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Präsident Mujicas Rede an der 68. Generalversammlung der Vereinten Nationen | Untergrund-Blättle

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Legendäre Ansprache bei der 68. Generalversammlung der Vereinten Nationen Präsident Mujicas Rede

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Uruguays Präsident Jose Mujica hielt bei der 68. Generalversammlung der Vereinten Nationen am 24. September 2013 eine legendäre Ansprache.

José Mujica mit Cristina Fernández, Präsidentin von Argentinien.
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Bild: José Mujica mit Cristina Fernández, Präsidentin von Argentinien. / Casa Rosada (Argentina Presidency of the Nation) (CC BY-SA 2.0 cropped)

29. September 2013

29. 09. 2013

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Der Präsident von Uruguay Jose Mujica, ehemaliger Guerillero, ärmster Präsident der Welt (da er 90% seines Einkommens spendet) und erster südamerikanischer Regierungschef, der den Handel, Konsum und Anbau von Marihuana in seinem Land legalisiert hat, hielt eine legendäre Rede bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen.

Hier der erste Teil seiner Ansprache aus einer Übersetzung aus dem Englischen:

"(...) Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, für Toleranz zu kämpfen. Toleranz ist existenziell (...) Toleranz ist das Fundament friedlicher Koexistenz und des Verständnisses, dass wir verschieden sind. (…) Wir haben die alten immateriellen Götter geopfert, und nun beanspruchen wir die Tempel des Markt-Gottes.

Ein Gott, der unsere Wirtschaft organisiert, unsere Politik, unsere Gewohnheiten, unser Leben; der uns sogar mit Kreditkarten und Preislisten ausstattet und uns mit dem Schein von Glück versorgt. Es scheint, als wären wir nur zum Konsumieren geboren und wenn wir nicht mehr konsumieren können, haben wir das Gefühl von Frustration, leiden an Armut und sind ausgegrenzt. (...)

Wenn wir danach trachten so viel wie der Durchschnittsamerikaner auszugeben, dann werden wir drei Planeten brauchen, um leben zu können. (…) Unsere Kultur ist zu einer Kultur der Akkumulation und des Marktes verkommen. Wir verbringen unser Leben verschwenderisch. Tatsächlich ist dies ein Countdown gegen die Natur und gegen die Zukunft der Menschheit; gegen die Ursprünglichkeit, gegen die Schlichtheit, gegen alle Naturkreisläufe - und das Schlimmste - eine Zivilisation gegen die Freiheit. Dabei übersehen wir das Grundlegenste. Wir brauchen Zeit, um menschliches Verhalten zu erfahren: Die wichtigsten Dinge, wie Liebe, Freundschaft, Erlebnisse, Solidarität, Familie.

Wir leben in einer Zivilisation gegen die Freizeit, die nicht bezahlt und nicht gekauft werden kann und die uns erlauben würde, die Schönheit der Natur zu bewundern. Wir haben die Urwälder zerstört, die grünen Wälder, die wahren Wälder; und wir haben anonyme Zementwälder geschaffen. (...) Sind wir glücklich, oder sind wir weit weg vom Menschsein? Wir müssen uns diese Frage stellen! Wir sind vor unserer Biologie geflohen, die Leben um des Lebenswillens vorsieht, als ein hehrer Grund an sich selbst - und wir haben sie ersetzt durch funktionellen Konsumismus und materielle Anhäufung.

Was uns geblieben ist, ist eine Politik, die als Ehefrau des Weltmarktes fungiert. (...) Entfesselt marschiert die Menschheitsgeschichte voran - alles kaufend und verkaufend. Alles wird vermarktet (…) Das Marketing nimmt selbst Kinder ins Visier und deren Psychologie, um sie zu beeinflussen, wenn sie älter sind und um für die Zukunft sein Terrain zu sichern. (...)

Übersetzung aus dem Englischen: Vedran Saric

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