UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Linksunten: Die Autorität der Antiautoritären | Untergrund-Blättle

739

Kommentare aus dem Niemandsland Linksunten: Die Autorität der Antiautoritären

Politik

Der nachfolgende Artikel thematisiert die Löschung von Beiträgen auf der Internetplattform linksunten.indymedia.org. Auch dieser Text wurde konsequenterweise nach 20 Minuten wieder vom Portal entfernt.

Crash Test im Naval Reserve Center von Detroit.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Crash Test im Naval Reserve Center von Detroit. Foto: PD

1. Dezember 2014
1
0
3 min.
Drucken
Korrektur
“Sie brauchen nur zu sagen, dieser oder jener Akt sei autoritär, um ihn zu verurteilen.” Das schrieb 1872 Engels über die Antiautoritären, die historische Vorform der Rudi Dutschkes und der Linksunten-Moderatoren. Letzte praktizieren noch heute die Identifikation als Kritik, glauben mit der Markierung einer Position als autoritär müsse die Debatte bereits beendet sein: “Bitte hör auf Gegenstandpunkt-Propaganda und -Termine zu posten. Wir verstecken Postings autoritärer Gruppen und der Gegenstandpunkt gehört für uns dazu.” (1)

Die Überordnung des eigenen Willens über den eines Anderen: Autorität, wie sie von den Linksunten-Moderatoren abgelehnt wird, praktizieren diese selbst. Indem sie ihre Stellung als linksradikales schwarzes Brett dazu benutzen, einiges an Veranstaltungen unsichtbar zu machen. Das Löschen von Postings ist die Autorität der Antiautoritarier über die Autoritären.

Dabei soll auf keinen Fall der Eindruck erweckt werden, Autorität wäre – wie es die Antiautoritarier von Linksunten unterstellen – derart zu verurteilen, dass die Markierung als “autoritär” schon ausreicht als Kritik. Es soll nicht unter Wahrung des Dogmas hier der müssige Versuch geführt werden, nun die Moderatoren von Linksunten als eigentlich Autoritäre zu überführen. Viel mehr soll kurz dargelegt werden, dass der Ausschluss der als ‘autoritär’ identifizierten Gruppen von dem Widerspruch lebt, jenen etwas zu Unterstellen, was man mit dem Ausschluss selbst praktiziert. Die Notwendigkeit autoritär zu handeln wird also ausgerechnet gerechtfertigt mit dem autoritären Verhalten der Gruppen.

Deswegen ist es nicht ohne Charme, wenn das Portal der Mülltonnenzündler und Steineschmeisser in einer Veranstaltungsreihe aus Workshops und Vorträgen (2) jenes autoritäre Prinzip entdecken, dass ihnen bei ihrem eigenen Ziel – immerhin eine Plattform der ‘revolutionären Linken’ will Linksunten sein – wohl entgeht. Schon Engels wusste von diesem Widerspruch: “Haben diese Herren nie eine Revolution gesehen? Eine Revolution ist gewiss das autoritärste Ding, das es gibt; sie ist der Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung dem anderen Teil seinen Willen vermittels Gewehren, Bajonetten und Kanonen, also mit denkbar autoritärsten Mitteln aufzwingt”.

Die Antiautoritarier sind sich selbst also in ihrer übergrossen Mehrheit durchaus bewusst, dass ihr Dogma gegen die Autorität in der Praxis nicht viel Wert ist und sich nur gegen seinen Inhalt durchsetzen lässt. Das hindert sie überhaupt nicht daran mit grossem Eifer und Selbstbewusstsein sehr autoritär und damit gegen ihr eigenes Dogma eben dieses an seinen Kritikern zu exerzieren. So wird der Einsatz der eigenen Autorität gerechtfertigt durch die Behauptung, der andere sei autoritär.

Wer ein Interesse daran hat, eine Debatte über die Autorität und ihre Rolle in der Linken zu führen, müsste als erstes verstehen, dass die Kritik einer Position – autoritär oder antiautoritär – etwas anderes ist als die Unsichtbarmachung anderer Positionen. Diese Praxis setzt schlicht autoritär die eigene Position durch und liefert niemandem auch nur ein Argument, den eigenen Standpunkt zu übernehmen.

Berthold Beimler

(1) E-Mail an den Autor

(2) Wer sich trotz dem Bann über die ‘autoritären Gruppen' über die Veranstaltungsreihe informieren will sei auf www.antikapitalismusbw.blogsport.de hingewiesen.

Mehr zum Thema...
Indymedia Logo
Bericht der FreundInnen von Indymedia Schweiz zu den StrafanzeigenStrafanzeigen gegen Indymedia

20.04.2002

- Die Strafanzeige der Aktion Kinder des Holocaust (AKdH) kann sich bisher nur auf vermutliche RedakteurInnen und ModeratorInnen von Indymedia stützen, weil es die in diesem Sinne verantwortlichen Personen gar nicht gibt.

mehr...
Innenminister de Maizière auf der Pressekonferenz zum Linksunten-Indymedia-Verbot.
Wahlkampfmanöver in DeutschlandInnenminister verbietet Linksunten Indymedia

25.08.2017

- Mitten im Wahlkampf verkündet das Bundesinnenministerium das Verbot der linken Plattform.

mehr...
Der Maoismus und China heute.
Rezension zum Buch von Henning Böke über den MaoismusDer Maoismus und China heute

21.01.2016

- Zur Auseinandersetzung mit der Philosophie des Maoismus sowie mit China allgemein findet sich in der Theorie.org Reihe ein Buch aus dem Jahre 2007, das den Weisheiten von Mao durchaus einiges abgewinnen kann: Dass eine bestimmte Denkmethode der richtigen Erkenntnis des Kapitalismus vorausgesetzt sei, ist dabei die Annahme des Autors.

mehr...
Journalist*innen im Fokus; Solidarität mit Medium „indymedia linksunten“

06.10.2018 - Ein Jahr nach dem Verbot der linksradikalen Plattform "indymedia linksunten“ ermittelt die Polizei nun gegen drei Berliner Journalist*innen. Diese hatten ihre Solidarität mit dem Portal erklärt. (Quelle: sozialistische Zeitung „Neues Deutschland“ v. 28.Sept 2018) Dazu ein Gespräch mit einem Betroffenen.

Kritik an Verbot verboten? Ermittlungen gegen bekennende Indymedia-Autor*innen

04.10.2018 - Im August 2017 erklärte das Bundesinnenministerium bekanntlich Indymedia Linksunten zu einem Verein und verbot diesen kurzerhand. Detlef Georgia Schulze, Peter Nowak und Achim Schill sind drei von vielen Nutzer*innen, die auf linksunten.indymedia.org publiziert haben.

Dossier: Klassismus
Helgi Halldórsson
Propaganda
Your Authority is Void

Aktueller Termin in Düsseldorf

Sonntagsfrühstück!

Ob süss oder herzhaft, kleiner Appetit oder grosser Hunger – unser Frühstück bietet dir eine grosse Auswahl an leckeren Köstlichkeiten. Knusprige Brötchen, selbst gebackenes Bio-Brot, vegane Aufstriche, Müslis, Obst u.v.m. Such aus, was ...

Sonntag, 29. Januar 2023 - 10:00 Uhr

Zakk, Fichtenstraße 40, 40233 Düsseldorf

Event in Toulouse

Goûter dub autour de la présentation du fanzine Blackboard Jungle

Sonntag, 29. Januar 2023
- 15:30 -

La Chapelle

36 Rue Danielle Casanova

31000 Toulouse

Mehr auf UB online...

Bandits' Roost, 59 1/2 Mulberry Street 1888.
Vorheriger Artikel

Thorsten Fuchshuber: Rackets

Die Herrschaft der Banden

Frauenkampftag in Wintertur, März 2022.
Nächster Artikel

Talk about our demmonstrations

Demos und ihre Funktionen

Untergrund-Blättle