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Sabotage-Aktion im Bundesasyllager in Kappelen bei Lyss | Untergrund-Blättle

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Die Schweiz profitiert weiterhin von Ausbeutung und Zerstörung Sabotage-Aktion im Bundesasyllager in Kappelen bei Lyss

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In das momentan leerstehende Bundesasyllager in Kappelen bei Lyss wurde Anfang Februar 2020 eingebrochen und ein Wasserschaden verursacht um das Gebäude unbenutzbar zu machen. Wir konnten mit dem Kollektiv Wassertropf, welches verantwortlich dafür ist, ein Interview führen.

Lyss bei Bern.
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Bild: Lyss bei Bern. / Hawkeye29 (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

24. Februar 2020

24. 02. 2020

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Ihr habt vor Kurzem eine Aktion gemacht, um was für ein Gebäude handelt es sich?

Das Gebäude wurde bis gegen Ende des Sommers 2019 als Bundesasyllager ohne Verfahrensfunktion, also Ausschaffungslager, betrieben. Es wurde temporär geschlossen, weil die Zahl der Menschen im Asylprozess gerade relativ klein ist, da es viele Menschen momentan nicht über die EU-Aussengrenzen schaffen. Nun steht das Gebäude leer und daneben wird ein dazugehörender Neubau errichtet. In diesem Gebäude wurden Menschen in Halbgefangenschaft auf engem Raum festgehalten weil irgendwer ihr Leben als nicht würdig klassiert hat. Während dieser Zeit wird versucht möglichst viel Druck aufzubauen, so dass sie die Schweiz wieder verlasssen. Wer bleibt wird möglichst rasch ausgeschafft.

Wieso denn gerade ein Bundesasyllager?

Die Gesellschaft und das momentane System ist tief rassistisch und gewalttätig. Auf vielen verschiedenen Ebenen. Versuchen wir mal auf gewisse einzugehen, mit dem Wissen dass wir hier nicht annähernd eine vollständige Liste abliefern.

Der Wohlstand der Schweiz basiert auf der Kolonialgeschichte Europas. Die Schweiz hatte selbst zwar keine Kolonien, war aber wirtschaftlich, sowie kulturell Teil des Kolonialismus und verdankt der Ausbeutung ihren Reichtum. Ohne Rassismus hätte weder Kolonialismus funktioniert, noch würde die heutige neoliberale Wirtschaftsweise funktionieren. Rassismus ist tief verankert in der Gesellschaft, in der Politik und in der Wirtschaft. Die Schweiz profitiert auch weiterhin von der Ausbeutung und Zerstörung der Menschen und Ressourcen auf der ganzen Welt.

Während also die Grenzen der Länder für Geld und Güter noch so gerne geöffnet werden und Firmen die prekären Situationen in vielen Teilen dieser Welt durch miserable Arbeitsbedingungen und der Zerstörung der Umwelt in vollen Zügen ausnutzen, währendem immer wieder Kriege für Öl, anderen Ressourcen und Machtspiele geführt werden, werden die Grenzen rund um Europa abgeriegelt und mit den neusten Technologien militärisch überwacht. Diese gewaltvolle Politik ist verantwortlich für den Tod und Traumatisierung tausender Menschen. In dieses System gehört auch die Asyl- und Ausländer*innenpolitik der Länder Europas. Die Schweiz hat eine Maschinerie geschaffen, die die asylsuchenenden Menschen zermalmt, einsperrt, abschreckt und ausbeutet. Sie beansprucht das Recht Leben in würdig oder nicht einzustufen. Es ist eine diskriminierende Politik und durch nichts zu rechtfertigen.

In einem Bundeslager werden Menschen eingesperrt und vom Rest der Gesellschaft isoliert. Sie werden als Billigstarbeitskräfte eingesetzt und es wird Profit aus den Menschen geschlagen. Zum Teil wird für eine Stunde Arbeit 3 Franken bezahlt. Menschen werden nicht als selbstbestimmende, lebende Individuuen angeschaut, sondern als Objekte verwaltet. Normalerweise müssen die Menschen im Lager 16 Stunden am Tag hinter den Zäunen verbringen und dürfen weder kochen, noch sich einrichten. Dazu kommt die tägliche Demütigung und Machtspiele der Wächter*innen der Securitas. Regelmässig werden Menschen verprügelt, die sich für ihre Würde einsetzen. Die Behörden wollen neu auch eine Videoüberwachung des Aussenbereichs und aller Eingänge aufbauen, um ihre Kontrolle zu perfektionieren.

Die Bundeslager sind eine der neusten Auswüchse dieser Politik. Seit rund einem Jahr befinden sie sich nicht mehr nur in der Testphase, sondern sind offizieller Teil der Asylpolitik. Diese Lager verstärkten die Isolierung und Einsperrung der Menschen noch weiter.

Und wieso wählt ihr gerade diese Aktionsform?

Es gibt viele verschiedene Handlungen die tagtäglich gegen diese Politik, gegen den Rassismus und die Ausbeutung gemacht werden. Sie alle sind wichtig und nur in Verbindung miteinander wirksam.

Für diese Aktion haben wir eine direkte Form gewählt. Wir haben uns dazu entschieden das Gebäude, in dem Menschen eingesperrt werden, zu beschädigen. Es ist ein direkter Angriff auf einen Ort der Diskriminierung. Der reibungslose Ablauf wird unterbrochen, die Durchführung der menschenverachtenden und profitorientierten Politik erschwert.

Dabei kam keine unbeteiligte oder sogar eingesperrte Person zu Schaden, was uns sehr wichtig ist. Zum Zeitpunkt der Sabotage war das Gebäude leer und unbenutzt.

Wir haben weder Vertrauen in die Parteien, noch wollen wir die Verantwortung und Handlungsfähigkeit in die Hände dieser geben. Die Parteien sind Teil der rassistischen Politik, sie sind eine zentrale Stütze dieses Systemes. Dabei spielt es kaum eine Rolle ob es sich um eine SP oder SVP handelt, die letzten Verschärfungen des Asylgesetztes wurde massgebend von der SP gefördert und von den grossen NGOs mitgetragen. Wir finden es wichtig, dass wir alle die Verantwortung und die Bestimmung über unsere Leben und unsere Handlungen übernehmen können und wir einen achtsamen und solidarischen Umgang miteinander erlernen können.

Wir wollen die herrschenden Zustände zerstören, es darf sich nicht mehr rentieren Menschen auszunutzen, es darf keinen Profit mehr aus der Einsperrung und Stigmatisierung der Menschen entstehen, es soll nicht mehr möglich sein, dass einige wenige über den Rest der Menschen bestimmen. Somit war diese Sabotagehandlung eine von vielen möglichen Handlungen, die nötig ist um in Richtung einer möglichst gewaltarmen, solidarischen und selbstbestimmten Gesellschaft zu gehen.

pm

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