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Akademikerball: Die Weltanschauung von Burschenschaften | Untergrund-Blättle

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Sexistische Männerbünde zerschlagen! Akademikerball: Die Weltanschauung von Burschenschaften

Politik

«Bist Du normal geblieben, sind Political Correctness und Genderwahn spurlos an Dir vorbeigezogen?» (15 Dann bist du Mitglied der Burschenschaft Olympia, welche vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuft wird. Ausserdem bist du ein Sexist!

Demonstration gegen das Burschenschafter-Treffen in der Hofburg, Wien, November 2009  Christian Lendl
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Bild: Demonstration gegen das Burschenschafter-Treffen in der Hofburg, Wien, November 2009 / Christian Lendl (CC BY-SA 4.0 cropped)

24. Januar 2015
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Korrektur
Der Weltanschauung von Burschenschaften zufolge soll eine biologistisch argumentierte binäre Unterteilung der Geschlechter die natürliche Ordnung der Gesellschaft gewährleisten. Dieser Argumentationslinie folgend werden Frauen* per se ausgeschlossen – ausser wenn sie als "Couleurdamen", als schmucke Ballbegleitung der Männer*, fungieren oder deren traditionsreiche Veranstaltungen organisieren und planen. Generell werden sie allerdings so gut wie immer abgewertet. Viel zu gross ist der Drang auf der Bude "unter sich" zu sein – einem Ort, an dem sogenannte "Altherrenwitze" und das dem starren Männlichkeitskonstrukt folgendem Mensurfechten gang und gäbe sind. Männer*(2), so heisst es, haben demnach Disziplin, Rationalität, Mut und Stärke auszustrahlen. Frauen* wiederum können ihrer eigenen Emotionalität und den weiblichen fürsorglichen Empfindungen nicht "Herr werden" und werden in eine passive Rolle gedrängt.

Reaktionäre Geschlechterrollen, die auch in der "Mitte der bürgerlichen Gesellschaft" stets Anerkennung finden, werden somit aufrecht erhalten und reproduziert. Dies findet auch seinen Ausdruck in der Intoleranz gegenüber Homosexualität, Intersex*- und Trans*personen und der Ablehnung und Abwertung aller Lebensstile und Geschlechtervorstellungen, die nicht ihrer konservativen, binären, heteronormativen Ideologie entsprechen. So wird auch Gendermainstreaming (politisches Instrument zur beruflichen und gesellschaftlichen Gleichstellung der Geschlechter), z.B. von Barbara Rosenkranz (FPÖ, Mitglied der sudetendeutschen Damengilde Edda) als eine Forcierung der Kinderlosigkeit, des Werteverfalls und einer beängstigenden Bedrohung für die abendländische Kultur angesehen und eine marxistisch-feministische Verschwörung befürchtet.(3)

Frauen*verbindungen- alles andere als progressiv

Viele Burschenschafter entgegnen dem Sexismusvorwurf gerne, dass es doch auch (nichtschlagende) Mädel- und Frauenschaften sowie Damenverbindungen gäbe. Diese stehen allerdings nicht für weibliche Selbstbestimmung, Emanzipation und progressives Denken. So fungiert der Terminus der "Dame", genauso wie der des "Herren", als elitäre Abgrenzung gegenüber den als gesellschaftlich untergeordneten angesehenen Schichten und bestärkt auch die binäre Verteilung der Geschlechter im Sinne der Verbindungen. Sexismen können auch von Frauen* verinnerlicht werden, was sich darin äussert, dass sie sich selbst dem chauvinistischen Frauenbild ihrer männlichen Kollegen unterordnen. Sie distanzieren sich explizit vom Feminismus, den sie ablehnen, und reproduzieren aktiv frauenfeindliche Geschlechterrollen. Auch ihnen sind selbstverständlich Antisemitismus, völkisch-nationalistisches Gedankengut, Rassismus, Homo- und Transphobie sowie Sexismus kein Fremdwort.

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Fussnoten:

(1) http://olympia.burschenschaft.at/, 22.01.2015

(2) Das Sternchen dient dem Zweck, Personen sprachlich sichtbar zu machen, die sich männlich* oder weiblich* fühlen – egal, ob dies ihrem biologischen Geschlecht entspricht oder nicht.

(3) Juditz Götz: "Natürliche Geschlechterordnung". Geschlechtsblinde Schwachstellen der (österreichischen) Rechtsextremismustheorie, in: Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Hg.): Wissenschaft von Rechts. Rechte Ideologie, Theorie und Netzwerke an Hochschulen, S. 9 - 12, S. 10.

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