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Das Katz-und Maus-Spiel ist vorbei – Ein Diktator demaskiert sich selbst | Untergrund-Blättle

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Und nun hat er es doch getan Das Katz-und Maus-Spiel ist vorbei – Ein Diktator demaskiert sich selbst

Politik

Am 8. Mai 1945 war der 2. Weltkrieg zu Ende und das Land, das diesen grausamen Krieg angezettelt hatte, es lag in Schutt und Trümmern.

Putin und Macron, Februar 2022.
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Bild: Putin und Macron, Februar 2022. / Kremlin.ru (CC BY 4.0 cropped)

28. Februar 2022
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Mit über sechzig Millionen Toten gehörte dieser Krieg zu den grössten jemals von Menschenhand verursachten kriegerischen Katastrophen in der Geschichte der Menschheit. In allen Ländern auf dem Planeten stand fest, dass es einen solchen Vernichtungskrieg, in den fast die gesamte Welt eingebunden und zum Opfer geworden war, nie wieder geben darf.

Das schworen nach Kriegsende auch die Deutschen (also die Täter und deren Nachkommen) in den beiden danach entstandenen und so unterschiedlichen deutschen Staaten. Seit sechsundsiebzig Jahren, neun Monaten und vierzehn Tagen lebten wir also (zumindest in Europa) im Frieden.

Das war unser aller Glück und zugleich kann es aber auch die Ursache sein für das, was nun gerade in der Ukraine geschieht: Ruhe macht nämlich unbeweglich, schläfert ein, lässt den Wunsch aufkommen, dass es immer so friedlich bleiben und ein alles wieder zerstörenden Krieg einfach nicht mehr geben möge. Wunschträume nennt man das, sie spielen sich zumeist am Rande der Realität ab und vernebeln die Vernunft.

Gewiss, immer wieder gab es Krisen, Konflikte, mal kleine, mal etwas grössere, Besorgnis auslösende Katastrophen und vieles mehr, doch der Frieden in Europa war nicht ernsthaft in Gefahr.

Und nun haben wir seit dem 24. Februar 2022 wieder Krieg, Krieg in der Ukraine, Krieg vor den Toren Zentraleuropas, einen von Wladimir Putin ausgelösten Krieg, der sich zu einem 3. Weltkrieg erweitern könnte. Über fünfhunderttausend Ukrainer (vorwiegend Frauen, Mütter mit ihren Kindern und älteren Männern) befinden sich aus Angst um ihr Leben auf der Flucht gen Westen, suchen Schutz in Polen, Rumänen, Tschechien, Ungarn und in der Slowakei. Diese Flucht kann man auch Vertreibung nennen, die sich möglicherweise bereits in wenigen Tagen in einen Exodus biblischen Ausmasses verwandeln könnte, denn der Putin-Krieg vertreibt immer mehr Ukrainer aus ihrer Heimat. Allein dafür gehört der Kreml-Chef vor ein internationales Gericht gestellt.

War also all das, was sich zwischen 2014 bis heute in Russland, in Europa und den USA auf der diplomatischen Ebene abgespielt hat nur ein Spiel mit gezinkten diplomatischen Karten und zugleich auch ein verschämtes Wegschauen von und vor brisanten politischen Entwicklungen auf der Weltbühne, die sich da unübersehbar als Vorboten bemerkbar machten, doch vom Westen einfach übersehen, nicht erkannt oder falsch eingeordnet worden sind, eben weil alles zwischen dem Westen und dem Osten scheinbar so friedlich und einvernehmlich und im ständigen Dialog funktionierte?

Gewiss, man hatte in Berlin und in Paris, in Rom, in London und in Washington zwar erkannt, wie gefährlich dieser Wladimir Putin war, spätestens nach der Annektion der Krim aber hätten die EU und die Nato (und die USA) jedoch erkennen müssen, dass der Kreml-Chef nicht nur gefährlich, sondern brandgefährlich und zu allem fähig ist, selbst zu einem von ihm inszenierten 3. Weltkrieg mit dem Einsatz von Atomraketen.

Er suchte nur eifrig und in aller Stille nach einem Opfer und nach einem Vorwand. Was damals kein Mensch wusste, nicht einmal die hochbezahlten Geheimdienste (diese also ihre Regierungen auch nicht darüber informieren konnten), das ist die wohl kaum noch zu bestreitende Tatsache, dass Putin bereits seinen Nachbarn, sein Brudervolk in der Ukraine als leicht zu bezwingendes Land für seinen Eroberungskrieg auserkoren hatte: Die Krim war für Wladimir Putin nur der kleine Finger, die demokratische Republik Ukraine sollte die ganze Hand werden.

Ich habe mir (Jahrgang 1939) bis vor fünf Tagen nicht vorstellen können und auch nicht vorstellen wollen, dass es möglicherweise einen 3. Weltkrieg geben könnte. Nein, das hielt ich für unmöglich, trotz gewaltiger Differenzen auf allen politischen Gebieten in Ost und West. Sich einstellende Zweifel an der Beständigkeit eines Friedens und immer wieder mal plötzlich auftauchende Ängste, dass es dennoch einen Krieg in Europa geben könnte, die versuchte ich immer wieder mit für mich stichhaltigen Argumenten und mit meinem festen Glauben aus mir zu verscheuchen, dass sich letztlich doch die Vernunft durchsetzen werde, bevor aus einem kleinen Feuerchen ein Flächenbrand zu werden droht.

Doch stimmt das überhaupt, habe ich mich da nicht geirrt?

Ich als normaler Mensch, der sich zwar Gedanken macht über all das, was gegenwärtig in der Welt geschieht, ich verfüge nicht über die detaillierten Kenntnisse, die man benötigt, um internationale Prozesse und brisante politische Entwicklungen sogleich bemerken und verstehen zu können.

Doch hätten nicht die EU, die Nato und alle dazu gehörenden Institutionen die Rauchzeichen am osteuropäischen Himmel (hier ist allein Putins Russland gemeint) und die Zeichen an der Wand der politischen Wirklichkeit im Westen bemerken und richtig deuten müssen, diese Signale waren doch nicht zu übersehen, da war doch alles bereits abzulesen, zumindest zu erahnen, wozu der Kreml-Chef in seinem Grössenwahn jederzeit fähig ist und dass dieser längst entschlossen war (und auch beschlossen hatte), die Ukraine auf jeden Fall zu überfallen und sich danach vielleicht auch gleich noch die drei baltischen Staaten sowie Polen und Rumänien einzuverleiben, denn wer sollte ihn daran hindern? Etwa die stets über alles zu lange debattierende EU oder die lahme Ente namens Nato?

Ich vermute, dass Putin seine westlichen Feinde immer nur so gesehen und bewertet hat. Was ihn glauben liess, dass die eigentliche Weltmacht nicht der feindliche und in sich zerstrittene Westen, sondern Russland sei.

Wie auch immer: Da lag jedenfalls das fertige Drehbuch und die perfide Strategie dieses Despoten offen vor unser aller Augen, wir hätten uns nur daran erinnern müssen, was bereits im Jahre 2014 geschehen war: Da nahm sich Putin die Krim so selbstverständlich, begründet und begleitet von den absurdesten Argumenten, um mit dieser Annektion den Westen vor vollendete Tatsachen zu stellen und abzuwarten, wie die EU und die Nato auf diesen Schurkenstreich reagieren wird. Sie taten es mit kleinen Sanktionen, die jedoch nicht gross und stark genug gewesen sind, um Wladimir Putin ernsthaft zu beunruhigen.

Hier nun aus gegebenem Anlass ein kurzes Nachdenken über die Frage, wie wird man eigentlich ein Autokrat?

Ich weiss nicht, ob es so etwas gibt wie ein „Handbuch für Diktatoren“: Band I für Anfänger, Band II für „Fortgeschrittene“ und Band III für jene, die schon sehr früh in ihrem Leben beschlossen haben, sich nach der Lektüre solcher „Lehrbücher“ in ihrem Land vielleicht in die Politik zu begeben (um sich dort hoch zu dienen) und zum rechten Zeitpunkt entweder mittels demokratischer Wahlen an die Macht zu gelangen oder sich an die Macht zu putschen, um dann mit eiserner Hand und brutal sein Volk zu unterdrücken. Was oftmals in Ländern geschieht, in denen bereits zuvor Autokraten an die Macht gekommen waren. Ich denke hier zum Beispiel an Nordkorea und an einige Länder in Afrika, in denen die Regierungsgewalt vom Vater oftmals an den Sohn weitergereicht worden ist (bis heute ist das so).

Doch noch einmal zu den „Handbüchern für Diktatoren“: Nehmen wir einmal an, es gäbe solche „Lehrbücher“ tatsächlich (im weitesten Sinne dürften auch Hitlers Machwerk „Mein Kampf“, diverse Schriften von Mao, von Stalin und anderen bereits verstorbenen „Lehrmeistern“ und Ex-Diktatoren dazu gehören), dann haben sich gewiss auch einige der heute regierenden siebzig Autokraten (auf diese gigantische Anzahl antidemokratischer Staaten kam die Bertelsmann-Stiftung bei ihrer neuesten „Tyrannen-Zählung“) gewiss eifrig mit den Inhalten und mit den darin enthaltenden Spielregeln, antidemokratischen, rassistischen und nationalistischen Thesen und Botschaften ihrer Vorgänger befasst, um dann eines Tages unerwartet durch einen Putsch (wie bereits erwähnt) oder über den Umweg mit Hilfe manipulierter Wahlen an die Macht gelangen zu können. Was ja zwischen 2000 und bis heute mehrfach der Fall gewesen ist (siehe Russland, Belarus u.a.). Soviel also zur Frage „wie wird man ein Autokrat“.

Aber solange es Diktaturen gab und stets auch weiterhin geben wird (der Trend weist ja eindeutig nach oben), solange wird es darunter auch immer wieder mal „Naturtalente“ geben, die das notwendige Tyrannen-Gen und das sehr gefährliche Demagogen-Gift offenbar bereits seit ihrer Geburt in sich tragen. Und wie schon immer in der Geschichte, so gehen auch heute diese „Naturtalente“ nach Beendigung der achten Klasse (manche auch mit Abitur) irgendwann einmal zielstrebig bei entsprechenden Institutionen (zumeist beim Militär und bei Spionage-und Geheimdiensten) „in die Lehre“, um sich dort auf ihre künftigen Aufgaben als kleine oder als grosse Diktatoren vorzubereiten.

Bei dem amtierenden russischen Präsidenten Wladimir Putin scheint es sich um eines dieser „Naturtalente“ zu handeln, denn sein Einstieg und sein rascher, immer steiler werdende Aufstieg ab 1991 in der russischen Machtapparatur nach dem Untergang der 1922 gegründeten Sowjetunion (UdSSR) war geradezu spektakulär. Er muss sich sehr intensiv dem Studium der vielleicht vorhandenen oder auch nur „gedachten“ „Handbücher für Diktatoren“ gewidmet haben. Und er hat dieses Studium offensichtlich sehr ernst genommen.

Um aber diesen Weg bis an die Spitze mit dem Chefsessel im Kreml gehen zu können, ohne auf diesem hindernisreichen Weg aus Neid, aus Intrigen und Lügen ins Stolpern zu geraten, musste er von Anbeginn seiner politischen Karriere vor allem darauf bedacht sein, niemals sein „wahres Gesicht“ zu zeigen (Das durfte er erst in dem Augenblick, in dem er dann endlich der allein herrschende Herr im Kreml geworden war).

Bis es aber soweit war, da musste sich Wladimir Putin erst einmal eine Maske aufsetzen: Niemand sollte erfahren, wer sich wirklich hinter dieser Maske verbarg.

Wie viele Masken aber kann und muss sich ein Mensch aufsetzen, um genau das in seiner Politik und im Umgang mit anderen Menschen zu erreichen, dass nämlich niemand erfährt, wer dieser Maskenträger in Wirklichkeit eigentlich ist, wie er denkt, was er tatsächlich fühlt und was er politisch will - und er dennoch zum Erstaunen der Welt alles erreicht, was er sich vorgenommen hat?

Das ist wahrlich ein Mysterium.

Die grosse Kunst, die der „rote Zar“ wie kein anderer seiner noch lebenden Autokraten-Brüder beherrscht, sie besteht darin, dass er genau weiss, vor wem er welche Maske aufzusetzen hat und wann er sie kurzfristig wieder absetzen darf. Das ist die hohe und perfide Kunst der Täuschung, die auch etwas mit der Magie und mit der Dämonie eines grössenwahnsinnigen Despoten zu tun hat, für den es keine moralischen und ethischen Gesetze zu geben scheint, wenn es um die Auslegung und um die Bewertung von Gut und Böse, um Leben und Tod, um Sein oder Nichtsein, um Recht oder Unrecht, um Krieg oder Frieden, um Freiheit (der Presse u.a.), um Völkerrecht und um die Würde des Menschen geht. Alles ist für Putin subjektiv und somit willkürlich. Seitdem er auf dem Kreml-Thron sitzt, wird jeder Gedanke, jede Anordnung, jeder Befehl von ihm automatisch zum Gesetz. Er allein entscheidet, was Gesetz und was nicht Gesetz sein darf. Russlands Parlament (die Duma) ist nichts anderes als eine Farce, ist eine als Parlament getarnte Ansammlung von Claqueren, die sich mit ihrem lauten Klatschen (jede Abstimmung liegt bei 99,9 Prozent) bei Wladimir Putin beliebt machen wollen. Kurz: Russland ist von einer Demokratie so weit entfernt wie die Erde vom Mond.

Und noch etwas gehört zum Phänomen Putin: Erst kommt bei ihm die Kunst, alles so zu gestalten wie er es will. Dem gesellt sich dann der Erwerb und der Einsatz jener teuflischen Kraft hinzu, sich nur mit Gleichgesinnten zu umgeben und keinen Widerspruch und keine Kritik an sich zu dulden. Auch nicht von Freunden. Das ist also das, was einen Diktator ausmacht. So gesehen, ist Wladimir Putin einzureihen in die diabolische Phalanx der grössten Despoten, die es je gegeben hat.

Was aber ist dann noch Mensch in der Gestalt eines offensichtlich profilneurotischen und nicht immer tatsächlich selbstbewussten Mannes (man denke hier daran, in welchen lächerlichen männlichen Posen er sich gern in den Medien präsentiert), der es nicht verkraften kann, dass sich sein Traum von einem „grossem Reich Russland“ nie mehr erfüllen wird, so wie es dieses schon zweimal gegeben hat: als russisches Kaiserreich von 1721 bis November 1917 und als Sowjetunion (UdSSR) von 1922 bis 1991.

Dieses Reich, das zur Kaiserzeit von Polen und der Ostsee bis an den Pazifik, vom nördlichen Polarkreis über den Kaukasus bis nach Zentralasien reichte, ja, von der Wiedergeburt eines solchen Imperiums scheint Wladimir Putin wie besessen zu sein. Auch das macht ihn so überaus gefährlich. Niemand, davon ist er gegenwärtig wohl fest überzeugt, wird ihn daran hindern können, weder die EU, noch die Nato und schon gar nicht die USA.

Aber um sich diesen verwegenen und anachronistischen Traum erfüllen zu können, dazu muss er erst einmal mittels eines offenen Krieges zunächst ein Land ganz in seiner geografischen Nähe überfallen oder den KGB beauftragen (heute nennt sich diese „Bruthölle des Bösen“ FSB und SWR), heimlich eine „Feindliche Übernahme“ vorzubereiten (wozu sind Geheimdienste denn sonst da?).

Und hat man erst einmal ein Land in der Tasche (wie jetzt vielleicht die Ukraine), dann könnte man sich ja auch rasch noch (wie bereits einmal erwähnt) die drei baltischen Staaten einverleiben und weitere Länder Osteuropas gleich noch dazu. Was die EU und die Nato dazu sagen werden, das schert Wladimir Putin wohl auch in diesem Fall nicht im geringsten, was die jüngste Vergangenheit eindeutig belegt. Putin ist bereit, auf´s Ganze zu gehen, um seinen Traum endlich politische Wirklichkeit werden zu lassen.

Und neben seinem „Grossrussland“ träumt der Kremlchef offensichtlich auch noch von einer „Neuordnung“ Europas, in dem Russland (natürlich) das Herzstück sein soll.

Ja, wen wundert es also, dass Wladimir Putin nun die Ukraine überfallen hat, seinen allernächsten Nachbarn und sein „Brudervolk“, das gegen die militärische Überlegenheit und gegen die neueste Waffenkraft der russischen Aggressoren selbstverständlich nicht die geringsten Chancen hat?

Ist es abwegig, wenn man diesen Überfall mit der Annektion der Tschechoslowakei durch Hitler im Jahre 1938/39 vergleicht? Denn auch damals spielten vor allem Lügen, Drohungen und Erpressungen sowie auch die Feigheit und Käuflichkeit vieler europäischen Politiker eine gravierende und damit verhängnisvolle Rolle. Wie sich die Bilder doch immer wieder gleichen.

Und an dieser Stelle muss auch einmal daran erinnert werden, dass schon einmal ein russischer Diktator einen Massenmord am ukrainischen Volk begangen hat, damals, im Jahre 1932, als „Väterchen Stalin“ die Ukraine hermetisch abgeschottet hatte von jeglicher Versorgung (Nahrung, Medizin u.v.m.), so dass in zwei Jahren etwa vier Millionen Ukrainer starben, Stalin liess sie einfach verhungern. Als „Holodomor“ („Tod durch Hunger“) zählt dieses Verbrechen bis heute zu den schmerzvollsten Traumata des ukrainischen Volkes und ist zugleich auch eine der grössten humanitären Katastrophen des 20. Jahrhunderts zu Friedenszeiten.

Soll und darf sich ein solches Verbrechen am ukrainischen Volk wiederholen, will das der Herr aus dem Kreml, vermag er das mit seinem atheistischen Gewissen zu vereinbaren und wie weit ist der russische Präsident entfernt (oder nah) dem bösen und zynischen Geist eines solchen Verbrechens, wenn er der ukrainischen Regierung unterstellt, eine von der Nato beherrschte und manipulierte Bande von Rauschgift verzehrenden Nazis zu sein, die einen Genozid an der russischen Minderheit und sogar auch an seinem eignen Volk begehen wolle und dass dieses kleine Land eine permanente Bedrohung für sein riesiges Land sei, dann sträuben sich mir die letzten Haare auf meinem Kopf.

Fazit: Mit dem heimtückischen Überfall auf die Ukraine und durch sein unehrenhaftes und zynisches Verhalten zuvor an allen ehrenwerten Staatsmännern wie zum Beispiel Emmanuel Macron und anderen redlichen Politiken gegenüber, die ihn in hektischer Eile aufsuchten, um ihn zu beschwören, einen Krieg in heutiger Zeit nicht anzuzetteln, einen Krieg, der sich letztlich in Minutenschnelle zu einem 3. Weltkrieg erweitern könnte – da lagen die Angriffspläne bereits fertig in der Schublade. Die da gekommen waren, um mit Putin über Frieden zu sprechen, sie wurden schamlos an der Nase herum geführt. Alle geführten Gespräche zwischen Putin und dem Rest der Welt waren daher keinen Cent mehr wert, denn einem Lügner kann und darf man keinen Glauben mehr schenken.

Das war nicht nur der Untergang einer zivilisierten abendländischen Diplomatie, nein, mit dem, was Putin mit seinem nun schon in den fünften Tag gehenden Krieg gegen die Ukraine abgeliefert hat, das ist eine Schande für die gesamte Menschheit. Und in dieser Phase, in der das ukrainische Volk unglaublich grossem Leid ausgeliefert ist, wo täglich Menschen sterben, Dörfer und Städte möglicherweise bereits heute oder morgen in Schutt und Asche liegen werden, da wagt es der russische Präsident auch noch, das von ihm überfallene Land, auch Europa und den Rest der Welt mit dem Einsatz von Atomwaffen zu bedrohen. Nun hat die ganze Welt das wahre Gesicht des Wladimir Putin gesehen. Und auch die schönste aller Masken wird nicht mehr verdecken können, was man da erblickt hat: ein von Hass auf die Demokratie verzerrtes Gesicht, dem alle menschlichen Züge abhanden gekommen zu sein scheinen.

Und so hat sich Wladimir Putin, der Kriegstreiber, möglicherweise (ich hoffe es) für alle Zeit aus der Reihe der ehrenwerten Staatsmänner und einer demokratischen und zivilisierten Welt selbst ausgeschlossen. Er gehört auf die Anklagebank des Kriegsverbrecher-Tribunals in den Haag. Das Urteil der Geschichte kann daher auch nur lauten: Schuldig, schuldig, schuldig.

Böse Ironie der gegenwärtigen Geschichte: Mir dem „Njet“ des russischen Delegierten im UN-Sicherheitsrat konnte Wladimir Putin nicht für seinen Krieg gegen die Ukraine „bestraft“ werden. Die Ironie und die Absurdität geht sogar noch weiter: Putin, der Verbrecher, sass im UN-Sicherheitsrat (symbolisch) quasi auf dem Richterstuhl und sprach sich damit selbst frei von aller Schuld. Millionen „normale“ Mörder würden ihr letztes Hemd dafür geben, wenn auch sie sich auf der Anklagebank in einem ordentlichen Gericht selbst für „unschuldig“ erklären könnten und sowohl der Staatsanwalt als auch der Richter damit einverstanden wären mit dieser frechen Auto-Absolution...

Das einzig Positive, dass sich durch diesen Krieg gegen die Ukraine ergeben hat, das ist das längst überfällige Erwachen der EU, der Nato und vieler Politiker in aller Welt aus einem seligen Tiefschlaf aus Ignoranz und Selbstherrlichkeit, das sie nun hoffentlich befähigt, nicht länger nur zu reden und immer wieder nur zu reden, sondern endlich zu handeln. Was nun endlich geschehen ist. Endlich ist der europäische Riese erwacht, um dem russischen „Riesen“ das Fürchten zu kehren.

Das bedeutet, dass der „Rote Zar“ nun zumindest durch harte Sanktionen abgestraft und soweit in die Ecke der Tatenlosigkeit gedrängt werden könnte, aus der er sich nicht mehr so rasch heraus winden kann. Wenn ihm nämlich das Geld ausgeht, dann muss er nicht nur diesen Krieg beenden, sondern dann kann er auch keinen zweiten Krieg mehr anzetteln.

Ich habe aber auch die Hoffnung, dass das russische Volk, vor allem jedoch die jungen Menschen so langsam begreifen, von welchem Demagogen sie bereits seit vielen Jahren belogen, bedroht, verhaftet und eingekerkert werden (wie gerade in diesen so dramatischen Tagen), wenn sie gegen die Putin-Tyrannei, gegen jeden Krieg (also auch den gegen die Ukraine), für Freiheit, Gerechtigkeit und für Demokratie und für ein besseres Leben in ihrem geliebten Russland auf der Strasse protestieren.

Freiheit, ein besseres Leben, sogar Pressefreiheit und auch Demokratie und vieles mehr, das alles hatte Putin in seinen ersten Neujahrsansprachen seinem Volk stets recht salbungsvoll versprochen. Gehalten hat er nichts von seinen Versprechungen, mit denen er im russischen Volk so viel Hoffnung auf eine besseres Leben ausgelöst hat.

Russland blickt auf eine grosse Revolutions-Tradition zurück. Warum soll diese Tradition nicht kurz einmal aus der Vergangenheit auftauchen und abermals einen Tyrannen zum Teufel jagen aus einem Land, das schliesslich doch zu den grossen Kultur-Nationen der Welt zu zählen ist. Putin ist kurz davor, diesen guten Ruf seines Landes als Kulturnation zu beschädigen. Das dürfen das christliche Abendland und die gesamte zivilisierte Welt nicht zulassen. Es lebe die russische Welt nach Putin.

Axel Michael Sallowsky

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