dass jede Feindschaft zwischen den Geschlechtern und den modernen Kultursystemen an der eigentlichen Problematik des heutigen Kulturmenschen vorbei geht.

Was dies bedeutet, kann nur der nachvollziehen, der begriffen hat, dass die sado-masochistische Verhaltenserkrankung keine Einbahnstrasse, sondern ein Teufelskreis, bzw. eine Teufelsspirale ist, deren Intensität immer weiter zunimmt und die ins Bodenlose tendiert. Erst wer die kulturellen Krisen der europäischen Geschichte als das Werk eines jeweils bodenlos entartenden Sado-Masochismus begreift, findet einen greifbaren Ansatz für das Verständnis der Kulturgeschichte und für eine Veränderung der Kultur.

Die meisten Menschen wissen heute, dass die sadistische Lust eine krankhafte absolutistische Lust an der Macht über alles fremde Leben ist. Nur die wenigsten Menschen sind sich jedoch darüber im Klaren, dass die masochistische Lust eine nicht weniger schwerwiegende Lusterkrankung ist, die durch eine absolutistische Kontrolle und Herrschaft eines Menschen über die eigene Existenz entsteht. Erst durch dieses Verständnis wird nachvollziehbar, weshalb sich die beiden Suchterkrankungen auf eine tragische Weise gegenseitig ergänzen und der sado-masochistische Beziehungs-Teufelskreis zwischen den Kulturherren und den Untertanen immer wieder bodenlos ausartet. Dies führt dazu, dass die Standeskultur in regelrechten Zeitabständen die natürliche Freiheit in der Kultur aufhebt, da eine solche Entwicklung sowohl die Unterstützung der sadistischen Herrenmenschen als auch der masochistischen Untertanen findet.

Diese tragische, weil überaus destruktive Entwicklung wird vor allem dann nachvollziehbar, wenn man die menschliche Suchterkrankung ernst nimmt. Wir wissen, dass viele Suchtentwicklungen dahin führen, dass für die Betroffenen weder die Gesundheit der anderen Menschen noch die eigene Gesundheit zählen, Hauptsache der Drogennachschub bleibt gewährleistet. Erst wer diese „Moral“ eines süchtigen Menschen begreift, kann auch nachvollziehen, wie gefährlich eine sado-masochistische Kulturentwicklung werden kann.

Es ist daher lebenswichtig geworden, dass der Mensch aktiv damit beginnt, sich selbst zu helfen. So lange der einfache Mensch ganz im Sinne einer sado-masochistischen Kulturpolitik auf einen Erlöser wartet, der das Problem lösen soll, während er dazu beiträgt, dass sich der sado-masochistische Beziehungs-Teufelskreis in der Kultur immer höher schraubt, steht er sich nicht nur selbst im Weg, sondern wird auch zu einer immer grösseren Gefahr für sich selbst. Diese Gefahr löst sich erst dann auf, wenn der Mensch einsieht, dass das sadistische und das masochistische Machtstreben letztlich tödliche Verhaltenserkrankungen des Menschen sind, da sie eine bodenlose und am Ende stets alles verheerende absolutistische Machtsucht kultivieren.

Von Anfang an gleicht das Leben eines Kindes in der Standeskultur einem ständigen ideologischen und emotionalen Hindernislauf und einer notorischen Beschäftigung mit den sozialen Beziehungsproblemen, welche die Standeskultur verursacht. Kinder sind anders als Tiere eine überaus lange Zeit sowohl körperlich als auch seelisch und geistig von ihren Eltern abhängig. Daher ist ihre Not innerhalb der Standeskultur eine Art Tortur, da sie weder ihre eigenen natürlichen Erwartungen an die Eltern erfüllt sehen, noch auch die Erwartungen der Eltern an ein Kinderglück erfüllen können.

Die Standeskultur als solche ist daher für den Menschen zu einem fortwährenden Unglück geworden, das der Mensch seit 5000 Jahren vor allem deshalb kultiviert, da er sich für seine sadistischen und masochistischen Verhaltensweisen in einer nahezu professionellen Weise blind stellt. Dadurch kann er auch heute nicht in einer hinreichenden Weise nachvollziehen, wie sehr die Standeskultur alle sozialen Beziehungen des Menschen auf eine nachhaltige Weise verstört.

Das notorische „Schicksal“ der Kinder und der Eltern einer Standeskultur lautet „mit wenig Empathie übernatürliches Leisten“. Vielen Kindern erwächst daraus bis heute die innere Überzeugung, dass sie unfähig, minderwertig oder schuldig sind. Eine solche Überzeugung fällt in der Regel später auf die eigenen Kinder zurück. Seit 5000 Jahren schafft es der Mensch nicht, dieses koordinierte generative Unglück aus der Welt zu schaffen, da er bis heute hartnäckig eine „positivistische“ Sichtweise der Kultur aufrecht erhält und gegenüber seiner eingeborenen Natur ein fundamentales Misstrauen nährt.

Erst wenn sich die Erwachsenen von heute von dieser Gewohnheit geistig so weit distanzieren, dass sie die grundlegenden Konsequenzen und Symptome der Standeskultur objektiv betrachten können, kann der Mensch eine reale Veränderung seiner Kultur erreichen. Vor allem der gezielte Abgleich der bisher gesammelten psychologischen Erkenntnisse mit den generellen psychischen Symptomen der Standeskultur kann das gegenwärtige verzerrte Kultur- und Weltbild des Menschen wieder ins Lot bringen.

Wolfgang Hauke

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