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Homophobe Gewalt in den Strassen von Zürich | Untergrund-Blättle

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Politik

Deutschrap-Szene versus E-Boys/E-Girls Homophobe Gewalt in den Strassen von Zürich

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Seit den Corona Massnahmen haben gewalttätige Übergriffe auf queere Menschen in der Limmatstadt in einem beachtlichem Masse zugenommen.

Party-Szene unter der Kornhausbrücke in Zürich, Mai 2021.
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Bild: Party-Szene unter der Kornhausbrücke in Zürich, Mai 2021.

27. September 2021
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Diese Gewaltspirale jedoch allein mit den Pandemiemassnahmen zu erklären, würde aber definitiv zu kurz greifen. Vielmehr wird hier auf altbekannte Ausgrenzungsmechanismen zurückgegriffen, die uns wohl leider noch für längere Zeit bschäftigen werden.

Seit einem Jahr häufen sich die Berichte von betroffenen Personen über das zum Teil äusserst brutale Vorgehen von gewissen Gruppierungen gegen Leute aus der LGBTQ-Szene in Zürich. Menschen, die sich auffällig kleiden und offen als homo- oder bisexuell orientierte Individuen zu erkennen sind, werden in der Dunkelheit in den Strassen von Zürich aufdringlich angegangen und zur Herausgabe ihrer Habseligkeiten gezwungen. Wird der Aufforderung nicht umgehend Folge geleistet oder gar Widerspruch erhoben, kommt es des öfteren zum Gewaltakt. Dabei gehen die Angreifer nicht zimperlich vor und es kommt immer wieder zu erheblichen Verletzungen der Gewaltopfer.

Kritische Anmerkungen zur Szene in der Party-Stadt an der Limmat

In Zeiten, in denen die Pride Parade grossen Zuspruch erfährt und die Ehe für alle schweizweit endlich legalisiert wurde, stellt sich natürlich die Frage, aus welcher Ecke die Aggressoren stammen und welche Motive diesen anachronistischen Attacken zu Grunde liegen.

Viele werden es schon erahnt haben. Wir sprechen hier von Leuten, die sich in der Deutschraphörer-Szene wohl fühlen und der HipHop-Gemeinde zuzuordnen sind. Nun ist es ja leider nicht wirklich neu, dass diese Gruppierungen zum Teil immer noch offen frauenfeindlich und homophob auftreten und diese Haltung unreflektiert zur Schau stellen.

Von der Kornhausbrücke über den Limmatplatz zur Europaallee

Angefangen haben die Troubles mitten im Lockdown der Pandemie, als sich Jugendliche, welche der E-Boy/E-Girl-Szene[1] zuzuordnen sind, unter der Kornhausbrücke beim Letten in grosser Zahl versammelt haben, um die Wochenenden durchzufeiern. Da damals faktisch noch ein Versammlungsverbot herrschte, war die Polizei für die friedliche Gemeinschaft, in der viele offen zu ihrer Andersartigkeit stehen, der erste Störenfried. Flucht vor den Bullen, Verstecken vor Kontrollen und Wegweisungen gehörte somit zum Alltag der Feiernden.

Doch damit nicht genug. Bald tauchten dort grössere Gruppen aus der Hip-Hop Szene auf, welche sich aggressiv gebärdeten und offenbar keinen Bock auf Dialog und Diskussion hatten. Nach anfänglichen Provokationen und Beleidigungen flogen schon bald die ersten Flaschen und es kam vereinzelt auch zu Schlägereien unter den Gruppierungen. Den naturgemäss friedliebenden E-Boys und E-Girls blieb nicht viel mehr übrig, als die Flucht nach vorne anzutreten und auf den Limmatplatz auszuweichen. Doch schon nach zwei Wochenenden tauchten auch dort streitlustige Leute auf, welche die Konfrontation suchten.

In den darauf folgenden Monaten wechselte die E-Szene gezwungenermassen erneut den Spot und versammelten sich nun neu bei der Europaallee. Das ging so lange gut, bis auch dort wieder Leute erschienen, denen die ausgefallene Kleidung und die tolerante Lebensweise der Jugendlichen missfielen. Es kam auch dort zu provokanten Übergriffen und die Szene musste erneut den Rückzug antreten. Momentan verhält es sich so, dass sich die Szene an den Wochenenden in der Stadt weitestgehend verstreut hat (niemand weiss genau wohin) und sich nicht mehr getraut, in grösseren Gruppen zu versammeln.

Seit Monaten werden nun diese kleineren, versprengten Fraktionen auf den Strassen ausgenommen und gewaltmässig angegangen. Jeder in der Gruppierung kennt mittlerweile Einen oder Eine, der eine solch bittere Erfahrung hinnehmen musste. So viel zur aktuellen Situation.

Strukturelle Frauenfeindlichkeit und Homophobie

Wie schon kurz erwähnt, ist die Tatsache, dass in Hip-Hop Kreisen eine frauenfeindliche oder heterosexsistische Haltung verbreitet ist, nichts wirklich Neues. Trotzdem soll diesem Phänomen hier ganz kurz auf den Grund gegangen werden. Dabei muss ausdrücklich erwähnt werden, dass diese Haltung in den letzten Jahren auch innerhalb der Szene immer mehr kritisiert wird und längst nicht alle Teile der Szene davon betroffen sind.

Einer der Auslöser zu einer stärkeren Reflektion mit dieser Problematik war dabei der gewalttätige Übergriff von Hardcore-Rapper GZUZ (187-Combo aus Hamburg) auf seine Ex-Freundin. Nachdem die Frau diesen Übergriff publik machte und aus der 187-Crew Insta-Posts auftauchten, welche die Attacke herunterspielten und damit häusliche Gewalt verharmlosten, brachte dieser Vorfall das Fass zum Überlaufen. In gewissen, einschlägigen Medien wurde zum Boykott von 187-Tunes aufgerufen und es wurde öffentlich gefordert, dass Rap-Songs mit frauenfeindlichen oder homophoben Texten nicht weiter toleriert werden sollen.

Inwieweit dieser Zwischenfall eine Umkehr in der Denke der jeweiligen Leute bewirkt hat, ist schwer zu sagen. Fakt ist jedoch, dass Rap-Songs und Videos mit offen frauenverachtend oder straight homophoben Texten deutlich abgenommen haben. Engagierten Künstlern wie dem Rapper Mimiks aus Luzern, Disarstar aus Hamburg oder Kafvka aus Berlin, welche sich in ihren Texten offen gegen Homophobie und Misogynie stellen, haben mit ihrem gesellschaftskritischen Deutschrap definitiv zu dieser leichten Trendwende beigetragen.

anonym

[1] Bei der E-Girl/E-Boy Szene handelt es sich um eine bunte Mischung von Jugendlichen, welche Elemente aus der Skater-, Anime-, Hip-Hop-, Gothic-, Emo-, und Rave-Kultur neu zusammensetzen und nach Belieben vermischen.

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