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Links- und Rechtsextremismus: der Schrecken der Demokratie | Untergrund-Blättle

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Links- und Rechtsextremismus Der Schrecken der Demokratie

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Linksextremisten erforschen war der Auftrag den „ein Forscherteam der Freien Universität Berlin unter Leitung von Professor Klaus Schroeder“ (1) ausführen sollte.

24. Februar 2014

24. 02. 2014

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Auf ein paar hundert Seiten werden die Forschungsergebnisse zusammengefasst, ‚die Welt‘ und ‚die Zeit‘ veröffentlichen je einen Artikel zum Thema. Das Ergebnis:

1.) ‚Die Zeit‘ sieht das Phänomen dialektisch: „Ansätze linksextremen Denkens sind weit verbreitet, zeigt eine Studie. Warum das kein Problem ist und wir uns trotzdem sorgen müssen [!?!]“ (2) Das schlimmste an dieser linken Denke der Leute: Es ist „in der Mehrheitsbevölkerung angekommen – ohne dass diese es als linksextrem assoziieren würde“ (2). Und weil ein Demokrat Linksextreme nicht kritisiert – also den Gedanken nach Fehlern absucht und argumentativ widerlegt – kommt es viel mehr darauf an, den Leuten klar zu machen, dass sie da gerade einen ‚Linksextremen Gedanken‘ haben, und das sich natürlich nicht gehört.

So sieht dann demokratische Aufklärung aus: Es wird ein Index an Gedanken aufgestellt, die sich nicht gehören und überprüft, wer alles ungehörig denkt: „Aus diesen Einstellungen haben wir dann eine Linksextremismus-Skala gebildet, analog zur Rechtsextremismus-Skala, die verschiedene Aspekte abfragt. […]Als linksextrem gilt jemand, der 15 bis 20 Fragen zustimmend beantwortet.“ (2) So wissen die Leute hoffentlich bald wenn sie ein Urteil über eine Sache haben, dass sich nicht gehört weil Extremistisch!

Für diesen Zweck entwickelte das Forscherteam ein Verfahren, wie Linksextreme zu erkennen sind: „Tief verwurzelte Ausländerfeindlichkeit zum Beispiel beobachten fast 50 Prozent unserer Befragten. Ein harter Linksextremist geht aber weiter und sagt: Die deutsche Ausländerpolitik ist rassistisch.“ (1) Ob sie rassistisch ist oder nicht steht also gar nicht zur Debatte: Wer es behauptet, ist auf jeden Fall Linksextremist – zumindest wenn sich „ein Muster“ (1) erkennen lässt…

2.) Die demokratische Propaganda vom besten aller Herrschaftssysteme funktioniert derart gut, dass sich die Bürger der Bundesrepublik ihre schlechte Lage als Hartz IV, Niedriglohnarbeiter oder prekärer Angestellter nicht als Ergebnis, sondern nur als Abweichung von der Demokratie vorstellen können: „Eine absolute Mehrheit ist der Meinung, dies sei keine “echte” Demokratie, weil der Einfluss der Wirtschaft zu gross sei.“ (1) Die Politologen freuen sich allerdings nicht darüber, dass selbst die Kritik an der real existierenden Demokratie noch die Form ihrer Einforderung hat, sondern werden missmutig:

3.) „Kein Wunder“ sei es bei dieser Einschätzung, „Kein Wunder, dass auch jeder fünfte Deutsche für eine “Revolution” plädiert“ (1). Und eines ist klar: „Wenn die pluralistische Demokratie abgelehnt wird, ist für uns Feierabend.“ (2) Was genau da von wem für welche Zwecke abgeschafft werden soll haben die Forscher lieber nicht gefragt, sonst würde sich auch das gewünschte Ergebnis nicht mehr so einfach erreichen lassen:

4.) Links- und Rechtsextremismus liegen gar nicht so weit auseinander! „es kann zu Überschneidungen mit rechtsextremen Einstellungen kommen, wie bei der von Medien aufgegriffenen Ansicht von fast 20 Prozent, dass wir eine Revolution bräuchten.“ (2) Es wäre nun auch wirklich müssig zwischen klassenloser Gesellschaft und faschistischem Volksgemeinschaft zu unterscheiden.

„Aktuell äussert sich dieses Phänomen am Beispiel der Putin-Begeisterung, die von rechts bis links zu beobachten ist – von Marine Le Pens Front National bis zur deutschen Linkspartei, von der linken Autonomenszene bis zur Altherrenriege der AfD.“ (1) Zu vernachlässigen: Ob man das offiziell ausgerufene Feindbild nicht teilt oder sich eine härtere Führung wünscht.

„Und in Neukölln demolierte die Antifa eine Apotheke, deren Besitzer die “Pille danach” nicht verkaufen wollte. Wären es Rechtsextreme gewesen, hätten die Medien von einem SA-Trupp berichtet, der sich früher auf jüdische Apotheken konzentriert hätte.“ (1) Was für eine Verharmlosung der Linksextremisten! Wären sie Nazis gewesen und hätten sie die Apotheke angegriffen, weil die Besitzer Juden sind, dann hätte man parallelen zum Faschismus gezogen; aber nur weil sie Linke waren und nichts gegen Juden haben sondern für das Selbstbestimmungsrecht der Frau eintreten, werden sie einfach nicht als SA bezeichnet!

Berthold Beimler

Fussnoten:

(1) http://www.welt.de/politik/deutschland/article137728701/Mehrheit-vermisst-in-Deutschland-echte-Demokratie.html

(2) http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-02/demokratie-linksextremismus-studie-klaus-schroeder-fu-berlin-interview

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