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Die Ereignisse rund um die Ermordung Der zweite Tod der Rosa Luxemburg

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Bis heute wird verschwiegen: Waffenbauer Emil G. Bührle hat als junger Offizier 1919 in Berlin die Ermordung indirekt ermöglicht.

Rosa Luxemburg, 1910.
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Bild: Rosa Luxemburg, 1910. / Unknown (PD)

5. Februar 2019

5. Feb. 2019

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Am 15. Januar 1919 wurde die Linkssozialistin, Antimilitaristin und Vordenkerin Rosa Luxemburg durch Offiziere unter dem Kommando des Freikorpsführers Waldemar Pabst ermordet. Ihre Leiche wurde in den Berliner Landwehrkanal geworfen.

Hundert Jahre später wurden im Zusammenhang mit diesem Ereignis auch in der Schweiz Artikel veröffentlicht. Im «Tagesanzeiger» wurde etwa beschrieben, wie sie hier den gebürtigen Deutschen Gustav Lübeck kennenlernte, den sie aus Zweckmässigkeit heiratete um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. Die «NZZ» wiederum widmete unter dem Titel «Asyl für einen Nazi-Verbrecher» Waldemar Pabst einen Text. Pabst hat sich, als sich die Niederlage des Dritten Reiches abzeichnete, in die Schweiz abgesetzt und konnte sich dank der Protektion einflussreicher schweizerischer Figuren der drohenden Festnahme durch die Allierten entziehen.

In linken Publikationen wie «Wochenzeitung» (woz) und «work» wird mit entsprechenden Positionsbezügen das Wirken Luxemburgs gewürdigt. Während in der «woz» Juso-Präsidentin Tamara Funiciello Luxemburgs Kampf gegen alle Formen der Unterdrückung beschrieb, stimmte «work» in einem fingierten Interview («Exklusiv-Interviews mit Toten») das hohe Lied von der Revolution an – unter dem Titel «Die Revolution ist grossartig, alles andere ist Quark». Dies, obwohl sich Luxemburg gegen die gewaltsame Erhebung in den 1919er Jahren wandte.

Gewaltsames Vorgehen der Freikorps

Nach der Niederlage Deutschlands im ersten Weltkrieg geriet das bisher herrschende Regime unter Druck. Es kam zu Auseinandersetzungen, die zunehmend gewalttätiger wurden. Federführend waren dabei die Freikorps, die einerseits aus zurückkehrenden, arbeitslosen Soldaten bestanden und andererseits auch Soldaten rekrutierten, die gegen – so das Argument – linken Terror kämpfen wollten.

Der deutsche Historiker Hans U. Wehler schrieb zu dem gewaltsamen Vorgehen der Freikorps: «Abseits der Haager Landkriegsordnung folgten sie ihren eigenen brutalen Regeln und einem verstiegenen Macho-Ehrenkodex, der sie vor Mord, Gefangenenerschiessung und Folter nicht zurückschrecken liess.» Wer sich damals in einem grausamen, willkürlichen Kampf gegen den herbeiphantasierten roten Terror engagierte, wurde zum Teil einer verschworenen Bruderschaft, deren Treue die politische Grundlage für das kommende Dritte Reich bildete. Der rücksichtslose, gesetzlose Tabubruch zur Durchsetzung der Macht des herrschenden Bürgertums vereinte dessen Söldner.

Die Ereignisse rund um die Ermordung von Rosa Luxemburg warfen auch ihre Schatten in die Schweiz. Davon steht allerdings wenig in der hiesigen Presse – abgesehen davon, dass die bereits seit längerem bekannten Unterstützer Pabsts in der «NZZ» genannt werden. Einer der jungen Offiziere, der ebenfalls eine verantwortliche Position in einem anderen Freikorps innehatte, sich an der brutalen Niederwerfung des Arbeiter-Aufstandes beteiligte und später zum reichsten Schweizer wurde, wird nicht erwähnt: Emil G. Bührle, Gründer der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon und über Jahrzehnte grösster Waffenproduzent der Schweiz. Nicht zuletzt wegen dem forschen Vorgehen von dessen Einheit gegen die Linken konnte Pabst Rosa Luxemburg ermorden und musste mit keinen Konsequenzen rechnen: Unter dem Kommando des Generals von Roeder marschierte er als Kommandant der Stabswache – also als Adjutant des Generals – in den Anfangswochen des Januars 1919 in Berlin ein. Bührles Kompanie hatte sich als einzige Einheit des Bataillons dem freiwilligen Landesschützenkorps Roeders angeschlossen.

In der Regimentschronik wird über den Einmarsch in Berlin vom 15. Januar 1919 berichtet (andere Quellen sprechen von einem anderen Zeitpunkt des Vormarschs). Nachdem die Aufstellung von Korps und anderen Freiwilligenverbänden bereit war, habe der Einmarsch begonnen: «Zunächst wurde die Südhälfte der Riesenstadt bis zur Spree, einige Tage später auch die Nordhälfte, teilweise nach blutigen Kämpfen mit den Aufrührern, besetzt. Im Einmarschstreifen des Landesschützenkorps bildeten das «Vorwärts-Gebäude, die Reichsbank und der Marstall wichtige Punkte....».

Geheime Aufrüstung in Deutschland

Als mit dem Versailler Vertrag nach dem ersten Weltkrieg die Aufrüstung Deutschlands untersagt wurde, formierte sich vor allem aus dem Umfeld der Freikorps-Offiziere eine Bewegung, die eine geheime Militäraufrüstung vorantrieb. Sie führte auch zur Gründung oder Übernahme von Waffenfabriken im Ausland. Emil G. Bührle war einer dieser ehemaligen Freikorps-Offiziere, der durch die Übernahme einer Fabrik in Oerlikon half, die Aufrüstung Deutschlands in der Zwischenkriegszeit voranzutreiben. Es war nur folgerichtig, dass Pabst später immer wieder in die Dienste Bührles trat. Dabei bestanden in der Zwischenkriegszeit die gleichen personellen Verschiebungen zwischen den grossen Rüstungsproduzenten und -entwicklern (Rheinmetall/Bührle/Waffenfabrik Solothurn) wie bei den Konstrukteuren der jeweiligen Waffen, die laufend von einem Unternehmen zum anderen wechselten.

Noch im August 1943 rechtfertigte Pabst seinen Aufenthalt in der Schweiz mit dem Hinweis, dass er «im Auftrag des deutschen Reichsluftfahrtministeriums (Göring) und des Wehrmachtministeriums (Thomas) Schweizer Firmen aufsuchen müsse. Dabei erwähnte er prominent auch die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon. Später führte Pabst in Projektentwürfen für eine faschistische Internationale Bührle als möglichen Financier auf.

Pabst gilt heute als «faschistischer Verbrecher, Waffenschieber und Putschist» und als Mörder von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (NZZ). Aber im Zusammenhang mit ihm taucht der Name Emil G. Bührle in den zeitgenössischen Besprechungen nicht auf. Es ist, als ob es diese enge ideologische Verbundenheit zwischen dem «faschistischen Verbrecher» und dem ehemaligen Freikorpsoffizier nie gegeben hätte. Das ist verständlich, meint doch beispielsweise die Kulturredaktion des «Tagesanzeigers» im Zusammenhang mit dem Neubau des Kunsthauses: «Bührle gehört mittlerweile zur Stadt».

So stirbt Rosa Luxemburg in der Schweiz gewissermassen ein zweites Mal, da einer der Flankenschützer des Mörders hier zu Ehre und Ruhm gelangt. Wem diese Schweizer Amnesie geschuldet ist, kann man nur vermuten. Könnte es sein, dass so wie damals der sozialdemokratische Politiker Gustav Noske dem Mörder von Rosa Luxemburg stillschweigend den Rücken freihielt, heute in Zürich unter der Herrschaft der Sozialdemokraten wieder eine ähnliche Mentalität sich breit macht? Lieber Vergessen oder Überdecken als sich den Widersprüchen zu stellen?

Wolfgang Hafner / Infosperber

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